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Österreichischer Staatspreis Holzbau 2026
Auf der Suche nach hervorragenden Holzbauten

erschienen in
Zuschnitt 101 Quer durch Österreich, September 2026

In diesem Jahr wurde der Österreichische Staatspreis für Holzbau zum ersten Mal vergeben. Das Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt, Klima, Regionen und Wasserwirtschaft, das diesen in Kooperation mit proHolz Austria ausgelobt hat, will mit dem Preis aufzeigen, welchen Beitrag moderner Holzbau zu CO2-Reduktion und Kreislaufwirtschaft leisten kann. Zugleich sollen die öffentliche Hand und private Bauherr:innen ermutigt werden, verstärkt mit Holz zu bauen. Die Projekte, die mit dem Staatspreis ausgezeichnet wurden, sollen eine Vorbildwirkung haben, angemessen, funktional und nachvollziehbar aus Holz errichtet sein und sich zudem durch ihre ästhetische und architektonische Qualität hervorheben. Um das zu beurteilen, ist ein Blick von außen wichtig.

Die Mitglieder der Jury kamen aus Deutschland und der Schweiz und brachten eine jahrzehntelange Expertise in nachhaltigem Bauen, Holzbauplanung und Ressourceneffizienz mit: der Holzbauingenieur Pirmin Jung, die Architektin und Professorin Nicole Berganski und die Architektin und Professorin für Ressourceneffizientes Bauen Annette Hafner. Grundlage für den Staatspreis Holzbau waren die Holzbaupreise aus den neun Bundesländern. Die preisgekrönten Projekte aus den Jahren 2023 bis 2025, insgesamt 41, waren somit automatisch für den Staatspreis Holzbau nominiert. Daraus wählte die Jury zehn aus, die im Zuge einer Juryfahrt besichtigt wurden.

Während der viertägigen Juryreise, die von Niederösterreich über Wien, die ­Steiermark, Salzburg und Innsbruck nach Vorarlberg führte, konnte die Jury einen guten Eindruck vom Holzbaugeschehen in Österreich bekommen. „Mir hat vor allem die Reichhaltigkeit des Holzbaus gefallen, vom Osten, wo wir ­gestartet sind, bis in den Westen, in Vorarlberg“, sagt der Holzbauingenieur Pirmin Jung. „Man sieht, dass es sehr viele ­Architektinnen und Architekten gibt, die sich mit dem Holzbau auseinandersetzen, und Bauherrschaften, die diesen Ball aufnehmen. Unter ihnen sind auch solche, denen es sehr bewusst ist, dass sich etwas ändern muss – für die Zukunft der Welt –, und die ­dadurch auf den Holzbau kommen.“ Es gab zwei Anerkennungen und drei Hauptpreise: Die Schulen Hittisau in Vorarlberg erhielten eine Anerkennung für ihr innovatives hölzernes Tragwerk. Das Ronald McDonald Kinderhaus in Salzburg, ein temporäres Wohnhaus für kranke Kinder in unmittelbarer Nähe zu den Salzburger Landeskliniken, zeigt wiederum eindrucksvoll den Mehrwert, den ein Holzbau für das Wohnen mit sich bringt. Die Hauptpreise gingen an die Erweiterung der Firmenzentrale Windkraft Simonsfeld in Niederösterreich, die Aufstockung der HTL Bau und Design in Innsbruck, Tirol, und das Rathaus von Hohenems in ­Vorarlberg. Die ausgezeichneten Holzbauten zeigen vorbildhaft, wie vielfältig Holz ­eingesetzt werden kann und wo das gestalterische, ökologische und wirtschaftliche ­Potenzial des Baustoffs liegt. Bereits Gebautes schafft Vertrauen in die Fähigkeiten des modernen Holzbaus und stärkt somit seine Rolle für eine klimafitte Baukultur in Österreich. Genau das ist ja das Ziel dieses Staatspreises.

Auffallend ist, dass unter den Hauptpreisen kein Wohnbau ist, wobei gerade das eine drängende Aufgabe unserer Zeit ist und der Holzbau hier viele positive Eigenschaften mitbringt. „Wir hätten gerne einen deutlich größeren Pool an vorbildlichen Wohnungsbauten gesehen, um daraus auswählen zu können, vielleicht auch noch mit einem ­gewissen gesellschaftlichen Anspruch“, sagt ­Annette Hafner. Die Juryvorsitzende Nicole Berganski ergänzt: „Wir haben sehr spannende Projekte ­gesehen und haben eine fundierte Auswahl treffen können. Was uns aber alle umtreibt, in Deutschland wie in Österreich, ist der Wohnungsbau. Hier müssen wir beharrlich den Holzbau weiter vorantreiben.“ Deshalb appelliert die Jury in ihrem Schlussstatement „insbesondere an die öffentliche Hand, die Rahmenbedingungen für das Bauen mit Holz zu optimieren, damit mehr Wohnbauten, mehr Kommunal- und Sportbauten aus Holz gebaut werden“.

