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Brandsicherheit in der Bauphase

Brandsicherheit in der Bauphase

Am 12. Juli 2006 geriet in der Nähe der Londoner U-Bahnstation Colindale ein sechsgeschossiger Holzbau in Brand. Als Ursache wird eine weggeworfene Zigarette in dem noch unbeplankten Rohbau vermutet. Das Feuer breitete sich rasch auf die benachbarten, ebenfalls noch nicht fertiggestellten Gebäudeteile, aufgrund noch nicht fertig gestellter Brandabschnitte, aus. Brandursache und -verlauf werden zur Zeit von den lokalen Behörden untersucht. Ein weiteres in Bau befindliches Holzgebäude brannte am 11. August 2007 in London-Hatfield.

Diese Fälle führen zu der Frage, wie in Österreich Brandschutz in der Bauphase geregelt und gewährleistet wird und ob auch bei uns ein Baustellenbrand ähnlich katastrophale Auswirkungen haben könnte. Erfreulicherweise kann diese Frage aus folgenden Gründen mit „nein“ beantwortet werden:

Während im angelsächsischen Raum die Holzbauten meist in der als „two-by-four“ bekannten Rippenbauweise mit geringem Vorfertigungsgrad errichtet werden, hat man in Mitteleuropa in den letzten Jahrzehnten konsequent den Weg der Vorfertigung verfolgt. Sowohl im Ein- und Zweifamilienhausbau als auch im mehrgeschossigen Wohnbau kommen heute vorwiegend Holztafel- bzw. Massivholzelemente zum Einsatz. Diese werden als mit allen Öffnungen und Verkleidungen versehene Fertigteile bereits mit dem für den entsprechenden Gebäudeteil geforderten Brandwiderstand auf die Baustelle geliefert und montiert, wodurch schon in diesem Stadium ein hohes Maß an Brandschutz gewährleistet ist. Im Vergleich dazu kann es bei der „two-by-four“-Bauweise mit am Bau zusammengenagelten, noch nicht verplankten Rippen leicht zu einem Brand kommen. Zusätzlich muss in Österreich seit 2003 neben dem freiwilligen Gütezeichen für vorgefertigte Holzelemente das gesetzlich vorgeschriebene ÜA-Zeichen als Einbauzeichen nachgewiesen werden, wofür akkreditierte Prüfanstalten die eingesetzten Baustoffe sowie die Ausführungsqualität in der Produktion und auf der Baustelle kontrollieren.

Weiters wurden seit Mitte der 1990er-Jahre in Österreich die einzelnen Bauordnungen überarbeitet, sodass inzwischen gemäß den Landesgesetzgebungen in den meisten Bundesländern drei bis vier Vollgeschosse in Holz errichtet werden dürfen. Die Brandwiderstandszeiten der Bauteile (Wände, Decken, Dächer) inklusive Installationen, Durchdringungen, Anschlüsse und Verbindungen werden dabei durch einschlägige Normen geregelt, die ausreichende Sicherheit der unter diesen Vorgaben errichteten Bauten durch Forschungsarbeiten belegt. (siehe www.dataholz.com)

Während der Bauphase gibt es bei jeder Bauweise, ungeachtet der verwendeten Materialien, erhöhte Brandgefahr. Um Baustellenbrände zu vermeiden bzw. einen raschen Löschvorgang zu ermöglichen, hat der österreichische Gesetzgeber mit der Einführung eines Sicherheits- und Gesundheitsschutzplans vorgesorgt und der Sicherheit auf Baustellen einen entsprechenden Stellenwert eingeräumt.

Der Plan beinhaltet u.a. eine nach den einzelnen Gewerken gegliederte Gefährdungsanalyse und einen umfangreichen Bauablaufplan, in dem die jeweiligen Gefährdungen, die Koordinierung der notwendigen Sicherheitseinrichtungen und die Maßnahmen zur Gewährleistung ihrer Funktionstüchtigkeit festgehalten sind. Der Baustellenkoordinator ist verpflichtet, die Einhaltung dieser Vorgaben zu überprüfen.

Das Sicherheitsniveau von Holzbauten und -baustellen in Österreich entspricht daher auch im Bereich des Brandschutzes den gesetzlich vorgegebenen Richtlinien.

Kontakt:
DI (FH) Rainer Handl
Fachverband der Holzindustrie
Schwarzenbergplatz 4, PF 123
1037 Wien
T +43 (0)1/712 26 01
handl@saege.at
www.holzindustrie.at

DI Dr. Martin Teibinger
Holzforschung Austria
Franz Grill-Straße 7
1030 Wien
T +43 (0)1/798 26 23
m.teibinger@holzforschung.at
www.holzforschung.at

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