Über Baumzähler, Laser und Radare
Was sich im Wald wie messen lässt –
und wer davon profitiert
So ein Wald, der hat schon was. Für Schwammerl-
sucher und Wanderer bietet er Erholung, für Läufer
oder Mountainbiker Herausforderungen. Er ist wich-
tiger Kohlenstoffspeicher, schützt Mensch und Natur
vor Muren und Lawinen – und er gibt der Forst-,
Säge- und Holzindustrie ihre wichtigste wirtschaft-
liche Grundlage. „Das ist längst nicht alles“, sagt
Klemens Schadauer, der Leiter des Instituts für
Waldinventur des Waldforschungszentrums (
bfw
).
Mit seinem Team erhebt Schadauer Daten über den
Zustand des österreichischen Waldes. An denen
sind neben der Industrie Landwirte genauso inte-
ressiert wie Umweltorganisationen, die Almwirt-
schaft oder der Tourismus. „In manchen Regionen
gibt es etwa die Angst, dass der Wald überhand-
nimmt“, sagt Schadauer. So würden sich einige
Alm- oder Landwirte sowie Tourismusbetriebe für
ihre wirtschaftlichen Interessen in ihren Regionen
deutlich weniger Wald wünschen. Auch sie ver-
folgen die Waldflächenveränderung ganz genau.
Bäume zählen fürs Kyoto-Protokoll
10
Millionen Euro hat Schadauer in einem Unter-
suchungszeitraum von vier Jahren zur Verfügung,
200
Parameter werden erhoben. Art, Höhe und
Dicke eines Baumes sind gerade einmal drei Punkte.
Dazu kommen zahlreiche Informationen zu seiner
ökonomischen und ökologischen Leistungsfähigkeit.
„Ich kenne kein zweites Umweltmonitoring, das so
große Finanzmittel benötigt“, sagt Schadauer.
Derzeit lässt der Institutsleiter durch Mitarbeiter
der Waldinventur aktuelle Daten für das Kyoto-Pro-
tokoll erheben. Denn das Klimaschutzabkommen
verpflichtet die teilnehmenden Länder, jährlich zu
berichten, wo sich die Waldfläche und wie sich die
Biomasse im Wald verändert. Liefert Österreich
keine Berichte, setzt es Strafen. In Zukunft soll der
Auftrag noch größer werden: Bis
2020
wird durch
das Kyoto-Protokoll eine komplette Waldinventur
verpflichtend gefordert.
Das trifft sich insofern gut, als sehr viele der zusätz-
lich geforderten Daten schon in der österreichischen
Waldinventur erhoben werden. In einem Zeitraum
von drei Jahren wird der Wald von
55
Mitarbeitern
statistisch signifikant erforscht. Von den rund
3,4
Milliarden Bäumen im Wald werden etwa
90.000
persönlich besucht, die erhobenen Daten lassen sich
auf plus⁄ minus
1
Prozent genau hochrechnen. Zwi-
schen
2007
und
2009
wurde die letzte Waldinventur
durchgeführt, ab
2015
ist die nächste geplant.
Biomasse errechnen mit Laserscannern und
Luftbildern
Eine Erkenntnis aus der letzten Untersuchung war:
Der Waldanteil in Österreich nimmt nach wie vor
leicht zu. Die Gründe dafür sind der Rückgang von
landwirtschaftlich genutzten Flächen, die wieder
Wald wurden, sowie Aufforstungsinitiativen und der
Klimawandel, der in alpinen Gebieten die Waldgrenze
nach oben wandern lässt. Es wird aber auch immer
mehr Holzzuwachs genutzt, „von der Biomasse- bis
zur Säge- und Papierindustrie“, sagt Schadauer. Das
David Krutzler
1833
Georg Huebmer (
1755– 1833
), auch genannt der Raxkönig, entwickelt mit seinem Bruder Johann
eine Holzschwemmanlage, die es erlaubt, Holz auch aus fernen Gebieten nach Wien zu bringen.
1843
Die Waldwidmung wird endgültig aufgehoben. Bis dahin durften viele
Wälder ausschließlich zur Bedarfsdeckung der Industrie genutzt werden.
1835
1840
1845
Österreich aus
600
km Höhe
aufgenommen vom Erdbeob
-
achtungssatelliten Landset
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