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zuschnitt 36

Schnelle Hilfe

Wenn es an Raum und Zeit mangelt, sind effiziente Lösungen gefragt. Häuser aus Holz lassen sich einfach, schnell und angemessen errichten – egal, ob für eine temporäre oder eine permanente Nutzung.

Die Zeit war knapp in Lustenau: Das neue Schuljahr stand vor der Tür und der Gemeinde fehlte Raum für einen Kindergarten und zwei Volksschulklassen. Die Zeit war auch knapp in L’Aquila: Der nächste Winter näherte sich mit großen Schritten und die Erdbebenopfer wohnten in Notunterkünften. Es sind dies Situationen, die finanzierbare, rasch realisierbare und meist wieder demontierbare Zwischenlösungen einfordern.

Sicher dachte man in Lustenau zuallererst an einen Metallcontainer als Übergangslösung. Das Argument der Nachhaltigkeit und der Wertschöpfung 

im eigenen Ort aber überzeugte die Gemeindeobersten und ein Holzbau wurde in nur drei Monaten inklusive Planung realisiert. In L’Aquila war die Situation viel brenzliger. Es ging um rund 70.000 Menschen, die ihre Häuser verloren hatten. Bereits einen Monat nach dem Erdbeben schrieb der italienische Zivilschutz die Planung und Errichtung von 150 Wohnbauten international aus. Die schnelle Bauabwicklung, die rasche Verfügbarkeit und die Nachhaltigkeit sprachen für Holz als Baustoff, sodass im Endeffekt über die Hälfte der Häuser in Holzbauweise errichtet wurde.

Beispiele von ganz unterschiedlicher Größe, Funktion und gesellschaftlichem Hintergrund haben wir für diesen Zuschnitt ausgewählt. Sie sollen zeigen, dass der Baustoff Holz in mehrfacher Hinsicht nachhaltige Antworten auf räumliche Notsituationen zu bieten hat oder, wie Otto Kapfinger es im einleitenden Essay formuliert, dass »jene Zeiten und Epochen, in denen rasches Reagieren auf Elementarereignisse (…) geboten war, prompt die Qualitäten des Holzbaus zur Geltung brachten: Schnelligkeit, Einfachheit, Verfügbarkeit, Leichtigkeit, Beweglichkeit – und Behaglichkeit sogar im Provisorischen«.

Für L’Aquila wurden innerhalb kürzester Zeit knapp 11.000 Kubikmeter Brettsperrholz produziert, von Österreich nach Italien transportiert und vor Ort zusammengebaut. Allein aus technischen Gründen wäre das vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Die Wohnbauten sind also Ausdruck des technischen Fortschritts und der Beweis, dass das Zeitalter der Holzbaracke hinter uns liegt. Bis heute assoziiert man mit »Notbehausungen« aus Holz diese Baracken. Auch wenn die Menschen zu Beginn des 20. Jahrhunderts sie als »äußerst gemütlich« empfanden, prägten sie das Image des Holzbaus über Jahrzehnte negativ. Die hier gezeigten Beispiele haben nichts mehr mit der Holzbaracke gemein, sie erfüllen alle Standards, die man von einem modernen Gebäude erwartet.

Neben der zeitlichen Not gibt es natürlich auch die finanzielle. Nicht überall kann man sich fertig abgebundene, vielleicht sogar schon wärmegedämmte Wand- und Deckenelemente leisten, ja nicht einmal vorstellen. Dieser Zuschnitt spannt deshalb den Bogen von hoch technisierten, vorfabrizierten Lösungen hin zu einfachen Konstruktionen wie die »Schmetterlingshäuser« in Thailand. Im ersten Fall werden die Bauelemente mit einem hohen Vorfertigungsgrad fabriziert und auf der Baustelle in kürzester Zeit montiert, im zweiten Fall können die Betroffenen selbst anpacken und mitbauen. 

Das »Katrina Furniture Project« zeigt zudem, dass die Vermittlung von Wissen und Kompetenzen rund um den Werkstoff Holz sogar hilft, Lebensumstände langfristig zu verbessern. Menschen aus New Orleans lernten, aus dem Material ihrer zerstörten Häuser Möbel herzustellen und so ihr Einkommen zu generieren. Der Baustoff Holz hat eben auch eine soziale Komponente. Kein Wunder also, dass die Kenianerin Wangari Maathai 2004 den Friedensnobelpreis dafür erhielt, dass sie seit über dreißig Jahren Saatgut verteilt. Sie instruiert die Frauen in den von Dürre geplagten Dörfern, neue Bäume anzupflanzen, damit sie Brennholz, Futter und Baumaterial haben und ihre soziale Not gelindert wird.

