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zuschnitt 41

landauf - landab

Holz gehört zur Landschaft wie die Maserung zum Brett. Es begegnet uns überall: als Wegweiser, als Zaun, als Steg sowie als Fläche zum Gehen, Sitzen und Liegen. Holz im Freien wirkt irgendwie befreiend.

Wind und Wasser haben die Holzbalken über Jahre hinweg pechschwarz gemacht, sie wirken fast wie aus Eisen: Noch immer strahlen sie eine massive Stärke aus, die vielen Einkerbungen aber, die der jahrelange Kontakt mit dem Wasser und anlegen­den Schiffen mit sich gebracht hat, verleihen ihnen zugleich etwas Fragiles und Ehrwürdiges. Jährlich kontrolliert man bei diesem Anlegesteg an der ­Donau sowie bei vielen anderen die Balken auf ihre Tragfähigkeit und tauscht sie wo nötig aus. Sind sie für den Einsatz am Wasser nicht mehr gut genug, dann können sie noch immer anderweitig verwendet werden – zum Beispiel als Sitzbank, wie man es im Innenhof des neuen Rathauses in Ottensheim, Oberösterreich, gemacht hat. »Kalkulierbare ­Ver­gäng­lichkeit« nennt man das: Holz ist für den Einsatz in freier Natur geeignet. Das wissen wir, sonst gäbe es die Holzbank am Wegesrand ebenso wenig wie die Holzstege am Wasser. Doch wir ­wissen auch, dass Holz nicht ewig hält. Holz im Freien muss ­regel­mäßig gewartet und auch einmal ersetzt werden. Damit Holz in freier Natur lange schön und funktional bleibt, muss man wissen, welche Holzart und welche Konstruktion für den jeweili­gen Einsatzbereich geeignet sind. Erst dann wird die Vergänglichkeit des Holzes kalkulierbar.

Überall begegnen wir Holz in der Landschaft. Mit großer Selbstverständlichkeit gestaltet Holz unsere Landschaft, aber auch unser Bild von Landschaft. Die Projekte, die wir für diesen Zuschnitt ausgewählt haben, spannen den Bogen von großflächigen Anwen­dungen wie dem 14.000 m2 großen gewellten Holzdeck am Strand von Tel Aviv bis hin zu kleinteiligeren, aber ganzheitlich gedach­ten Landschaftserweiterungen wie die der Rastplätze und Aussichtsplattformen in Norwegen, die eine ohnehin schon schöne Landschaft kongenial ergänzen. Aber auch das Beispiel vom Hochmoor Leckermoos in Oberösterreich zeigt, welche Rolle Holz bei der Renaturierung einer ­solchen Landschaft spielen kann. In der Ingenieurbiologie macht man sich gerne Holzkonstruktionen zunutze, um mit diesen in Kombination mit Pflanzen Hänge, ­Böschungen oder Ufer abzusichern.

Für Holz im Außenraum spricht seine Natürlichkeit, seine Optik und natürlich seine Haptik: Die Material­wahl in Tel Aviv hat – so kann man aus dem Text der Architekten herauslesen – wesentlich zum großen Erfolg dieses neuen öffentlich zugänglichen Ortes am Meer beigetragen. Die hier gezeigten Projekte spiegeln nicht nur mögliche Anwendungsgebiete wider, sondern auch unterschiedliche Haltungen zum Umgang mit der natürlichen Dauerhaftigkeit des Holzes. Die Bandbreite reicht von unbehandeltem Holz über Lasuren und Lacke bis hin zum chemi­schen Holzschutz. Während man in Tel Aviv für die Unterkonstruktion imprägniertes Kiefernholz verwendete, schützte der chilenische Architekt Gérman del Sol das Holz der Termas Geométricas mit roter Lasur vor der ­Witterung. In Norwegen hingegen wurde bei allen vier Projekten, die wir hier zeigen, unbehandel­­tes, sägeraues Holz verwendet, und das obwohl unter­schiedliche Planer auf jeweils andere Ge­geben­heiten reagieren mussten. Ein Zufall? Vielleicht nicht, ­zumindest entspricht das unbehandelte Holz am ehesten unserer heutigen Vorstellung von Natur.
Wir wünschen Ihnen viel Spaß beim Lesen und beim Betrachten der Bilder und hoffen, dass das Heft Mut macht, sich an groß­flächige und ganzheitlich gedachte Anwendungen von Holz im Außenbereich zu trauen. Know-how und Material sind ja hierzulande ausreichend vorhanden.

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 41

  • Editorial

    2011 ist das Jahr des Waldes. Ein guter Anlass, um einen ganzen Zuschnitt der Verwendung von Holz im Außenraum zu widmen.

