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zuschnitt 33

Holz stapelt hoch

... und drängt nach oben. Und auch wenn mehrgeschossige Holzhäuser auf den ersten Blick nicht immer als solche zu erkennen sind, wird ihre Zahl immer größer und sind sie zukunftsweisende Bereicherung im Kreis ihrer niedrigeren Verwandten.

Eine Hochhausstadt aus Holz, eine Skyline mit Bretterfassaden, ein Wolkenkratzer als CO2-Speicher – warum nicht? Zugegeben, die Vorstellung ist uns fremd und natürlich sollten wir nicht übertreiben, aber auch der Holzbau kann hoch hinaus und nichts spricht gegen Vier-, Sechs-, Acht- oder Zehngeschosser aus Holz. Gerade im städtischen Bereich, in Baulücken, auf weniger tragfähigem Grund ist es von Vorteil, mit Holz zu konstruieren, und es wird als technisch machbar erachtet, eine Höhe von zwanzig Geschossen zu erreichen.

Ein anderer Aspekt: Hoch zu bauen liegt in der Natur des Menschen. Das Bild des Turms, das Streben nach Höhe begleiten uns seit Jahrtausenden und wer liebt es nicht, die Welt von oben zu betrachten, „über den Dingen zu stehen“, wenn möglich höher oben zu sein als der Nachbar (nicht nur die Geschlechtertürme von San Gimignano legen Zeugnis davon ab). Oder, anders betrachtet, wie Michael Freund in seinem einleitenden Essay schreibt: „Es ist der uralte Blick nach oben. (...) Wenn wir schon nicht fliegen können, wenigstens sehen wir Dinge von oben – und werden von unten gesehen.“ Das Hochhaus als Ersatz für’s Fliegen oder als Sockel für uns selbst? Oder das Holz-Hochhaus als künstlicher Baum, als „Baum-Haus“? Man sieht schon – wenn es um luftige Höhen geht, fliegen auch die Gedanken hoch …

Deshalb zurück auf den Boden der Realität: Bis vor wenigen Jahren waren dreigeschossige Holzhäuser das höchste der Gefühle. Inzwischen hat sich sowohl in technischer Hinsicht als auch bei den Baugesetzen einiges getan und der Weg weist eindeutig nach oben. Während in Österreich inzwischen viergeschossig gebaut werden darf, sind etwa in der Schweiz bereits sechs Stockwerke möglich. Noch höhere Beispiele gibt es in Berlin mit sieben und in London mit neun Geschossen. Dort, wo die Baugesetzgebung an ihre Grenzen stößt, kommt man mit Sonderbewilligungen voran. So dürfen auch in Österreich mehr als vier Geschosse in Holzbauweise errichtet werden, wenn – durch geeignete Maßnahmen – die gleichen Schutzziele erreicht werden wie in der Massivbauweise.

Nicht ganz zufällig beforschen Italiener und Japaner hohe Gebäude aus Holz. Ihr wissenschaftliches Interesse betrifft vor allem das Erdbebenverhalten von mehrgeschossigen Massivholzbauten und so wurde etwa ein siebengeschossiges 1:1-Modell auf einem Erdbebentisch einer Serie von künstlichen Beben mit der Stärke des Erdbebens von Kobe im Jahr 1995 ausgesetzt, ohne gröberen Schaden zu nehmen.

Selbstverständlich wird in diesem Zuschnitt auch die Frage nach den Grenzen gestellt: nach Grenzen der Konstruktion, der Wirtschaftlichkeit, nach Grenzen, wie sie jedes „Extrem“ (und auch jeder Baustoff) hat. Doch wir können zu dem Schluss kommen, dass sich Holz auch in der Vertikalen sehr gut macht – und selbst wenn das Eingangsbild nicht Realität werden wird: die Richtung stimmt.

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 33

  • Lückenfüller mit DistanzEine Bauinitiative am Prenzlauer Berg

    Als verputzter Holzskelettbau mit aussteifenden Massivholzwänden (die hölzernen Teile eingepackt in nicht brennbare Gipsfaserplatten) steht der energetisch vorbildliche Siebengeschosser mitten in Berlin.

