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zuschnitt 49

Holz im Alter

Wenn wir alt sind, wollen wir in einem Ambiente wohnen, in dem wir uns wohlfühlen. Mit seiner Haptik, seiner Optik und seinem Geruch erschafft Holz wohnliche Innenräume – gemütlich wie zu Hause.

Zu seinem vierzigsten Geburtstag hat unser Autor Michael Hausenblas vom österreichischen Künstlerpaar Franziska und Lois Weinberger ein Stück Holz geschenkt bekommen. Auf diesem ist der vierzigste Jahresring markiert und der 95ste. Kürzlich trafen wir den Autor wieder und er berichtete uns, dass ihn das Holzstück doch immer mehr beunruhige. Jedes Mal führe es ihm vor Augen, wie schnell die Zeit vergehe und wie rasch er den Jahresringen entlang nach oben klettere.

Die Jahresringe erzählen die Geschichte eines Baumes – an ihnen kann man die mageren und die fetten Jahre ablesen. Ganz so offensichtlich ist das Alter in unseren Gesichtern nicht ablesbar, und doch gibt es Parallelen. Auch wir werden mit jedem Jahr älter und wir sind nicht allein damit: Der Anteil der älteren Menschen an der Bevölkerung nimmt stetig zu. Deshalb ist das Bauen für alte Menschen ein großes Thema, in allen europäischen Ländern steht es auf der Agenda. Es müssen nicht nur mehr altengerechte Wohnungen geschaffen werden, es geht auch darum, den Bedarf an Plätzen in Alten- und Pflegeheimen sowie für Demenzkranke zu ermitteln und zu decken.

Bauen für alte Menschen: Im besten Fall ist das Leben im Alter eine Fortsetzung der eigenen Lebensgewohnheiten. Wohnen heißt dann Gewohnheit, Gemütlichkeit, und sich Wohlfühlen. Nicht jeder wird in einem hölzernen Umfeld aufgewachsen sein, und doch ist Holz für die meisten positiv konnotiert. Das sinnliche, haptische Material Holz kann dabei helfen, sich in einer neuen Umgebung wohlzufühlen – ob es konstruktiv, bei Möbeln, als Fußbodenbelag oder im Innenausbau zum Einsatz kommt. Die unverwechselbare Struktur des Holzes, seine Jahresringe und die Maserung inspirieren, wecken Assoziationen und Erinnerungen. Doch man glaubt gar nicht, wie viel Widerstand dem Material Holz gerade beim Bauen für alte Menschen entgegengebracht wird. In Deutschland setzt man – vor allem mit dem Argument der Hygiene – in Häusern für Demenzkranke nur mehr Holzimitate ein und verzichtet damit auf »Echtheit« und »Hintergründigkeit«, wie Architekt Hannes Zieser die Unterschiede von Holz zum Imitat bezeichnet. Dabei gibt es hervorragende Beispiele von Alters- und Pflegeheimen, in denen der Rohstoff Holz nicht nur konstruktiv, sondern auch im Innenausbau selbstverständlich eingesetzt wurde. Ein Besuch vor Ort, ein Gespräch mit den Verantwortlichen, und es können viele Bedenken vom Brandschutz bis hin zur Hygiene beseitigt werden. Die atmosphärischen Qualitäten sprechen ohnehin für sich selbst.

Wird Holz im alltäglichen Gebrauch gut behandelt, dann wird es immer schöner und wertvoller. Dann kann es in Würde altern. Nichts anderes wünschen wir doch unseren Eltern, Großeltern und später auch uns selbst. Wir müssen dazu nur die richtigen Rahmenbedingungen schaffen.

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 49

  • Kammerspiel in HolzAntoniushaus Feldkirch

    Die Erweiterung des Seniorenheimes (Architekt Johannes Kaufmann) erfolgte in Modulbauweise. Decke und Außenwände der hellen, freundlichen Zimmer wurden in Fichte gestaltet, die Fußböden in Braunkernesche.

  • AltersgemäßKonstruktive und atmosphärische Parameter

    Holz mit seinen angenehmen atmosphärischen Eigenschaften kann das Wohnmilieu in einem Alten- oder Pflegeheim behaglicher gestalten. Fünf gebaute Beispiele werden u.a. dahingehend untersucht.