Auslober
Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) in Kooperation mit proHolz Austria. Gefördert mit Mitteln des österreichischen Waldfonds

Nominierungen
Die Nominierungen für den Österreichischen Staatspreis Holzbau ergaben sich aus den Preisträger:innen der Holzbaupreise, die in den Jahren 2023 bis 2025 in allen neun Bundesländern vergeben wurden. Insgesamt standen 41 Projekte zur Auswahl.

Hauptpreise
Erweiterung Firmenzentrale Windkraft Simonsfeld, Ernstbrunn
Aufstockung HTL Bau und Design, Innsbruck
Rathaus Hohenems, Hohenems

Anerkennungen
Ronald McDonald Kinderhaus, Salzburg
Schulen Hittisau, Vorarlberg

Jurymitglieder
Nicole Berganski, Architektin und Mitbegründerin von NKBAK, Professorin an der TU Berlin
Annette Hafner, Architektin und Professorin für Ressourceneffizientes Bauen an der Ruhr-­Uni­versität Bochum
Pirmin Jung, Holzbauingenieur und Gründer von Pirmin Jung, Ingenieurbüro für Holzbau, Bauphysik und Brandschutz mit Standorten in der Schweiz und in Deutschland

www.staatspreis-holzbau.at

Statement der Jury

Die mit dem Staatspreis Holzbau prämierten Bauten verdeutlichen auf vorbildhafte Weise das Potenzial des modernen Holzbaus: Sie verbinden hohe architektonische Qualität mit dem ökologischen, ressourcenschonenden und innova­tiven Einsatz von Holz. Ihre geografische Streuung von West bis Ost zeigt: Das Wissen um den Holzbau und die Wertschätzung für diesen Werkstoff sind längst in ganz Österreich angekommen. Sie liefern auf relevante Themen unserer Zeit – Bauen im Bestand, Nachverdichtung, Wohnen, Bauen für die öffentliche Hand – überzeugende, auf Funktion und Standort abgestimmte Antworten. Die beiden ­Anerkennungen stehen ergänzend für das Potenzial des Holzbaus im Wohnungsbau und für die Innovationskraft einer ingenieurmäßig präzisen Tragwerksplanung. Es geht längst nicht mehr darum, so viel Holz wie möglich zu ­verbauen, sondern darum, es sinnvoll und an der richtigen Stelle einzusetzen. Jedes der prämierten Projekte liefert ­dafür seine ­eigene überzeugende Begründung – es ist etwa lokal verankert oder auf die jeweiligen Bedürfnisse von ­Bauherrschaft und Ort abgestimmt – und überzeugt nicht nur konstruktiv, sondern auch durch die hohe Qualität seiner Innenräume. In allen ausgezeichneten Bauten wird eine Haltung sichtbar, die weit über die reine Erfüllung einer Funktion hinausreicht. 


Die Rolle der Bauherrschaft tritt dabei deutlich hervor: von der Kommune, die sich klar zum regionalen Werkstoff bekennt, bis zum privaten Bauherrn, der nachhaltiges Bauen aktiv einfordert und fördert. An den Bauten lässt sich neben ökologischer Ver­antwortung auch eine Wertschätzung ­gegenüber den Menschen ablesen, die sie nutzen. Alle nominierten, vor allem aber die ­prämierten Projekte zeigen, was im Holzbau heute möglich ist. Sie können Vorbild sein und schaffen ­Vertrauen in die Leistungsfähigkeit des modernen  Holzbaus. Keines dieser Gebäude ist auf der grünen Wiese entstanden – sie alle folgen einer logischen Weiterentwicklung von ­Bestandsbauten oder Ortsstrukturen und dienen damit der  nachhaltigen Entwicklung konkreter Orte. Der Wille zu mehr Bauten aus Holz ist vorhanden – die Umsetzung bleibt noch hinter dem Möglichen zurück. Die Jury appelliert ­daher insbesondere an die öffentliche Hand, die Rahmenbedingungen für das Bauen mit Holz zu optimieren, damit mehr Wohnbauten, mehr Kommunal- und Sportbauten aus Holz gebaut werden. Hier liegt ein großes Potenzial, das bislang zu wenig genutzt wird.

Nicole Berganski, Annette Hafner, Pirmin Jung 


verfasst von

Anne Isopp

ist freie Architekturjournalistin, -publizistin und Podcasterin in Wien. Sie war von 2009 bis 2020 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt. In ihrem Architekturpodcast Morgenbau spricht sie mit Menschen aus der Baubranche über nachhaltiges Bauen.

Erschienen in

Zuschnitt 101
Quer durch Österreich

Im Spannungsfeld von anspruchsvoller Architektur und ungenutztem Potenzial: Wo steht der Holzbau hierzulande?

8,00 €

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Zuschnitt 101 - Quer durch Österreich