  • Holz in the CityStadthaus in London

    Niedere Herstellungskosten und gute Umweltverträglichkeit zeichnen den achtgeschossigen Wohnbau der Architekten Waugh Thistleton aus. Die Brettsperrholzelemente kommen aus Österreich.

  • Interview mit Konrad MerzStatische Herausforderungen beim Hochhausbau in Holz

    Bauingenieur Konrad Merz spricht über Gestaltungsmöglichkeiten, Wirtschaftlichkeit und die Notwendigkeit von Forschungsarbeit beim Hochhausbau in Holz.

  • Normalfall HolzPrototyp mit Zukunft

    Der erste sechsgeschossige Holzbau in der Schweiz wurde durch die neuen Brandschutznormen von 2005 ermöglicht. Eine Brandschutzmassnahme waren u.a. massive, mit Stahl verstärkte Mehrschichtplatten.

  • Standpunkt und AusblickMehrgeschossiger Holzbau in Österreich

    Die Techniknovelle 2007 ebnete den Weg für innovative Brandschutzlösungen auch im mehrgeschossigen Holzbau. Voraussetzung dafür ist der Nachweis, dass das notwendige Schutzniveau erreicht wird.

  • Im LändervergleichSo hoch darf man mit Holz bauen

    Die brandschutztechnischen Anforderungen sind in den Bauordnungen der Länder geregelt, fünf bis sechs Geschosse gilt als die Regel. In England hingegen gibt es keine Höhenbegrenzung.

  • GemeinschaftswerkHochhäuser aus Holz im Wallis

    In gemeinsamer Arbeit errichteten die Bewohner der Gemeinde Evolène ihre schmalen und bis zu fünf Stockwerke hohen Blockhausbauten. Das Fundament ist aus Stein, das Dach aus Schindeln oder Steinplatten.

  • SeitenwareRasten am Ende der Welt

    Vogelbeobachtungstürme auf den Lofoten: Fassaden und Innenausbau sind aus unbehandeltem Nadelholz. Die Tragstruktur aus Stahl nimmt die starken Winde auf und fängt Erschütterungen ab.

  • Was passiert mit meinem Haus, wenn die Erde bebt?

    Das italienische Forschungsinstitut ivalsa simulierte das Erdbeben von Kobe von 1995 in Originalstärke anhand eines siebengeschossigen Hauses aus Brettsperrholz und dem größten Erdbebentisch der Welt.

  • Schaukelschale

    „Stingray“ besteht aus der angeblich bisher weltgrößten 3d-Furnier-Schale und wird aus einem Stück gefertigt. Stingray gibt’s in gestreiftem Ebenholz, Eiche oder Walnuss sowie schwarz oder weiß aus Plastik.

  • Häuslschmäh

    Nein, das ist kein Hasenstall, auch keine Futterkrippe. Gedacht ist dieses Objekt des Dänen Thomas Bentzen als Bücherregal, das in dieser Funktion auch tadellos als Raumtrenner eingesetzt werden kann.

  • Blattmacher

    Die Garderobe „The Fig Leaf“ von Tord Boontje besteht aus einem bronzenen Bäumchen, dessen Äste zum Aufhängen der Kleidung da sind. Als Ummantelung für den Stamm dienen 616 handbemalte Email-Blätter.

  • Ansteckend

    Die Holzstecken der „Stick Lamps“ von Zoeppritz messen 190 cm, können aber problemlos in Heimarbeit auf die gewünschte Länge gesägt werden. Die würfelförmigen Lampenschirme sind aus Polyester.

  • Doris Salcedo

    Die in Kolumbien geborene Künstlerin Doris Salcedo setzt sich in ihren Arbeiten vorwiegend mit politischen Inhalten auseinander und thematisiert dabei räumliche Fragen ebenso wie unbewusst ausgelöste Assoziationsketten.

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Vergriffen!
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
ISBN978-3-902320-65-7
AuflageMärz 2009

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