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vor fertig los?

Das Basteln ist dem Planen, das Improvisieren dem Managen gewichen, besonders im Holzbau. Gut organisierte Vorfertigung bringt viele Vorteile, denn gerade der Holzbau eignet sich zum Baukastenprinzip. Holz ist leicht, gut transportier- und fügbar. Keine Massenfertigung, aber industrielle Maßanfertigung im Werk und kurze Montage vor Ort lautet die Devise – für Gestalter und Produzenten eine neue Chance.

Die letzten zehn Jahre haben dem Holzbau eine gewaltige Entwicklung bei Werkstoffen, Verbindungsund Verarbeitungstechniken und neuen Behandlungsverfahren gebracht. Es ist bestimmt kein Zufall, dass Österreich, die Schweiz und Deutschland zu den Vorreitern dieser Entwicklung zählen. Im Gegensatz zu den USA oder Skandinavien - traditionelle Holzbauländer - musste man sich hierzulande einiges einfallen lassen, um Marktanteile aus dem Bereich des Massivbaus zu erkämpfen.

Die Vorfertigung ganzer Gebäudeteile ist Teil dieses Innovationsschubs. Ihre Vorteile liegen auf der Hand. Plattenförmige Elemente in der Dimension geschoßhoher Wände, Decken und sogar ganze Raumzellen können in einer Produktionshalle unter optimalen Bedingungen fertiggestellt werden. Witterungsunabhängigkeit in der Produktion bedeutet Effizienz des Arbeitsablaufs, höhere Präzision in der Verarbeitung, das Vermeiden von Bauschäden und Kältebrücken. Zudem eine wesentliche Verkürzung der Bauzeit und eine »saubere« Baustelle.

Ein hoher Vorfertigungsgrad setzt eine Konstruktionssystematik voraus - nicht jedoch, wie man heute weiß, die Entwicklung von Systemen, die sich dadurch charakterisieren, dass sie mit immer gleichen Systemkomponenten unterschiedliche Aufgabenstellungen lösen. Der moderne Holzbau ermöglicht individuelle Vorfertigung. Frei von modularen Zwängen lässt sich jeder maßgeschneiderte Entwurf »portionieren« - in handhabbare Teile zerlegen, orientiert an Gewicht und Transportmöglichkeiten. Strukturell zählen die dabei angewandten Konstruktionssysteme zum Leichtbau; sie sind dem klassischen Holzrahmenbau und der Tradition des handwerklichen Zimmermannbaus nahe verwandt.

Mit der Entwicklung leistungsstarker sogenannter Halbfabrikate und ihrer Weiterverarbeitung in der Präfabrikation setzt ein gravierender Wandel weg von der traditionellen Konstruktionsweise ein. Diese Materialien vereinen mehrere Eigenschaften in sich und der Schichtaufbau der Elemente wird vereinfacht. Die Simplizität des Materials erlaubt beinahe jeden formenden Zugriff mit CNC-gesteuertem Fräsenkopf und Universalroboter.

Vorfertigung ist allerdings keine Frage von Leichtbau versus Massivbau. Ihr Vorteil liegt in der Qualitätssteigerung und einer Kostenreduktion, »wenn alle Voraussetzungen stimmen« (Michael Kaufmann, Zimmerer). Dazu zählt Koordinationsfähigkeit und gute Kooperation aller am Bau beteiligten Planer und Ausführenden. Der Aufwand für den Transport darf nicht zu hoch werden. Am wichtigsten ist eine präzise Planung. Es gilt: Je höher der Vorfertigungsgrad, desto aufwändiger die Planung. Die macht sich für den Architekten erst dann bezahlt, wenn sie wiederholt angewandt werden kann. Mit System, doch individuell!

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 6

  • Schnelles Haus - schönes Haus?

    Die im Holzbau heute praktizierte individuelle Vorfertigung, ohne Ideologie und Dogma betrieben, kommt den neuen, sich mehrmals ändernen Lebensstilen entgegen und bietet flexible Ergebnisse.

  • Vorfertigung im internationalen Vergleich

    Der Vorfertigungsgrad im Holzhausbau ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz gegenüber anderen europäischen Ländern als gut, gegenüber Nordamerika als sehr gut zu bezeichnen.

  • Wohnbau Georgigasse, GrazVorfertigung bei Sanierungen und Umbauten

    Zwei Wohnungen mehr am Dach: Das geringe Gewicht der Holzkonstruktion und ihre homogene massive Ausführung erspart zusätzliche konstruktive Verstärkung und bietet auch Schutz gegen sommerliche Überhitzung.

  • Überdachung Werkhof

    Dachkonstruktion als Herausforderung: Eine 1,80 x 18,0 m große Furnierschichtholzplatte, darüber Polsterhölzer und eine OSB Platte als Abschluss und Unterlage für die Bitumen-Dachbahnen.

  • Anbau Hotel Post

    Der Anbau des Hotels Post in Bezau umfasst zehn vorgefertigte Raumzellen auf zwei Geschosse aufgeteilt. Durch den Entfall einer Primärkonstruktion reduzierte sich die Montagezeit der Boxen auf zwei Tage.

  • Wohnanlage »Ölzbündt«

    Damit keine Energie an die Umgebung verlorengeht, ist die Dornbirner Wohnanlage Ölzbündt ein kompakter Kubus. Hauptgrund des geringen Wärmeverlusts ist die Kombination von Gebäudehülle und Lüftungsanlage.

  • Einfamilienhaus Johannhöhe

    Die Antwort auf den Steilhang war ein Unterbau in Sichtbeton. Der großflächig verglaste Wohnbereich geht schwellenlos in den Außenraum über. Die beiden Obergeschoße sind in Holztafelbauweise errichtet.

  • Warum Ikea super ist

    Ikea ist ein großer bunter Baumarkt, ein Rohstoffhändler für Wohnungseinrichter. Welche reine Lehre man daraus zieht, bleibt jedem selbst überlassen, und das ist schon so etwas wie Einrichtungsdemokratie.

  • Erschöpfungszustände eines Abtrünnigen

    Möbel von Ikea: Noch spüre ich in meiner Brust leisen Groll, wenn ich an meine Erfahrungen aus naher Vergangenheit mit dem Zusammenbau eines Schreibtisches und Kästchens für meine Tochter denke.

  • Ernst Gamperl

    Für Gamperl ist Holz eine Herausforderung. Er weiß, dass er nur im Dialog mit dem lebendigen Material arbeiten kann, dass er dem Holz nie eine Form abzwingen kann, er kann sie nur erkennen und herausarbeiten.

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Vergriffen!
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
AuflageJuli - September 2002

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