  • Für Stubenhocker ’s zenziSozialzentrum Zirl

    Der Rohbau wurde aus Kosten- und brandschutztechnischen Gründen aus Stahlbeton gefertigt. Das innere wie äußere Erscheinungsbild prägt jedoch aus Gründen der Wohnlichkeit bewusst der Werkstoff Holz.

  • Die Bauernstube als ars memoriae

    Die traditionelle Bauernstube, die heute in einigen österreichischen Altersheimen bewusst eingebaut wird, stellt mit ihren haptischen, olfaktorischen und optischen Reizen einen Ort der Gemütlichkeit dar.

  • DiskussionHolz im Pflegefall – Erfahrungen und Vorurteile

    Drei Architekten im Gespräch über den Einsatz, die Vorteile, aber auch Vorurteile, des Bau- und Werkstoffes Holz in Alten- und Pflegeheimen. Derzeit werden nur rund 10 Prozent aller Heime in Holz gebaut.

  • Neue Wohnmodellefür eine alternde Gesellschaft

    Dass die Erweiterung des alten Pflegeheimes aus Gründen der Wertschöpfung in Holz errichtet werden sollte, war der Wunsch des Bürgermeisters. Ein geeignetes Brandschutzkonzept ermöglichte den Holzbau.

  • Zimmer mit AussichtSenioren- und Pflegewohnhaus St. Lambrecht

    Dass die Erweiterung des alten Pflegeheimes aus Gründen der Wertschöpfung in Holz errichtet werden sollte, war der Wunsch des Bürgermeisters. Ein geeignetes Brandschutzkonzept ermöglichte den Holzbau.

  • Service – Betreuung und PflegeLiteratur, verantwortliche Landesstellen und relevante Richtlinien

    Die Serviceseite bietet Literaturtipps zum Wohnen im Alter, eine Übersicht über verantwortliche Landesstellen österreichweit sowie relevante Richtlinien für die Errichtung von Alten- und Pflegeheimen.

  • Brandschutzbei Alten- und Pflegeheimen

    Da die Evakuierung von Altenheimen aufgrund der Mobilitätseinschränkung der Bewohner der Mithilfe des Personals sowie der Rettungskräfte bedarf, sind die Brandschutzmaßnahmen demgemäß abzustimmen.

  • Naturwaldreservat Lange Leitn

    Naturwaldreservate dienen Forschung, Lehre und Bildung. Man untersucht, wie sich der Wald ohne menschlichen Einfluss entwickelt. Vorgestellt wird das 30 Hektar große Reservat Lange Leitn im Burgenland.

  • SeitenwareZu Gast im Storchenhaus

    Im Haus für Künstler im burgenländichen Raiding verwendete Architekt Tenurobu Fujimori drei Eichenbäume u.a. als Stütze bzw. für Fassade, Möbel und den Boden.

  • Ein Möbel zum Heimkommen

    „Frida“ ist eine sinnige Kombination aus Sitzbank und Garderobe. Charakter verlieh der Berliner Möbel- und Industriedesigner Florian Saul seinem guten Stück durch den Einsatz von Kork und Walnussholz.

  • Seegang im Babyzimmer

    Die praktische Kombination aus Schaukelwiege und Sessel stammt vom niederländischen Studio Ontwerpduo. An Materialien verwendeten die Designer für „Rockid“ lackiertes Birkensperrholz und Filz.

  • Bunte Buchdeckel

    Die bunten Buchstützen „Koloro Stand“ des japanischen Architekturstudios sind aus Sperrholz und mit Polyester beschichtet. Sie sind aus Ausschussmaterial des Schreibtischmöbels „Koloro Desk“ gefertigt.

  • Lois Weinberger

    Der Tiroler Lois Weinberger arbeitet mit vorgefundenen Materialien aus der dörflichen Umgebung. Wie in der Arbeit „Baumfest“ verbindet er Elemente der Volkskunst mit zeitgenössischer Formensprache.

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8,00 €
FormatA4
Seiten28
Gewicht0.15kg
ISBN978-3-902320-97-1
AuflageMärz 2013

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