Inhalt

zuschnitt 35

Innenfutter

Ob hell oder dunkel, lackiert oder naturbelassen: auch Holz ist Moden unterworfen. Die Qualitäten bleiben aber immer die gleichen. Holz im Haus schützt, umhüllt und verbirgt das Innenleben so wie das Mantelfutter seinen Träger.

Holz in der Wohnung, Holz im Büro und Holz in der Gaststube. Dies sind schlüssige und altbewährte Paare. Im Innenausbau hat Holz eben seit je seinen festen Platz. Doch gerade bei Themen, die so selbstverständlich sind, muss man immer ein wenig genauer hinschauen, muss man unterscheiden lernen zwischen oberflächlicher und tiefgründiger Natur, zwischen sinnvoller und unsinniger Anwendung.

Es geht uns in dieser Ausgabe vom Zuschnitt also nicht darum, zu zeigen, dass man Holz im Innenraum verwenden kann, sondern warum sich Architekten und Bauherren für diesen Werkstoff entscheiden, welche Gestaltungsmöglichkeiten sich ihnen dadurch eröffnen und welcher Mehrwert entsteht. Wir haben uns auf die Suche nach Projekten gemacht, bei denen es einen »tieferen Grund« für Holz gab – egal ob pragmatischer, atmosphärischer oder gestalterischer Natur.

Schon im Erstgepräch, so erzählte uns Helmut Dietrich von Dietrich|Untertrifaller, entscheide sich, ob ein Bauherr lieber Wände mit weißer, neutraler Optik oder mit Holzoberfläche haben will. So wie Kleider Leute machen, so prägen eben auch Materialien und Oberflächen das Erscheinungsbild eines Raumes. Die Wahl der Materialien hängt vom jeweiligen Zeitgeist und der persönlichen Haltung ab. Sie spiegelt immer auch den kulturellen Background wider, wie Elke Krasny im einleitenden Essay erläutert.

Und dort, wo eine Haltung vorhanden ist, wo Holz mehr ist als eine oberflächliche Behübschung von Wänden, Böden und Decken, wo man getrost sagen kann, dass Holz »Sinn« ergibt, kommen auch die sinnlichen Qualitäten von Holz zutage: atmosphärische, haptische, olfaktorische und akustische.

Nils Holger Moormann hat durch einen Umbau seine »berge« zu einem modernen, komfortablen Lebensraum gemacht – ebenso wie die Schweizer Architekten Geneviève Bonnard und Denis Woeffray ein Ferienchalet in Crans-Montana. Beide haben für die Gestaltung Holz verwendet. Beide haben aber auch Wert darauf gelegt, dass die Räume nicht »alpenländisch jodeln«. Dem einen gelingt dies mit Einbaumöbeln aus unbehandelten Fichtenbrettern und Furniersperrholz zwischen naturbelassenen Wänden und Böden, den anderen mithilfe von matt geölter Lärche in Kombination mit spiegelnden Oberflächen und farbigen Glaswänden. Auch bei gleicher Intention bietet der Werkstoff Holz einen ungeheuren Gestaltungsspielraum.

Ein Haus umzubauen, heißt auch immer mit der Frage konfrontiert zu werden: Was passiert mit den vorhandenen Materialien? Die Projekte in diesem Zuschnitt, die zum großen Teil Um-, Aus- und Anbauten sind, zeigen, dass Holz alterungsfähig ist. Mit diesem Werkstoff lässt es sich mühelos über Generations- und Funktionswechsel hinweg weiterbauen, wie z. B. beim Umbau eines alten Gasthofes in Hittisau, über den Florian Aicher schreibt: »Nach fünf Generationen sind noch so gut wie alle Hölzer tauglich. Es kann mühelos angeknüpft werden …« Innenausbau mit Holz hat also auch etwas mit Nachhaltigkeit zu tun.

Die Qualität des Innenausbaus ist aber nicht nur eine Frage des Materials, sondern auch der Fertigkeit desjenigen, der es verarbeitet. Wenn man über Innenausbau mit Holz spricht, muss man auch über die Tischler sprechen. Sie sind die Mittler zwischen den Möglichkeiten des Materials und den Wünschen des Bauherrn und Architekten. In Österreich gibt es rund 6.000 Tischlereien. Nicht nur in Ballungszentren, sondern über das ganze Land verteilt, bieten sie Arbeitsplätze für rund 42.000 Beschäftigte.

