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zuschnitt 99
Lernen vom Denkmal


Einzelpreis 8,00 €

Editorial 

In Österreich stehen derzeit von circa 2 Millionen Bestandsbauten rund 1,5 Prozent unter Denkmalschutz. Um einen pfleglichen Umgang mit ihnen sicherzustellen, lohnt es, möglichst viel über die jeweiligen Objekte zu wissen: Historie, konstruktive Merkmale, kulturelle Bedeutung und Schadensbilder sind dabei wichtige Säulen. Warum aber stellen wir Gebäude unter Denkmalschutz, was lässt sich von einem Denkmal lernen und weshalb sollten wir dieses pflegen? 
Als Gesellschaft verspüren wir grundsätzlich das Bedürfnis nach einem Zeugnis für unser Voranschreiten. Wir wollen unsere Geschichte bewahren und sammeln exemplarische Objekte als eine Art Bibliothek unserer kulturellen Identität. Holz hat im Bauen eine lange und bewährte Tradition, seine Sichtbarkeit als Bau­material wächst typischerweise mit der Entfernung vom Stadt­gebiet. Noch vor der Erfindung und Entwicklung von Stahl und später Stahlbeton bot es, weil es sowohl Zug als auch Druck aufnehmen kann, als einziges Material jenseits des Bogensystems die Möglichkeit, Balken über größere Dimensionen zu legen. Zudem fand es im Dachstuhl seine Vorzüge. Methoden wie die Dendrochronologie zeigen, dass historische Holzdecken auch noch mit einem Alter von über 700 Jahren ihren Dienst leisten und das auch weiterhin tun können.

Über seine langlebige Verwendung hinaus ist Holz aus naturwissenschaftlicher Sicht ein Bedeutungsträger für die Entwicklungsgeschichte von Konstruktionen. In der Denkmalpflege beginnt die Instandsetzung mit der Reparatur und – als sehr reparier­fähiges Baumaterial – gewinnt Holz auch hier: Was beschädigt ist, kann ausgetauscht oder nachgebildet, ergänzt, verstärkt oder ertüchtigt werden. Der natürliche Baustoff ist also unabdingbar, denn der Auftrag lautet, authentische Konstruktionen nicht nur im Bild, sondern auch in den Materialien zu erhalten. Neben der Speicherung von Wissen und unserer Baugeschichte fällt dem Denkmalschutz die Aufgabe zu, das jeweilige Kulturgut in die ­Zukunft fortzuschreiben und es kommenden Generationen möglichst lange für neues Leben und neuen Inhalt bereitzustellen. Wie ausgewählte Projekte dieses Zuschnitts zeigen, ist Holz auch bestens dafür geeignet, in denkmalgeschützter Substanz weiterzubauen. 

 

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