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"Cenni di Cambiamento" in Mailand

Dachgleiche für das größte Wohnbauprojekt aus Holz in Europa

Der soziale Wohnbau in der Via Cenni in Mailand stellt ein in seiner Dimension bislang einzigartiges Projekt dar. In vier neungeschossigen Gebäuden mit je 27 Meter Höhe werden 124 Wohnungen untergebracht. Gebaut wird in Holz-Massivbauweise mit großflächigen Brettsperrholzelementen – also in jener Technologie, die den Schlüssel für den Einsatz von Holz in mehrgeschossigen Gebäuden bildet und zu dessen Entwicklung Österreich federführend beigetragen hat. So kommt es auch, dass die benötigte Menge von 6.100 m³ Brettsperrholz (XLAM) „made in Austria“ ist und auch begleitende Beratung zum Holzbau aus Österreich mitgeliefert wurde. 

Treppen- und Liftkörper aus Holz

Bei diesem innovativen Projekt bestehen auch die Treppen- und Liftkörper aus Brettsperrholz-Platten. Im Juli 2012 wurde mit den Bauarbeiten für den Holzbau begonnen. Jetzt – nur knapp 8 Monate später – ist die Dachgleiche der vier Holztürme erreicht, noch in diesem Jahr sollen die Bewohner einziehen. Die rasche Bauzeit war eines der Argumente, die für die Errichtung in Holz sprachen. Zudem konnten Vorteile wie der Einsatz eines nachwachsenden Rohstoffs, gutes Isolationsverhalten und Erdbebensicherheit überzeugen. Nicht zuletzt wurde auch der vorgegebene Kostenrahmen eingehalten – die Holzbauweise hat sich als nicht teurer als alternative Bauweisen erwiesen und es konnte einem der entscheidenden Kriterien bei dem Projekt, nämlich leistbaren Wohnraum zu schaffen, entsprochen werden. 

Mehrgeschossiger Wohnbau aus Holz in Europas Metropolen

Das Projekt markiert einen weiteren  Höhepunkt in einer Reihe von mehrgeschossigen Wohnbauten in europäischen Metropolen, die oft mit Knowhow und Produkten aus Österreich entstehen. Gemäß den landesspezifischen Baugesetzen geht die Entwicklung eindeutig nach oben.

In der Schweiz sind sechs Stockwerke ohne Sonderbewilligung möglich, Zürich erlebt nicht zuletzt auch aufgrund der 2.000-Watt-Gesellschaft, der sich die Stadt verschrieben hat, einen Holz-Boom im Wohnbau.

In Wien ist seit der Techniknovelle 2007 der Einsatz von Holz bis zu maximal sieben Geschossen möglich. Die Wohnhausanlage in der Wagramer Straße in Wien ist die erste bauliche Umsetzung der neuen rechtlichen Rahmenbedingungen. Allerdings sind besondere Brandschutzauflagen zu erfüllen, im Fall der Wagramer Straße wurden daher eigene Bauteilaufbauten entwickelt und im Brandversuch die Erfüllung der hohen Anforderungen nachgewiesen.

Holzbauten ohne Höhenbegrenzungen

Anders als in der Schweiz und in Österreich gibt es in Großbritannien keine Höhenbegrenzungen – egal mit welchem Material gebaut wird. Und hier zeigt sich dann auch, dass die Entwicklung eindeutig nach oben geht.
2009 wurde in London das Stadthaus Murray Grove mit acht Stockwerken aus Holz realisiert. 2011 ist mit dem Bridport House ein weiterer Achtgeschosser in der britischen Metropole fertiggestellt worden. Dieses Leuchtturmprojekt ist der erste mehrgeschossige Holzbau in Großbritannien, bei dem auch das Erdgeschoss in Holz ausgeführt wurde. Sowohl Murray Grove als auch Bridport House sind Wohnbauten in Holz-Massivbauweise mit Brettsperrholz, in beiden Fällen wurden – wie beim Projekt Via Cenni – die Produkte und Holzbau-Knowhow von österreichischen Herstellern beigesteuert.

Was die erlaubten Bauhöhen anbelangt ist die Situation in Italien inzwischen vergleichbar mit der in Großbritannien. Waren zum Zeitpunkt der Projektierung des Wohnbaus Via Cenni Bauten mit Holz noch auf insgesamt vier Geschosse limitiert und mussten für das Megaprojekt noch Sondergenehmigungen der obersten Baubehörde Italiens eingeholt werden, ist 2011 unter Mario Monti diese Höhenbeschränkung für Holzbauten aufgehoben worden. In punkto Brandschutz galten für das Projekt Via Cenni keine Sonderbestimmungen, sondern die Standardauflagen für Bauten dieser Größenordnung.