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Pressegespräch: Nur Bewirtschaftung sichert den Wald von morgen

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Zum Auftakt der Holz ist genial-Kampagne hat proHolz Austria Medienvertreter*innen zu einem virtuellen Waldspaziergang eingeladen. Mit Live-Schaltung in den Wald wurde erklärt, warum Wälder bewirtschaftet werden müssen, um ihre vielfältigen Funktionen für die Zukunft zu erhalten.

Österreichs Wälder haben ein Problem: Sie sind in besonderem Ausmaß vom Klimawandel betroffen, der bereits sichtbare Auswirkungen zeigt und ihre Leistungsfähigkeit in allen Bereichen bedroht. „Wälder sind wirksame Klimaschützer, zugleich aber auch Leidtragende des Klimawandels. Nachhaltige Waldbewirtschaftung ist in zweierlei Hinsicht unverzichtbar: Einerseits steigert sie den Klimaschutzeffekt der Wälder, weil sie Holz verfügbar macht, das als Werk- und Baustoff eingesetzt den Kohlenstoffspeicher aus dem Wald verlängert und CO2-verursachende Materialien ersetzt. Andererseits sind nachhaltige Bewirtschaftung und aktive Forstwirtschaft gerade jetzt erforderlich, um den Wäldern bei der Klimawandel-Anpassung zu helfen“, erklärte proHolz Austria-Obmann Richard Stralz beim Pressegespräch.

Nachhaltige Bewirtschaftung heißt, dass nie mehr Holz geerntet wird, als mittelfristig wieder nachwächst. Nachhaltige Bewirtschaftung heißt auch, dass sich die Forstwirtschaft um den dauerhaften Erhalt aller Funktionen der Wälder kümmert. „Holzabsatz ist die wirtschaftliche Basis, die umfassendes Waldmanagement durch die Forstwirtschaft möglich macht“, so Stralz weiter.

Wälder im Klimawandel – Warum die Forstwirtschaft eingreifen muss
Der Klimawandel macht sich mit steigenden Durchschnittstemperaturen bemerkbar. Österreich zählt zu den Ländern, in denen die Temperaturzunahme deutlich stärker ausfällt als im weltweiten Durchschnitt. Das bedeutet schon jetzt weniger Niederschläge und Trockenheit insbesondere im Nordosten des Landes, im Wald- und im Mühlviertel. Dort sind auch die Auswirkungen auf die Wälder besonders augenscheinlich. „Die Herausforderung ist das enorme Tempo des menschverursachten Klimawandels. Bäume haben lange Wachstumszyklen und kommen daher mit der fast schlagartigen Veränderung der Klimabedingungen besonders schlecht zurecht. Das Ökosystem Wald kommt in der natürlichen Umstellung nicht nach. Ohne aktives Handeln der Forstwirtschaft laufen wir Gefahr, Waldbestände und Waldfunktionen in Österreich zu verlieren. Wir müssen den Wäldern helfen, sich schneller an die neuen Klimabedingungen anzupassen, um ihre vielfältigen Ökosystemleistungen für die Zukunft zu erhalten“, erläuterte Hubert Hasenauer, langjähriger Leiter des Instituts für Waldbau und nun Rektor der Universität für Bodenkultur Wien.

Die Zukunft sind artenreiche Mischwälder
Wälder klimafit zu machen, heißt die richtigen Baumarten an den richtigen Standorten – also da, wo die natürlichen Bedingungen zur Baumart passen – wachsen zu lassen. Ebenfalls zur Strategie gehört eine höhere Vielfalt an Baumarten, denn Vielfalt minimiert das Risiko großflächiger Verluste bei Schadereignissen und erhöht generell die Widerstands- und Anpassungsfähigkeit der Wälder. In Summe sind artenreiche Mischwälder das Konzept für die Zukunft. Die österreichische Forstwirtschaft hat mit dem Waldumbau in diese Richtung längst begonnen. In der Österreichischen Waldinventur zeigt sich bereits eine Zunahme laubholzreicherer Mischbestände bei gleichzeitigem Rückgang der Nadelholzreinbestände. Auch die Baumartenverteilung hat sich im 9-Jahres-Abstand der letzten Waldinventuren (2007/09 und 2016/18) schon deutlich verändert. Die Fichte geht zurück, stattdessen nehmen Lärche, Tanne, Buche und Eiche zu.

Auch Fichten sind Teil der Zukunftswälder
Fichten sind Flachwurzler, brauchen vergleichsweise viel Niederschlag und leiden daher besonders unter dem Klimawandel. „Dennoch wird der aktuell mit Abstand häufigste Baum in Österreichs Wäldern, der auch das wichtigste Holz für die österreichische Holzwirtschaft liefert, eine Hauptbaumart bleiben. Fichten werden sich aus tieferen Lagen, wo die Bedingungen nicht mehr passen, zurückziehen und durch andere Arten ersetzt. Um die Trockenresistenz zu erhöhen, können Fichten oder auch Tannen mit Saatgut aus wärmeren Regionen aufgeforstet werden“, so Hasenauer.

Die biologische Vielfalt im Wald wächst
Maßnahmen nachhaltiger Waldbewirtschaftung sehen von jeher auch Maßnahmen zum Erhalt der biologischen Vielfalt vor. Klimafitte Wälder sind Motor für noch mehr Biodiversität im Wald. Der Biodiversitätsindex des Bundesforschungszentrums für Wald misst Artenvielfalt, Vielfalt an Lebensräumen und genetische Vielfalt anhand verschiedener Einzelindikatoren und zeigt, dass die Biodiversität in den heimischen Wäldern relativ hoch ist und in den letzten Jahren weiter zugenommen hat. „Wesentliche Faktoren sind der Totholzanteil im Wald und die vorkommenden Baumarten. Je mehr Baumarten an einem Standort wachsen, die der potentiell natürlichen Waldgesellschaft an diesem Standort entsprechen, desto höher ist die Biodiversität. Naturverjüngung, die sich aus den Samen der alten Bäume, die schon lange am Standort bestehen, ergibt, ist auch eine wichtige Maßnahme zur Erhöhung der Resilienz unserer Wälder“, so Hasenauer weiter.

Forststrategie für klimafitte Wälder in der Praxis
Eine zukunftsweisende Forststrategie für klimafitte Wälder präsentierten Christiane und Christian Benger mit Live-Bildern aus ihrem Familien-Forstbetrieb Forstgut Wallersberg in Griffen. Forstmeister Benger ist überzeugt, dass nur intensive Pflege und Nutzung den Wandel in Richtung klimafitten Wald ermöglicht. „Nichtstun löst das Problem nicht, Nichtstun wäre Selbstaufgabe, Nichtstun ist gegenüber der nächsten Generation verantwortungslos“, erläuterte er.

Die Presseinfos in voller Länge gibt es hier: www.proholz.at/presse

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Karin Giselbrecht
proHolz Austria
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