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wiederverwertbar - Wenn es kein Holz gäbe, müsste man es erfinden

Wenn es kein Holz gäbe, müsste man es erfinden ...

© Hertha Hurnaus

... das ist aus heutiger Sicht schnell und leicht dahergesagt; aber »Holz« erfinden? Da steckt doch viel mehr dahinter. Und wenn wir es nicht hätten, wüssten wir denn so genau, was uns fehlt, um es zu »erfinden«? Beim Nachdenken, was bei der Entwicklung der menschlichen Kultur alles aus und mit Hölzern hergestellt worden ist, wie elementar Wald, Bäume und Holz für die Entwicklung der Menschheit seit der Eiszeit waren und welche wichtige Rolle sie heute spielen, kommt einiges zusammen, was uns da abgegangen wäre.

Vom Abfall zum Nebenprodukt

In der Bearbeitung durch die Sägeindustrie haben die vergangenen Jahrzehnte enorme Produktivitätssteigerungen gebracht. Die Vorschubgeschwindigkeiten wurden massiv gesteigert, mit neuer Technologie werden die Stämme vor dem Sägen gescannt, um das Holz auf etwaige Einschlüsse von Metall und voraussichtliche Holzqualität zu untersuchen und den Stamm optimal zu zerteilen. Fachleute reden sogar von Filettieren. Das Z erspannen mit großen Kreissägeblättern – im Gegensatz zu den langsameren Gattersägen – ergibt zwangsläufig mehr und riesige Mengen an Spänen, die sinnvoller weise ohne Weitertransport am Ort, wo sie anfallen, genutzt werden.

Wärme und Strom

Wachsende Bedeutung gewinnen daher die so genannten »Sägenebenprodukte« als Energieträger. Zuerst einmal direkt im Werk zur Erzeugung von Prozesswärme, in der Folge aber als Brennstoff in einem Biomasseheizwerk direkt auf dem Werksgelände, mit dem Fernwärme angeboten und, bei entsprechender Ausrüstung als Blockkraftwerk, zuvor auch noch elektrischer Strom erzeugt werden kann. Hinter diesen Entwicklungen stehen äußerst anspruchsvolle verfahrenstechnische Ingenieurleistungen. Denn es reicht nicht, die Dinge zum Laufen zu bringen, das Ganze muss auch wirtschaftlich sein. Das Pressen der Späne zu Pellets machte sie unkompliziert transportfähig. Vergleichbar mit Heizöl lassen sich Pellets mit Tankwagen zu privaten und öffentlichen Abnehmern bringen.

Papier ist Holz

Große Segmente einer anspruchsvoll und optimal organisierten, Holz verarbeitenden Industrie sind in der öffentlichen Wahrnehmung nahezu ausgeblendet. Seit Kopierer und Drucker den Papierbedarf vervielfacht haben, ist die Papierindustrie aufgeblüht, hat die Abwasserproblematik längst bewältigt, die Produktionsabläufe unter Einbezug von Recycling-Papier optimiert und fährt auf der Gewinnschiene. Den zu Zellulosefasern verarbeiteten Rohstoff liefern die Forstwirtschaft mit Durchforstungsholz und die Sägereien mit dem, was nach dem Zuschnitt zu Balken und Brettern übrig bleibt. Doch wer denkt heute daran, wenn er über den Bildschirm mit Maus oder Taste den Befehl zum Drucken gibt?

Bauen mit Holz

Das Bauen mit Holz ist sicher sehr alt, und wo Holz zur Verfügung stand, wurde es immer genutzt. Anders als bei den anorganischen Baumaterialien blieb allerdings die Innovationsbereitschaft wegen der starken und bewährten Tradition bis auf wenige Ausnahmen lange Zeit zurückhaltend. Das hat sich jedoch in jüngster Zeit entschieden geändert und der zeitgenössische Holzbau vermag vor allem im Wohnbau, aber auch für weit gespannte Hallen gut mithalten. Bauen mit Holz ist einfach und anspruchsvoll zugleich. Doch erfüllt es Architekten, Designer und Bauleute mit Genugtuung, dass sie einen nachwachsenden, menschenfreundlichen Rohstoff verarbeiten können. Und egal ob Abfall oder Abbruch: Holz bleibt immer recyclierbar. Da kann man besonders aus zukünftiger Sicht nicht so falsch liegen.

© Ignacio Martinez