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Massiv über Kreuz

... ergibt allerfeinste Platten. Denn mit Brettsperrholz lässt sich vortrefflich planen und bauen und die Holzbauweise wird um die Dimension der Fläche erweitert.

Vor sieben Jahren schrieb der Schweizer Architekt Andrea Deplazes »Das steigende Interesse an neuen Holzbautechnologien lässt nun die These zu, dass wohl zum ersten Mal in der Architekturgeschichte tendenziell eine Entwicklung vom Massivbau zum Holzbau stattfindet.« Diese Einschätzung trifft zu und manifestiert sich vor allem auch in der Etablierung eines Produkts, das in diesem Heft »Brettsperrholz« genannt wird, auch wenn eine einheitliche und verbindliche Bezeichnung noch nicht existiert. (Mehrschichtige Massivholzplatte, Kreuzlagenholz, Cross Laminated Timber sind nur einige der gängigen Namen.) Seit nunmehr etwa zehn Jahren findet also ein Wandel statt, der einen völlig neuen Zugang zu massivem Holz als Konstruktionsmaterial erlaubt. Waren früher stabförmige Konstruktionen wie die Rahmen- oder die Skelettbauweise die häufigsten Varianten und gab es Holzmassivbau mehr oder weniger ausschließlich in Form der Blockbauweise, so erweitert das Brettsperrholz die Möglichkeiten im Holzbau ganz grundlegend. Denn aus dem gerichteten Holz»stab« entsteht durch das kreuzweise Verleimen von mehreren Brettlagen ein Werkstoff mit Scheiben- bzw. Plattenwirkung, der in mehrere Richtungen statisch beansprucht werden kann. Das bedeutet, dass das Konstruieren mit Holz um einiges einfacher geworden ist, dass es möglich ist, auch im Holzbau in Flächen zu denken, dass Fenster- oder Türöffnungen aus den Wandelementen einfach herausgeschnitten werden können, ohne ein übergeordnetes Raster berücksichtigen zu müssen. Es bedeutet auch, dass viele Vorteile des Holzes nun optimal genutzt und neue produktionstechnische Wege, wie etwa ein hoher Vorfertigungsgrad, beschritten werden.

Die industrielle Herstellung des Produkts hat nun, nach der ersten Pionier- und Entwicklungsphase, eine für die österreichische Holzwirtschaft relevante Größenordnung angenommen. Neben Österreich gehört Deutschland zu den wichtigsten Brettsperrholzproduzenten*, der Markt für Exporte innerhalb Europas, aber auch nach Übersee ist entsprechend groß und wird weiter wachsen. Gerade in Hinblick auf Klimaschutz, Erdbebensicherheit, Vorfertigung und Serie gibt es weltweit steigenden Bedarf. Anwendungstechnisch erlaubt Brettsperrholz neben dem Bau von Ein- und Mehrfamilienhäusern, gewerblichen Bauten, Industriehallen etc. auch die Errichtung von hohen Gebäuden. Kürzlich wurde ein siebenstöckiges Haus in Berlin fertiggestellt, in London entsteht derzeit ein achtgeschossiges Bauwerk. Diese Entwicklung eröffnet ganz neue Perspektiven für den Holzbau – ein Umstand, dem in einer eigenen Zuschnitt-Ausgabe im kommenden Jahr Rechnung getragen werden wird.

Ähnlich wie bereits für das Brettschichtholz muss jedoch auch für das Brettsperrholz nach der technischen eine rechtliche Produktentwicklung stattfinden, denn nach wie vor gibt es keine verbindlichen Regelwerke, welche die Eigenschaften und Anwendungsgebiete von Brettsperrholz einheitlich festlegen. Stattdessen existieren bisher nur firmenspezifische Einzelzulassungen, die dem Planer zwar inhaltlich größte Sicherheit gewähren und alle relevanten Informationen beinhalten, eine allgemeingültige und standardisierte Anwendung jedoch nicht erlauben. Die Gründe dafür liegen hauptsächlich im individuellen Unternehmenshintergrund der einzelnen Anbieter: Während der eine Material aus dem eigenen Sägewerk zur Brettsperrholzproduktion verwendet, kauft der andere das Holz zu. Ein Dritter startet mit der Herstellung in einer Halle mit bestimmter Größe, was Auswirkungen auf die Maße der Platten hat. Daraus und aus der bislang noch uneinheitlichen Produktbezeichnung sind Unterschiede gewachsen, die fallweise Verwirrung bei den Anwendern stiften. Inzwischen wurde das Problem jedoch erkannt und auf mehreren Ebenen mit der Erarbeitung verbindlicher Regelwerke begonnen.