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 36

  • L’Aquila – Lösungen mit Zukunft

    4.000 hochwertige und kostengünstige Notunterkünfte in Holzbauweise mit hohem Vorfertigungsgrad wurden in italienisch-österreichischer Kooperation nach dem Erdbeben 2009 in kurzer Zeit bereitgestellt.

  • Geglückte VerbindungHolzbau in Italien

    1999 wurde von proHolz Austria und den Fachverbänden Österreichs und Italien die Werbekooperation promo_legno gegründet, um Holz als gleichwertiges Material neben anderen Baustoffen zu positionieren.

  • Ein Holzbau macht SchuleKinderpavillon in Lustenau

    Der Pavillon aus Holz ist ein bemerkenswert simples Gebäude, ein echtes Schulhaus mit einem kind- und entwicklungsgerechten Raumangebot zum Spielen, Lernen, Wachsen und Wahrnehmen.

  • Nachhaltig helfenEntwicklungsarbeit mit Holz

    Erweiterung eines thailändischen Waisenhauses um sechs kleine Gebäude als Schlafeinheiten. Die Konstruktion besteht aus Bambus zur Ausfachung und Tropenholz für die tragenden Wand- und Deckenelemente.

  • Box mit StimmvolumenTemporäres Theater in Iasi, Rumänien

    Wände und Dach des Holzbaus bestehen aus (in Vorarlberg) vorfabrizierten Paneelen mit einer zementgebundenen Holzwolleplatte als Innenansicht und einer Holzplatte mit Folie als Außenhaut.

  • Operative ArchitekturZur Geschichte transportabler Holzbaracken

    Transportable Holzbaracken als Notunterkunft: Das System Clemens Doeckers aus modularen Wandtafeln fand vor allem während des 2. Weltkrieges durch die Produktion in Großserie seinen massenhaften Einsatz.

  • In EntwicklungModule für den Notfall

    Mit dem Projekt „Emergency Village“ will das Wiener Büro trans_city bei akuter Wohn- und Raumnot kurzfristig mit nachhaltigen städtebaulichen Strukturen und qualitätvoller Architektur reagieren.

  • Vom Haus zur KirchenbankNew Orleans – vier Jahre danach

    Im Rahmen des „Katrina Furniture Projects“ fertigten Architekturstudenten Möbel aus dem Material der durch den Hurrikan zerstörten Häuser an. Die Bewohner setzten diese Initiative fort.

  • WertschöpfungsketteWenn der Wald Gesichter bekommt

    Der Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft ergeht an engagierte Waldbäuerinnen und -bauern. Sie sind es, die aus dem Wald einen naturverträglichen und wirtschaftlichen Nutzen ziehen.

  • Zeitzonen

    „Calendario Bilancia“, ein Klassiker: Gefertigt wird der ewige Kalender aus dem Jahre 1954, von Italiens grauer Design-Eminenz Enzo Mari selbst entworfen, aus Walnussholz, Ahorn, Buche und Ramin.  

  • Pinocchios Schreibblock

    Hätte es Pinocchio, den hölzernen Genossen, auf seiner Reise bis nach Japan verschlagen, er hätte sich bestimmt mit diesem Schreibblock (mit 1.200 Zettelchen) aus dem Hause mr-design (Designer Kenjiro Sano) eingedeckt.

  • Lämpchen hüpf

    Diese Lampe, die unserer Hightech-Welt so standfest und doch heiter den Stinkefinger zeigt, erinnert von ihrer Formensprache an Matador oder an den Fleiß eines besonders talentierten Werkerziehungsschülers.  

  • Hast Du Töne?!

    Die circa 85 Kilo schwere DJ-Workstation von der Firma Hoerboard gibt es in dreierlei Höhen und auch technisch spielt es alle Stück’ln. Das Oberflächenfurnier gibt’s in Zebrano, Bambus dunkel, Bambus und Olivenholz.

  • Peter Sandbichler

    2009 wurde der sri-lankische Journalist Lasantha Wickrematunge auf offener Straße erschossen. Peter Sandbichlers Skulptur „unbowed and unafraid“ zeigt, in Fichtenholzbretter eingefräst, dessen Gesichtszüge.

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8,00 €
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
ISBN978-3-902320-71-1
AuflageDezember 2009

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