Zuschnitt 100
Zuschneiden
| Format | A4 |
|---|---|
| Seiten | 28 |
| Ausgabe | Juni 2026 |
Editorial
Zuschneiden meint gemeinhin eine unterscheidende, durch Teilen erleichternde, oft auch vergnügliche Tätigkeit. Man kann sie als Trennarbeit auffassen: im Stofflichen, um organisch Gewachsenes, das zu lang, zu üppig oder zu regellos geworden ist, einzugrenzen; im Gedanklichen, um geistig Gewachsenes, das zu unübersichtlich und zu missverständlich geworden ist, aufzuklären.
Walter M. Chramosta in Zuschnitt 0, 2000
,,Über Holz nachzudenken, ist angenehm‘‘, schreibt Virginia Woolf 1917 in einer Kurzgeschichte. Dieses Nachdenken über den Baum und sein Holz – diese Beschäftigung damit, das Sprechen und Schreiben darüber ist seit nunmehr 25 Jahren ungebrochene Antriebskraft des Zuschnitt. So rundet sich nicht nur die Begeisterung für dieses Thema zum Jubiläum, sondern der Zuschnitt feiert mit der 100sten Ausgabe auch ein kleines Fest. Das haben wir zum Anlass genommen, unsere bisherige redaktionelle Arbeit in fünf Reflexionen zu unterschiedlichen Themenbereichen einzufangen, den zweiten Teil bilden sechs Visionen, die zeigen, was das Bauen mit Holz und der Wald uns bringen werden. Verbunden wird die Ausgabe durch Interaktionen, also Wort- und Bildspenden von Akteur:innen aus dem über die Jahre gewachsenen Netzwerk rund um den Zuschnitt. Folgende Frage wurde dabei gestellt: Welche Bedeutung hat Holz in all seinen verschiedenen Formen, gibt es einen speziellen Gegenstand, ein besonderes Bauwerk oder einen Umgang mit Holz, der nachhaltig inspirierend wirkt?
Siegfried Kraus
Gratwanderung für das Holz Am Anfang der proHolz-Ausrichtung vor 25 Jahren stand die Hinwendung zur Architekt:innenschaft. Wir wollten von da an die Architekt:innen direkt ansprechen, weil sie Multiplikator:innen für das Holz sind, wir wollten das verlorene Vertrauen in die Holzbauweise wiederherstellen sowie neue technische und konstruktive Möglichkeiten im Planen und Bauen mit Holz aufzeigen. Daraus entstand die Idee einer vierteljährlich erscheinenden, redaktionell erarbeiteten Zeitschrift, die in einem sehr klaren Design vermittelt und dabei gleichzeitig werbetreibend für Holz ist. Für den Herausgeber proHolz war das eine fordernde und ständige Gratwanderung zwischen dem Freiraum redaktioneller Inhalte und der Vorgabe erwünschter Botschaften aus der Branche. Ohne die wertvolle Mitwirkung ausgewählter Expert:innen aus Planung, Vermittlung, Forschung und Wirtschaft wäre dieses Unterfangen wohl niemals gelungen. Diesen Weg über 25 Jahre und 100 Zuschnitte hinweg durchzuhalten, ist eine Leistung, die wir uns zu Beginn kaum vorzustellen wagten. Der Zuschnitt ist wie der Holzbau mittlerweile etabliert, wird bemerkt und nicht weggeworfen – in Zeiten der digitalen Überinformation eine unzweifelhafte Anerkennung des Formats. Das Klima spricht für Holz, der sich im Wandel befindliche Wald zwingt zur ständigen Überprüfung der Wertschöpfungsstrategien in Österreich. Der Einsatz von Holz am Bau muss mit Bedacht, effizient und umweltschonend erfolgen, damit die Zusammenhänge stimmig und ehrlich bleiben. In diesem Sinn möge der Zuschnitt weiterhin viel Aufklärung leisten!
Georg Binder