Jenseits dieser Hintergründe wollen wir vor allem aufklärend wirken: Was ist Brettsperrholz, was kann es, welche Anwendungen gibt es und wohin wird es sich entwickeln? Dazu haben wir ein möglichst breites Spektrum an Beispielen ausgesucht – von verschiedenen  österreichischen Modulsystemenüber Bauten der öffentlichen Hand in Norwegen bis hin zum individuellen Dachbodenausbau. Architekten und Statiker, die bereits Erfahrungen mit Brettsperrholz gesammelt haben, geben Auskunft über ihre Erfahrungen. Schließlich soll eine Übersicht über die Produkte der größten österreichischen Hersteller entsprechende Klarheit schaffen und dazu beitragen, dass der Zugang zum Brettsperrholz ebenso übersichtlich wie interessant ist.

* 2008 werden von österreichischen Betrieben über 100.000m3Brettsperrholz erzeugt, die Kapazität beträgt mehr als 350.000m3.

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 31

  • Gut verzogenKingsdale School: Music and Sports Buildings

    Brettsperrholz »bis an seine Grenzen getrieben«: Das Music Department ist eine einfache Schachtel mit perforierter Oberfläche. Das Sportgebäude hingegen besitzt ein Dach in Form eines hyperbolischen Paraboloids.

  • Eine Frage der SchichtweiseDachbodenausbau in Innsbruck

    Unter Ausnutzung der statischen Qualitäten von Brettsperrholz konnten dreidimensional wirksame Strukturen entwickelt werden. Helles Fichtenholz bestimmt die Atmosphäre des offenen Raumgefüges.

  • BrettsperrholzProduktporträt

    Unter der Bezeichnung Brettsperrholz (BSP) versteht man flächige, lastabtragende, mehrschichtige Massivholzplatten aus Nadelholz-Brettlagen, die in Industrie- oder in Sichtqualität angeboten werden.

  • BrettsperrholzProduktübersicht

    Diese Produktübersicht gibt Auskunft über die Holzart, die Art der Oberflächen und Kantenausführung sowie die Klasse an Zulassungen von Brettsperrholz der fünf großen Produzenten Österreichs.

  • Dreirad statt VierradEin Kindergarten im Autohaus

    Umbau eines Autohauses in einen Kindergarten in Trondheim: Das Autohaus erfüllt den Zweck der thermischen Hülle, der Innenausbau wurde als maßgeschneidertes Holzmöbel konzipiert.

  • NachgebohrtBrettsperrholz aus Sicht der Planer

    Brettsperrholz ist aus der Sicht der Planer ein äußerst vorteilhafter Baustoff: Er ist hoch tragfähig, hat gute bauphysikalische und brandtechnische Werte, zudem ist „Massenkonfektion“ möglich.

  • Quadrat hält HofWoodcenter Kösching

    Konstruktions- und Nutzungsraster des Bürogebäudes wurden in Übereinstimmung gebracht. Die Tragwerkstruktur von Wand und Dach basiert auf der Standardbreite der Brettsperrholzelemente.

  • HolzBox goes SteiermarkModulsystem für Jugendcamps

    Die Box kann, mitsamt Möbel, vorgefertigt auf die Baustelle geliefert werden. Nach Größe und Gestalt der Anlage werden die Boxen dann addiert bzw. gestapelt.

  • Hauszustellung nach Amerika

    „System 3“ wurde von Oskar Leo Kaufmann als Prototyp eines innovativen, vorgefertigten Ausstellungsgebäudes für das MoMA in New York gefertigt. Das modulare System besteht aus Brettsperrholz.

  • Sitzen machen

    Nix da mit »Sitz gerade!«. Schon der Name des Designertrios »Gopingpong« dürfte klarmachen, dass die drei es mit den Konventionen nicht so haben, und das zeigt ihre äußerst erfrischende Möbelkollektion.

  • Zurück in die Zukunft

    Der Spielwarenmarke Brio, die seit über 120 Jahren gestaltet und produziert, geht es um Nostalgie, Formvollendung, Qualität, Holz und natürlich um Design – altmodisches ebenso wie zeitgemäßes.

  • Manfred Pernice

    Die Arbeiten von Manfred Pernice wirken auf den ersten Blick verwirrend, aber zugleich auch faszinierend in Bezug auf ihre Dimension und Ausführung. Verschiedene Holzwerkstoffe bilden meist die Basis seiner Arbeiten.

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Vergriffen!
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
ISBN978-3-902320-60-5
AuflageSeptember 2008

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