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Cool am Wasser

Sie machen ihrem Namen Ehre: Ans Ufer der Salza stellten die Architekten von Holz Box Tirol eine coole, schwarze Kiste. Hochwassersicher schweben fünf Appartements auf Stelzen über wildem Wasser.  

Schluss mit zirbenholzgetäfelten Sitzecken, üppigem Schnitzwerk und Herrgottswinkeln: Holz kann längst auch cool sein. Besonders, wenn man es so stapelt, wie das die Architekten von Holz Box Tirol schon lange machen. Die haben mit ländlichen Klischees nichts, mit regionalem Baumaterial aber umso mehr am Kasten. Und so entwickelten sie für das Land Steiermark, im Rahmen eines EU-geförderten LeaderPlus-Projekts, ein System, mit dem sich auf verschiedensten Geländelagen rasch und preiswert Jugendcamps bauen lassen. Die Basis bildet eine zwei Meter breite, zehn Meter lange, beidseitig verglaste Box, die man als Gemeinschaftsraum oder Appartement möblieren und nach Bedarf am breiten Gangstück aneinander reihen kann.  

Das kam den Naturfreunden Österreich gerade recht. Ihr Wildwasserzentrum in den steirischen Wildalpen ist ein beliebter Ort für alle, die den langen, intensiven Urlaub leben wollen. Bis zu 200 Menschen fasst der Campingplatz am Ufer der Salza, die sich wunderbar zum Kajakfahren und Raften eignet. „Ich hab schon über 7000 Leute den Fluss runtergeschippert, nie ist was passiert. Jeder unserer Lehrer ist staatlich geprüft“, erzählt Heli Graf stolz. Er verwaltet das Areal und lebt in dem gelben, alten Haus an der Straße, wo man auch übernachten kann. Im Garten stapeln sich die Kajaks, im Schuppen die Helme und Neoprenanzüge, daneben noch mehr Boote.  

Doch es fehlte an Betten. „Wir hatten so viele Anfragen, dass wir Gruppen und Schulklassen nicht mehr unterbringen konnten.“ Also plante die Holz Box Tirol die lange Kiste auf Stützen, die nun seit Juli 2006 zwischen Zelten und Wohnwägen am Flussufer entlang schwebt. Ihre Außenhaut ist aus schwarzen Schichtstoffplatten, die halten jedem Wetter stand. Wand, Boden und Decke aber sind aus rauem Kreuzlagenholz, das wiederum hält jeder Jugendgruppe stand. „Holz ist ein enorm vielfältiger Baustoff“, sagt Ferdinand Reiter. Auch die schwarzen Möbel und die froschgrünen Sanitärboxen in der Mitte sind aus verleimten Holzwerkstoffen. Die schmalen Außenseiten aber sind mit Lärchenlatten verkleidet, passend zu den Bäumen ringsherum. 

Dreißig Leute können hier in fünf Appartements wohnen, die alles bieten, wovon man in den Ferien träumen kann: einen offenen Küchenblock in der Mitte, Tische, die sich zusammenschieben lassen, und eine lange Eckbank an der Wand mit Fächern für alles Mögliche. Besonders praktisch sind die Schlafkojen mit den schmalen Kastenstelen an den gläsernen Raumenden, wo man wie in einem Schlafwagenabteil – Kopf beim Fenster – quasi in der Landschaft liegt. Die Nische über der Salza hat sogar einen kleinen Balkon. Ausgelassen turnen Heidrun, Sigrid und Michi auf dem oberen Stockbett herum und lugen neugierig über die Lüf- tungsklappen des großen Fensters, was sich am Gang so tut.  

Unter dem aufgeständerten Camp parken ein paar Räder, traumverloren sitzt Jana in einer Wassermulde. Felix, Marvin und Maximilian werfen Steine in den Fluss. Überall hängt Wäsche, auf dem Boot, das kopfüber in der Wiese lagert, trocknet ein Paar Schuhe, dahinter liegt Johanna Güttler in einem Streckstuhl in der Sonne. „Wir suchten einen Ort, der noch naturbelassen ist. In erster Linie kamen wir wegen der Paddelei und dem Mountainbiken.“ Ihr Mann, die zwei Söhne und die Hunde sind mit den Booten am Wasser.  

„Anfang August trat die Salza über die Ufer, da war ich am Parkplatz bis zu den Knien im Wasser, aber ins Camp ist es nicht raufgekommen“, sagt Heli Graf. Zwei Bäumchen in Blumentrögen zieren die breite Treppe, die hinaufführt. Ganz oben hockt Stefan Oberrainer mit seinen Freunden: „Kajak fahren ist lässig, aber am tollsten ist, dass man einfach in der Natur sein kann.“ Die hat man hier direkt vorm Bett.

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