Zuschnitt 101
Quer durch Österreich
| Format | A4 |
|---|---|
| Seiten | 32 |
| Ausgabe | September 2026 |
Editorial
Wer Österreich von Ost nach West mit dem Zug durchquert, dem offenbart sich die Vielfalt dieser Gegend. In Wien ist das Holz in den historischen Gebäuden zwar reichlich vorhanden, doch hauptsächlich in der Konstruktion versteckt, aber immer öfter sieht man moderne Bauten ganz aus Holz oder mit holzsichtiger Stadtfassade entworfen. Blickt man auf der Reise aus dem Zugfenster, zeigt sich das Holz in all seinen Formen: als frei stehender Baum, gruppiert als Wald oder Wäldchen, an den geöffneten oder geschlossenen Fensterläden eines Hauses, in seinen auskragenden Dachsparren, Haustor und Hausbank schützend, als Weidezaun und als Scheune, dann als verfallener, zusammensinkender Stadel, der langsam sein Baumaterial der Landschaft zurückgibt. Lagerhallen aus Holz und unzählige Kirchtürme, mit Holzschindeln bedeckt, dann wieder Holzstapel, die geduldig auf ihre weitere Verwendung warten.
In Österreich wird viel gemacht aus Holz, das verdeutlicht unsere Geschichte, es ist nicht nur im Bauen unser selbstverständlicher Begleiter. Dieses Jahr wurde der erste Österreichische Staatspreis für Holzbau verliehen, der in dieser Ausgabe vorgestellt und besprochen wird. Die 41 Nominierungen, die diesem Preis vorausgehen, zeigen, wie klug Holz in Konstruktion, Fassade und Innenleben gute Architektur schaffen kann. Doch das Jurystatement dieses Staatspreises und die Zahlen der Statistik Austria stimmen überein: Im Sektor des mehrgeschossigen Wohnbaus, dort wo sich das flächenmäßig meiste Baugeschehen verdichtet, ist Holz noch wenig vertreten oder hat, anders formuliert, als Baustoff noch das größte Potenzial.
Auch die Studie reduce von Juri Troy an der TU Wien verdeutlicht: Im Mehrgeschosswohnbau liegt nicht nur die Stärke von Holz, CO2 zu speichern, sondern auch die Möglichkeit, im Vergleich zu mineralischen Bauweisen deutlich ressourcenschonender Wohnfläche zu generieren.














