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Fachgebiet Holzbau am Institut für Entwerfen und Bautechnik, Fakultät für Architektur der TU München

Serie Forschung und Lehre (V) Fachgebiet Holzbau am Institut für Entwerfen und Bautechnik, Fakultät für Architektur der TU München

Seit 2002 besteht das Fachgebiet für Holzbau an der Architekturfakultät der TU München, die damit eine der wenigen europäischen Architekturschulen mit einem Schwerpunkt für Forschungs- und Ausbildungseinrichtungen zum Thema Holzarchitektur ist. Ausschlaggebend für die Etablierung des Fachgebiets waren sowohl der Holzreichtum Bayerns als auch die Überzeugung, dass in biogen basierten Baustoffen wichtiges Potenzial für die Zukunft steckt. Mit dem Vorarlberger Architekten Hermann Kaufmann als Professor sind sowohl die Lehre als auch die Forschung stark praxisorientiert, ein Hauptgewicht liegt außerdem in der fächerübergreifenden Kooperation mit anderen Instituten, Fakultäten und Institutionen.

Das Fachgebiet beinhaltet:

  • die klassische Baustoffkunde mit Schwerpunkt der modernen Entwicklungen der Werkstoffe und Fügungstechniken
  • die Vermittlung der konstruktiven Möglichkeiten und Gesetzmäßigkeiten des Holzbaus
  • Prinzipien- und Detailwissen über neuzeitliche baustoffbezogene Hüllkonstruktionen unter Berücksichtigung des Wissens über ressourcenschonende Bauweisen
  • die Auseinandersetzung mit der baukulturellen Dimension des Holzbaus

Der zentrale Lehrinhalt aber ist der Entwurf, also das intensive Bemühen um gute Architektur und die Auseinandersetzung mit dem baulichen und sozialen Kontext unter der Maxime des umweltschonenden Handelns sowie der Schaffung gesunder Umgebungen.

Entsprechend dieser Vorgaben werden die Forschungsthemen ausgewählt. Generell wird die Beschränkung auf das Material Holz nicht als Einschränkung, sondern als Gelegenheit zur Vertiefung betrachtet, wobei Holz auch exemplarisch für andere Materialien steht.

Lehre

Die Architekturausbildung an der TU München dauert zehn Semester und zeichnet sich durch eine verpflichtende Vertiefung im Fachgebiet Holzbau bereits im zweiten Studienjahr im Umfang von acht Semesterwochenstunden aus. Der erste Studienabschnitt wird nach vier mit der Diplomvorprüfung, der zweite Studienabschnitt nach sechs Semestern mit der Diplomprüfung abgeschlossen. Darin enthalten sind verpflichtende Praxiszeiten. Im zweiten Abschnitt werden neben den Pflichtfächern drei Schwerpunkte angeboten: Entwerfen und Gestalten, Entwerfen und Bautechnik, Entwerfen und Städtebau. Für die Diplomarbeit wird je ein Thema aus diesen Schwerpunkten bearbeitet, mit der „Sonderdiplomarbeit“ gibt es die Möglichkeit, ein Thema eigener Wahl zu bearbeiten.

Im Zuge der Homogenisierung der Universitäten Europas wird an der Einführung eines Master-Studienlehrganges „Holzbau für Architekten und Bauingenieure“, gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Holzbau und Baukonstruktion an der Fakultät für Bauingenieur- und Vermessungswesen der TU München, Professor Stefan Winter, gearbeitet. Ziel ist es, das gegenseitige Verständnis von ArchitektInnen und BauingenieurInnen zu verstärken, um optimale Ergebnisse in Entwurf, Planung und Umsetzung von Holzarchitektur zu erreichen.

Forschung

Ebenso praxisorientiert wie die Lehre sind auch die Forschungsaktivitäten des Fachgebiets. Neben dem Thema der Ressourcenoptimierung im Bauwesen durch den Baustoff Holz und der Herstellung gesunder Lebensumgebungen mit hohen baukulturellen Qualitäten steht die Erforschung baulicher Zusammenhänge sowie die Weiterentwicklung der Anwendungsmöglichkeiten im modernen Holzbau im Zentrum der Untersuchungen.

Gemeinsam mit den Lehrstühlen für Holzbau und Baukonstruktion sowie der Holzforschung in Weihenstephan wird an einer breiten Kompetenzbasis in der Forschung über Holz gearbeitet.

Im Rahmen der „High-Tech-Offensive Bayern“ werden von der TU München und der Fachhochschule Rosenheim 18 Forschungsprojekte im Bereich „Holz im Büro- und Verwaltungsbau“ umgesetzt, drei davon im Fachbereich Holzbau:

  • Unter dem Hauptaspekt der Klimagerechtigkeit werden theoretische Grundlagen erarbeitet. In einer Studie wurden bisher 50 Büro- und Verwaltungsgebäude aus Holz analysiert, weitere sollen folgen.
  • Die praktische planerische Umsetzung der Forschungsergebnisse aller 18 Teilbereiche.
  • Die Entwicklung eines vertikalen Schiebemechanismus für Fenster, um vor allem in der Nacht eine verbesserte, klimagerechte Lüftung der Gebäude zu ermöglichen.
  • Die Entwicklung eines Software-Programms als themenspezifische Planungshilfe sowie die vollständige Publikation der Ergebnisse sind weitere Ziele dieser Untersuchungen.

Ein möglicher Schwerpunkt für die zukünftige Entwicklung der Forschungstätigkeiten hängt von der bevorstehenden Bildung so genannter „Exzellenzcluster“ ab. Die TU München hat gute Chancen, in dieses bundesweite Programm aufgenommen zu werden. Gemeinsam mit anderen Instituten strebt der Fachbereich Holzbau ein Forschungsprojekt zum Thema „Nachhaltigkeit im Städtebau“ an.

Ausblick

Lag der Schwerpunkt des Fachgebiets bisher in der Lehre, so soll künftig die Erforschung praxisnaher Aspekte des Holzbaus mehr in den Vordergrund rücken, um das architektur- und umweltrelevante Potenzial weiter auszuschöpfen und dem nachwachsenden Rohstoff Holz mehr Gewicht im Planungsalltag zu verleihen.

(Zeitschrift Zuschnitt 24, 2006; Seite 30)

Kontakt

Fachgebiet Holzbau am Institut für Entwerfen und Bautechnik der Fakultät für Architektur, TU München 
Univ.Prof. DI Hermann Kaufmann
Arcisstraße 21
D-80333 München
T +49(0)89/289-25492
holz@lrz.tum.de 
www.holz.ar.tum.de