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Die architektonische und soziale Qualität zählt - Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit 2013

Nachhaltigkeit wird im Bauwesen verstärkt unter einem ganzheitlichen Ansatz betrachtet. Eine anspruchsvolle Architektur ist neben Ressourcenschonung Selbstverständlichkeit. Holz punktet in allen Bereichen.

Der Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit wurde im Vorjahr zum dritten Mal im Rahmen von klima:aktiv und der Klimaschutzinitiative des Lebensministeriums ausgeschrieben und heuer prämiert. Fünf gleichwertige Preise wurden am 14. Februar 2013 vergeben, zwei davon gingen aus guten Gründen an Bauten aus Holz.

Holz schafft Lebensqualität
Der Einsatz von Holz bringt neben einer hohen Energieeffizienz u. a. den Vorteil, dass mit der Verwendung der heimischen und nachwachsenden Ressource die regionale Wertschöpfung gestärkt wird. Niki Berlakovich, Bundesminister für Land- und Forstwirtschaft, wies im Rahmen der Staatsverleihung insbesondere auf die Wichtigkeit der Verwendung von heimischen Baumaterialien hin.  

Darüber hinausgehend bringt Bauen mit Holz den zusätzlichen Mehrwert von guter Atmosphäre und Behaglichkeit. Die dritte „Säule“ der Nachhaltigkeit, die sogenannte soziokulturelle Dimension, kommt hier verstärkt zum Tragen. Die Schaffung von Lebensqualität ist das Schlüsselwort. Das bezieht sich auf ein breites Spektrum von Qualitäten, wie z. B. auf die Bereitstellung von privaten Freiflächen oder die infrastrukturelle Versorgung und Anbindung, aber vor allem ebenso auf ein optimiertes Mikroklima.  

Die prämierten Holzbauten als Leitbilder der dritten Säule der Nachhaltigkeit
Beide prämierte Holzbauten, die Allgemeine Sonderschule 4 in Linz von grundstein Architekten sowie das AgrarBildungsZentrum Salzkammergut von Fink Thurnher Architekten, stellen in diesem Punkt im Verbund mit optimalen Raum- und Nutzungskonzepten außerordentliche Leistungen dar.  

Beim Siegerprojekt der Linzer Sonderschule beispielsweise waren von Entwurfsbeginn an günstige Materialien vorgesehen, um Einsparungen der Erzeugung von Raumqualität zu Gute kommen zu lassen: Der Raum sollte seiner Funktion als „dritter Pädagoge“ gerecht werden. So fiel die Entscheidung, die Aufstockung des Bestandsgebäudes um ein Geschoß in Holzbauweise durchzuführen (in Modulbauweise mit Holzelementen und einem Holz-Beton-Verbund-Deckensystem). Das Raumprogramm orientierte sich an den (reform)pädogogischen Anforderungen der Schule und war zuvor gemeinsam mit Pädagogen, Bauherrenvertretung und Schulbehörden ausgearbeitet worden. Das Ergebnis ist nicht nur ein funktionales Schulgebäude, sondern auch ein gemütliches, indem sich Schüler und Lehrer gleichermaßen wohlfühlen.  

Ein „Wohlfühlgebäude“ ist, trotz seiner großen Dimension, auch das AgrarBildungsZentrum Salzkammergut im oberösterreichischen Altmünster – das zweite Siegerprojekt in Holzbauweise: Der Neubau integriert nach dem Vorbild des traditionellen Vierkanthofs zwei Bauteile aus den 1950er und 1960er Jahren. Holz als Konstruktions- und Fassadenmaterial sorgt für die angemessene Maßstäblichkeit. Es ist hier als lokale Ressource der „dritte Pädagoge“ der zukünftigen Landwirte und Landwirtinnen. Ebenso ist das Innere von einer wohltuenden Einheitlichkeit und einem angenehmen Klima bestimmt, das auf der durchgängigen Verwendung von Weißtanne aus Oberösterreich – für Böden, Wände und Decken – beruht. „Seine Ruhe, seine Gelassenheit und seine souveränen Raumfolgen lassen jeden Besucher der Weltarchitektur begegnen,“ so beschreibt Roland Gnaiger, Staatspreisbeauftragter und Vorsitzender der Jury, das Gebäude.  

Nachhaltiges Bauen ist verantwortungsvolles Bauen
Nachhaltig Bauen hat vor allem auch mit einem verantwortungsvollen Blick in die Zukunft zu tun. Das Argument, dass energiebewusste Gebäude kostenaufwändiger sind, ist längst nicht mehr haltbar. Roland Gnaiger meint dazu: „Die Errichtungskosten eines Gebäudes betragen rund ein Drittel der gesamten Lebenszykluskosten. Diese werden aber von der Qualität der Errichtung enorm beeinflusst. Wenn man allenfalls von acht Prozent Mehrkosten in der Errichtung spricht, kann das 40 Prozent Kosteneinsparung auf den gesamten Lebenszyklus bringen.“¹

¹Morgenjournal, oe1, 14. Februar 2013

Die Nominierten (von West nach Ost):
Volksschule Mäder
Bauherrin: Gemeinde Mäder
Architekten: Fink Thurnher
Fachplanung: Spektrum, Zentrum für Umwelttechnik und -management; Öko-Plan Wilfried Begle
 
Plusenergie-Einfamilienhaus, Hard
Bauherr: Martin Brunn
Architekten: Martin Brunn und Gerhard Zweier
Fachplanung: Ender Klimatechnik; Automation Next

Agrarbildungszentrum Salzkammergut, Altmünster
Bauherrin: Landes-Immobilien-GmbH
Architekten: Fink Thurnher
Fachplanung: Ziviltechnik Lothar Künz; E-Plus
 
Allgemeine Sonderschule 4, Linz
Bauherrin: Immobilien Linz
Architekten: Architektur Grundstein
Fachplanung: IBO; Technisches Büro Grillenberger
 
Wohnanlage Messequartier, Graz
Bauherrin: Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft ENW
Architekt: Markus Pernthaler
Fachplanung: Vatter & Partner; RFG Engineering; Bau Xund
 
Niederösterreich-Haus, Krems
Bauherrin: NÖ Landesimmobilien-GmbH
Architekten: ARGE NÖHK; Alles Wird Gut; Feld 72; Fritsch, Chiari & Partner
Fachplanung: Walter Prause; ZFG; Bau Xund
 
ÖAD-Gästehaus Gasgasse, Wien
Bauherrin: Gemeinnützige Genossenschaft Heimbau
Architekt: Martin Kohlbauer
Fachplanung: Vasko & Partner, Schöberl & Pöll
 
Energiespar-Wohngebäude U 31, Wien
Bauherrin: Heindl-Holding
Architekten: Querkraft GmbH
Fachplanung: Schöberl & Pöll; BPS
 
Wohnen am Mühlgrund, Wien
Bauherrin: Bauen und Wohnen GmbH
Architekten: Artec
Fachplanung: Schöberl & Pöll; Käferhaus; Auböck + Kárász

Information
Österreichische Gesellschaft für Umwelt und Technik – ÖGUT
DIin Margit Schön
Hollandstraße 10/46
A-1020 Wien
T +43(0)1 / 315 63 93-27
staatspreis@oegut.at

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