  • EssayBerührte Natur

    Im südirischen Hafenörtchen Cobh steht ein alter, hölzerner Steg. Mit letzter Kraft streckt sich das armselige Gerippe aus dem Was­ser. Das mit Moos bewachsene Gerüst ächzt vor Altersschwäche. Niemand denkt mehr daran, ihn zu betreten.

  • Von Rastplatz zu RastplatzUrlauben auf Norwegisch

    Die Rastplätze auf Norwegens Panoramastraßen fügen sich durch ihre Form und ihr Material in die Landschaft ein. Holz spielt bei zahlreichen dieser kleinen Architekturinterventionen eine große Rolle.

  • Holzbeläge im FreienAuf die Konstruktion kommt es an

    Für Holzkonstruktionen im Freien ist eine gut durchlüftete Konstruktion Voraussetzung. Materialwahl, Holzdimensionen oder Ausführungsdetails sind dem Anwendungsfall entsprechend zu wählen.

  • Dünenwandernam Hafen von Tel Aviv

    Die Stadt mit dem Meer verbinden: Die weitläufige gewellte Holzoberfläche schafft im einst verfallenen Hafen einen neuen öffentlichen Raum, den die Bewohner als „urbanes Wohnzimmer“ dankbar annehmen.

  • Ingenieurbiologische VerbauungenMit Wurzelkraft Landschaftsschäden entgegenwirken

    Die Ingenieurbiologie verwendet die Wurzelkraft von Pflanzen, um z.B. Erosionen entgegenzuwirken. Dort, wo die Wurzeln nicht gleich ihre Wirkung entfalten können, kommen einstweilen Holzkonstruktionen zum Einsatz.

  • Ausguck halten ILeichtfüßig über das Moor

    Der aus massiven Fichtenbalken gestrickte Holzraum ist Teil eines Lehrpfades, der durch mehrere kleine Moore im Bregenzerwald führt. Die 28 m² große Box bietet einen geschützten Sitz- und Aussichtsplatz.

  • Ausguck halten IIDen Vulkan im Blickfeld

    Die beiden Rastplätze im chilenischen Nationalpark Villarrica sind aus massiven, jeweils 400 Kilo schweren Balken gebaut. Die eine Plattform bietet Ausblick auf See und Wälder, die andere auf den Vulkan Villarrica.

  • Der Tiroler Wink mit dem Zaunpfahl

    Holzzäune, die ältesten Zeugnisse bäuerlicher Kultur, wurden nach bestimmten Methoden errichtet. Aber nicht nur die Begrenzung war ihre Funktion, der Bereich des Zaunes, war auch ein magischer Ort.

  • Baden im FlussThermenanlage in Chile

    Der chilenische Architekt del Sol legte im Nationalpark Villarca 17 Heißwasserbecken entlang eines Zickzacksteges aus Holz an. Er verwendete das örtliche Coige-Holz, eine rote Lasur schützt die Holzteile.

  • HolzmodifikationenWider die Vergäng­lichkeit des Holzes

    Methoden, die der Vergänglichkeit des Holzes trotzen: das alte Verfahren des Ankohlens, die Beschichtung mit grauer Farbe, thermische Behandlung mit Heißdampf sowie das Bad in Essigsäure.

  • WertschöpfungsketteWaldinventur

    2007 bis 2009 war es wieder so weit. Etwa ein Dutzend Dreiergrüppchen (bestehend aus einem Akademiker, einem Förster und einem Gehilfen) schwärmte aus, um den österreichischen Wald aufzunehmen.

  • Tuchfühlung

    Aus einer sehr erfrischenden und ebenso überraschenden Kollektion des größten Schweizer Möbelhauses namens Pfister stammt dieser luftige Kleiderschrank der etwas anderen Art, entworfen von Moritz Schmid.

  • Hüttengaudi

    Das gertenschlanke Gartenhaus "Walden" (eine wahre Spieleburg für Erwachsene) stammt aus der Feder von Nils Holger Moormann, der „Nr. 1 des beherzten Möbelhandels“, wie ihn manche nennen.

  • Big Vogel

    Ob man dem Designer des Nistkastens „Big Brother“ (gefertigt aus Holz und Edelstahl) einen Vogel im Sinne einer Paranoia vor dem totalen Überwachungsstaat unterjubeln kann, sei dahingestellt.

  • Brett vor dem Topf

    Schneidbrett, Untersetzer oder einfach nur Objekt: Die Zielgruppe, die sich für das Holzteil „Pro“ (mit lebensmittelverträglich geölter Oberfläche) interessieren könnte, lässt sich weit fassen.

  • Peter Fischli und David Weiss

    Auf dem 1,2 km langen Rundweg „Ein Weg durch das Moor“ setzen Peter Fischli und David Weiss die Schönheit der Moorlandschaft in Kontrast zu seiner Geschichte (einem ehemaligen Straf- und Arbeitslager).

zuschnitt 41

 

6,00 €
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
ISBN978-3-902320-81-0
AuflageMärz 2011

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