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 35

  • Hüttenzauber in einer Herberge namens »berge«

    In Aschau im Chiemgau wurde ein Gebäude aus dem 17. Jahrhundert, das schon als Bäckerei, russisches Restaurant und Schülerferienheim herhalten musste, zur Herberge namens »berge« umgebaut.

  • Sinnhafte OberflächenAssoziationen zum Innenausbau

    Die stoffliche Wirkung einer Innenraumauskleidung ist besonders eindrücklich, wenn Boden, Wand und Decke zur nahtlosen Einheit verschmelzen. Anbei internationale Beispiele solch homogener „Innenfutter“.

  • Untergraben der HolzbautraditionUmbau und Erweiterung eines Ferienchalets

    Ein Spiel aus Farben und Materialien bestimmt das neu adaptierte Chalet in Crans-Montana: Viel Lärchenholz, geölt und gewachst, steht in Kombination mit dem Mineralwerkstoff Corian sowie bunten Glasscheiben.

  • Aufmerksam UmbauGasthof Krone

    Der Umbau des traditionsreichen Gasthofs führt den Bestand in einem sensiblen Dialog zwischen Alt und Neu weiter. Die hohe handwerkliche Qualität ist den Betrieben des werkraum bregenzerwald zuzuschreiben.

  • Holz ist Farbe

    Der Farbton des komplexen Werkstoffs Holz wird durch mehrere Faktoren bestimmt: z.B. durch Lichteinfall und Betrachtungswinkel, durch die Textur und den Produktionsprozess (z.B. Trocknung).

  • BuntspechtAltbauwohnung in Stockholm

    Parkettstäbe in zehn unterschiedlichen Farben ziehen sich in einem Fischgrätmuster durch die ganze Wohnung, über den Boden und die Wände. Jedes Zimmer ist in jahreszeitlich differenzierte Farbtöne getaucht.

  • Möglichkeiten der Oberflächenbehandlung

    Trotz technisch perfektionierter Lacke, Öle und Wachse, werden unbehandelte Holzoberflächen immer beliebter. Man erinnert sich an bewährte Methoden, wie das Hobeln oder Wässern von Oberflächen.

  • Vertraute VerfremdungFerienwohnung im Oberengadin

    Das Oberengadiner Wohnhaus neu interpretiert: Bunte trichterförmige Fenster gegen den Innenraum gerichtet, setzen einen Kontrapunkt zur Maserung des Lärchenholzes von Wänden, Decken und Böden.

  • StandpunktSoll die Formaldehydgrenze von Holzwerkstoffen weiter heruntergesetzt werden?

    Zur Zeit dürfen nur Holzwerkstoffe in Umlauf gebracht werden, die eine Ausgleichskonzentration des Formaldehyds in der Luft eines Prüfraums von maximal 0,1 ppm aufweisen.

  • WertholzsubmissionenEine Fundgrube für wertvolle Hölzer

    Vorteile einer Submission: Waldbesitzer bieten ihr Qualitätsholz einer breiten Käuferschicht an, die Holzkäufer minimieren durch das gebündelte Angebot ihren Aufwand für den Einkauf sowie die Frachtkosten.

  • Ein Sessel für Kapitän Nemo

    Die Holzkonstruktion der „Solo Soft“-Linie von Viteo ist mit der witterungsbeständigen Hightech-Schicht „pur" überzogen. Das schadstofffreie Material ist atmungsaktiv, uv-beständig und wasserdicht.

  • Zeichensprache

    Der mit 80 mal 120 mal 30 cm etwa hüfthohe Schubladenschrank aus solider Eiche wird von »Kent and London«, die für ihre handgearbeiteten Möbelgustostücke bekannt sind, auf Bestellung produziert.

  • Apfeltasche

    Das hölzerne Laptop-Kästchen mit Rahmen aus Eichenholz gibt’s für das Apple MacBook und MacBook Pro in allen Größen. Details sind mit Leder versehen, Magnetverschlüsse halten das gute Stück dicht.

  • Ohrenweide

    Jeder dieser Kopfhörer des Franzosen David Burel ist handgemacht. Die gebogene Holzkonstruktion aus neun Schichten feiner finnischer Birke ist gespickt mit bestem Hightech-Akustikmaterial.

  • Gregor Zivic

    Die von Gregor Zivic geschaffenen Welten sind ein Panoptikum seiner inneren Befindlichkeit. Er schöpft aus der Wunderkammer seines eigenen Ichs und wird dabei zum Hauptakteur seiner inszenierten Fotografie.

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8,00 €
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
ISBN978-3-902320-70-4
AuflageSeptember 2009

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