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Gesünder als früher

Auf fruchtbarem Salzburger Moorboden planten die sps-architekten für den Bauträger Heimat Österreich die Passiv-Wohnanlage Samer-Mösl. Ihre Fundamente stecken auf Pfählen im Moor. Die Häuser darüber aber sind ganz aus Holz und haben gleich zwei Sonnenseiten.  

Grillen zirpen, Vögel zwitschern, vor den Strohballen seines Feldes zieht ein Bauer mit dem Traktor seine Runden. Die Wohnanlage Samer-Mösl liegt auf dunklem Moorboden am Rand eines Landschaftsschutzgebiets, hinter den Weiden fließt der Alterbach. Hier enden die Wege, die sich zwischen drei Häusern durchschlängeln, an Spielplatz und Wiese.  

Den Wettbewerb für die neuartige Wohnanlage am Stadtrand von Salzburg gewann das junge Büro sps-architekten. „Alle meinten“, sagt Architekt Simon Speigner, „dass ein dreigeschossiger Holzbau im Passivstandard nicht machbar ist.“ Mit seinem Team bewies er das Gegenteil. Längst sind die drei Holzriegel vom Bauträger Heimat Österreich realisiert, die Fassade aus vorbewitterter Fichte macht sich gut in der Landschaft und die Passivhaus-Technologie mit der kontrollierten Wohnraumbelüftung funktioniert prächtig.  

Diese Häuser haben keine Schatten-, sondern nur zwei Sonnenseiten: Eine schaut zum Feld im Südosten, die andere zum Moor nach Nordwesten. Ihre Fundamente stecken auf über elf Meter langen Pfählen im schlüpfrigen Boden, wie eine Arche schwimmt das mittlere über der Dichtbetonwanne der Tiefgarage für alle: Dort ist es taghell, weil Lichtschächte die Sonne bis in den Keller locken. 

Die 60 ebenen Wohnungen darüber sind vom Eichenparkett über die Wände bis zur Decke aus Holz. Je sechs teilen sich ein Stiegenhaus, an dem die Loggien andocken, die sich zu keck auskragenden Balkonen auswachsen. Alle haben L-förmige Grundrisse und ein dickes und ein dünnes Ende mit Garten oder Balkon in der Morgen- und Abendsonne. Das dicke Ende mit dem großen, raumhohen Fenster ist zum Wohnen da, das dünne zum Essen, dazwischen liegt die Küche an zwei Schiebetüren. Je nach Größe gibt es noch ein, zwei oder drei Zimmer mit schmalen, französischen Fenstern. 

Ein runder Kaffeehaustisch, ein Stuhl und eine Gießkanne stehen auf der Terrasse im Hintergarten von Beata Althuber. „Wir wollten immer Kontakt haben, und bei uns gehen die meisten vorbei“, sagt sie. Ihr Vorgarten ist der erste am Weg durch die Siedlung, am Eck. Fast jedes Kind will den weißen, polnischen Hirtenhund streicheln, der hier in der Sonne döst. Erwachsene wollen wissen, was Neues wächst: Gurken und Tomaten pflanzte sie heuer. „Zuerst glaubten wir, nur die Terrassenplattformen sind für uns. Dann erfuhren wir, dass auch das Grün dazu gehört. Das war überhaupt die Überraschung.“  

Beata Althubers Mann Sebastian hatte einen Schlaganfall und ist erblindet. Sie war oft auf der Baustelle. „Vieles in der Wohnung wurde für uns abgeändert.“ Die Abstellkammer ist nun eine Duschoase, Toilette, Waschbecken und Badewanne sind geradlinig an der Wand aufgefädelt, damit ihr Mann sich gut orientieren kann. Seinen Rollstuhl braucht er kaum mehr. „Hier konnte ich endlich meine Diplomarbeit fertig schreiben“, sagt Beata. Sie handelt vom Witz bei Russen und Polen. 

Überall grünt und blüht es und lebt es auf: Paradeiser, Mais, Karfiol, eine kleine Rosenkolonie, Terrakottalöwen, aufblasbare Planschbecken, sogar ganz oben im zweiten Stock steht eine gelbe Sonnenblume im Fenster. Jede Wegseite säumt eine Gartenreihe, jeder Garten ist ein kleines Paradies, in dem reges Kommen und Gehen herrscht. Frau Maksimovic lebt in der Eckwohnung am Kinderspielplatz, trotz Hitze ist sie im Garten, wo Petersilie, Dille, viele Salatsorten und Blumen wachsen. „Das macht mich ganz fröhlich und ist gut für die Seele“, sagt sie. „Ich bin viel gesünder als früher.“

Quelle:

RONDO Spezial; Holz auf dem Weg, Oktober 2007

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