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In Linz gelingt's

Passivwohnungen in Holzriegelbauweise erweisen sich schon in der Entstehungsphase als sympathische Bauform, wie das Beispiel einer Linzer Wohnanlage zeigt. 

Die Hohenecker waren ein altes Adelsgeschlecht, stellten sogar einen Erzbischof von Salzburg. Heute verweist eine Linzer Sackgasse in der Katastralgemeinde Waldegg auf den Ruhm im 13. Jahrhundert. In der ruhigen Wohnsiedlung mit reichlich Grünland im Rücken bleiben nun öfter Leute stehen, um ihre Kamera zu zücken: Der in aller Ruhe spektakulär ablaufende Baufortschritt des in Holzriegel-Bauweise zu erstellenden Passivwohnhauses verursacht erhöhtes Interesse.  

Der Traumberuf Kranführer scheint in eine neue Dimension gerutscht zu sein: in die Rückenlage. Damit er in bester ergonomischer Position jede Seilschwankung lenken und kontrollieren kann, tastet der Spezialist der Firma Mitterhauser mittels Joystick in den Lüften. Nach und nach schweben die bis ins Fensterglas vorgefertigten Wandelemente aus Lärche, die tragenden Fichtenbalken, die Zwischenwände mit Steinwollfüllung an ihre genau vorbemessenen Plätze. Außer dem Sirren eines Bohrschraubers, dem Rasseln einer Motorsäge oder vereinzeltem Hämmern ist kaum Lärm zu vernehmen. Über allem liegt der Geruch von Holz. Die Arbeiter, in Outfits zwischen Tarzan, Cowboy und Action Hero gewandet, erklären sich in ruhigen Worten. Das Material scheint schon im Vorfeld des Wohnens seine sympathische Wirkung zu entfalten.

Ing. Reisinger, der Bauleiter, vertritt den Bauträger, die Wohnungsanlagen GesmbH WAG. Auch er schätzt die ruhige Atmosphäre. „Die Bauweise im Passivhausstandard erfordert besonders exaktes Arbeiten von allen Professionisten. Damit erreichen wir zugleich einen hohen Standard der Qualitätssicherung. Und die Rundumbelastung für die Anrainer ist gering. Der Holzbau wurde in sechs Tagen errichtet, allerdings mussten wir Regenpausen einräumen. Denn montiert wird nur an Tagen mit absoluter Schönwettergarantie. Wir haben immer ein Ohr an der Flugwetterwarte.“ Sobald Regen droht, wird provisorisch abgedeckt. 

Das Haus dockt rundum an einen sogenannten Erschließungsbereich an, also das in Massivbau betonierte Stiegenhaus samt Gängen und Liftschacht. Der Bau ist teilunterkellert. Das Dach wird begrünt und mit freistehenden Solarpaneelen bestückt. Sie nützen die Sonnenenergie für die Warmwasseraufbereitung. Der verbleibende Rest-Energiebedarf wird durch eine konventionelle Heizanlage (Fernwärme) bereitgestellt. „Wir erfüllen damit die Passivhaus-Auflagen, das heißt, die Energiekennzahl liegt unter zehn Kilowattstunden pro Quadratmeter und Jahr. Dabei helfen auch spezielle Fenster und Türen mit. Wesentlich ist weiters eine kontrollierte Wohnraumlüftung mit Wärmerückgewinnung. Und dank Holzbauweise kann man immer mit einem komfortablen Raumklima rechnen.“ Muss man das Dach jetzt ständig gießen? „Nein, es handelt sich um ein extensives Gründach, das sich selbst versorgt. Ein Kontrollgang pro Jahr sollte reichen.“ 

Eine weitere Besonderheit des Holzfertigbaus ist der einfache Zugang zu allen Leitungen und Installationen innerhalb der sogenannten Vorsatzschale aus Rigips. Ausführendes Unternehmen mit der entsprechenden Erfahrung ist die Obermayr Holzkonstruktionen GesmbH. Zwölf Mietwohnungen sind vorgesehen, die Größe variiert zwischen 46 und 89m2 Wohnfläche. Dazu verfügt jede Einheit über Terrassengarten oder Loggia. 

Ende des Gabelfrühstücks. Der Kranführer hat seine liegende Tätigkeit wieder aufgenommen. Majestätisch schweben die ersten Dachelemente auf das Haus herab. Das Wetter ist gut, keine Wolke in Sicht. Heute Abend wird man noch Dachgleiche feiern.

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