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Holzaltern

Was dem Architekten gewollte Ästhetik ist - die natürliche Holzalterung - ist dem Bauherren oftmals ein unakzeptabler Effekt. Übermächtig belegt mit einer Barackensemantik wird das Vergrauen zum Grauen. Holz lebt aber, es altert und zeigt, der Witterung ausgesetzt, schon bald Veränderungen in der Materialstruktur oder an den Schutzstoffen. Nur sachgemäße Planung, die Verwendung geeigneter Materialien und sorgfältige Ausführung von Holzbauten lässt die Alterung von Fassaden zu einem kontrollierten Prozess werden. Mit geringem Unterhalt und - durch Patina veredelt - zusätzlicher Qualität.

Euphoriker behaupten, dass mit der Entwicklung neuer Holzwerkstoffe, vor allem der von leistungsfähigen Platten, die konstruktiv eingesetzt werden können, im Holzbau kein Balken auf dem anderen, respektive kein Stab neben dem anderen bleiben wird. Scheiben und Platten ersetzen Stäbe und Bretter.

Die Fläche in Holz kann sich vereinfachen: eine Reduktion von Schichten im tektonischen Aufbau bedeutet weniger Kältebrücken, große Flächen reduzieren die Fugen, ein möglicher diffussionsoffener Aufbau vereinfacht die Bauphysik. Rippen-Plattenelemente im Verbund sind leistungsfähig wie flächige Tragwerke und erübrigen aufwendige Querverstrebungen. Auch die horizontale Fläche emanzipiert sich, sie braucht keine Unterzüge und Sekundärlagen mehr.

Soviel ist offensichtlich. Aber ändert das etwas am Erscheinungsbild der Architektur? Kann der Wunsch der Moderne, die Fläche zu abstrahieren, sie autonom und damit frei zu stellen, im Holzbau nun Wirklichkeit werden - 80 Jahre nach dem Traum, der mangels damals vorhandener Technik nicht in konstruktiver Klarheit erfüllt werden konnte? Sicher ist: Die Unabhängigkeit von Modulordnungen erlaubt, Häuser freier und dynamischer zu planen, die technische Entwicklung von tragfähigen Materialien führt zu immer dünneren Bauteilen und die typische Holzfassade mit sichtbarer Konstruktion weicht einer größeren Vielfalt von Oberflächen, die neutraler wirken.

Vielleicht sollte man formale und räumliche Anliegen mit den Möglichkeiten neuer Holzwerkstoffe und - technologien nicht allzu hoch stecken. Die Beobachtung zeigt, dass sich Form und Ausdruck von Holzhäusern, die mit neuen Werkstoffen operieren, meist nicht wesentlich von jenen unterscheiden, die in »traditioneller« Skelett- oder Rahmenbauweise ausgeführt werden. Nicht in jedem Bau sind massive Platten schon auf den ersten Blick so innovativ angewandt wie im Ausstellungspavillon von Cheret & Bozic in Stuttgart. Die plastisch »gefaltete« Fassade besteht aus Flächen, die über große Distanzen frei gespannt sind und mit einfachen Fügeprinzipien gehalten werden.

Jedenfalls kann es nur darum gehen, Holzbau zu vereinfachen und aus den Fesseln der eigenen Tradition zu schälen. »Damit sind wir bei einem zentralen Anliegen der Architekten Meili & Peter, das Bauen mit Holz von den vertrauten Bildern zu befreien und den neuen Technologien neue Formen abzugewinnen, Formen, die andererseits diese Technologien thematisieren«.(1)
Aus diesem Grund hat sich die Redaktion entschieden, zum Thema Flächen auch die Schweizerische Hochschule für die Holzwirtschaft in Biel vorzustellen, obwohl sie, eigentlich ein Skelettbau, weniger mit Platten als mit vorgefertigten Rahmen und Tafeln brilliert.

(1) Peter Steinmann in: 

Inhaltsverzeichnis zuschnitt 4

  • Holzaltern - was für ein Thema

    Der Alterungsprozess von Holz ist ein natürlicher Prozess, der nicht immer Gefallen findet. Die Verwitterung ist allerdings nicht nur eine Geschmacksfrage, sondern auch eine Frage des fachkundigen Holzschutzes.

  • Über Totenbretter und andere Listen gegen die Vergänglichkeit

    Wie hölzern Holz sein darf und wie jugendlich es zu erscheinen hat, wenn es allmählich alt werden will, ist eine Frage, die stets von neuem zu verhandeln ist.

  • Ganzheit aus Alt und NeuHaus Truog Gugalun

    Architekt Peter Zumthor spricht über einen Zubau an einen kleinen Hof in Versam, Graubünden, bei dem sich Alt und Neu unter einem gemeinsamen Dach zu einer harmonischen Ganzheit verbinden.

  • Abgehoben und seiner Zeit vorausBerghaus Hahnenkamm in Kitzbühel

    Das verschindelte Holzhaus von Clemens Holzmeister in Kitzbühel, 1930 erbaut, überzeugt durch seine Raumökonomie, seine Offenheit wie gleichermassen Geborgenheit. Seit 1944 steht es unter Denkmalschutz.

  • Lebens- und Patinafähigkeit im HolzbauWohnanlage »Im Fang«

    Die Wohnanlage „Am Fang“ in Höchst ist ein frühes Beispiel von Selbstbau und gemeinschaftlichem Wohnen. Aus Kosten- nicht Prestigegründen entschied man sich für Holz. Die Spuren des Alltags sind willkommen.

  • Was das Holz hältVetterhof in Lustenau

    Der Bauherr des Vetterhofes in Lustenau ist auch nach Jahren zufrieden, dass er seinen Neubau in sägerauer Lärche verkleiden ließ und das Innere mit einem rohen Lärchenboden und lehmverputzten Wänden.

  • Hineinverwittern in die LandschaftAbbundhalle Zimmerei

    Die Erfahrungen von Architekt Hermann Kaufmann mit dem Verwittern von unbehandeltem Holz je nach Höhenlage, Klima- und Wetterverhältnissen sind Teil seines Planungsprozessdenkens geworden.

  • Doppelt hält besserWohnanlage Spitzweg

    Die Südseite der Fassade ist mit weiß gestrichenen Holzschalungen und emailliertem Glas verkleidet, die Nordseite mit Schiffssperrholz aus Okumee-Paneelplatten mit pigmentiertem Mehrfachanstrich.

  • Oberflächenschutz von Holzfassaden

    Unbehandeltes Holz, das Sonne und Regen ausgesetzt ist, ändert mit der Zeit Struktur und Farbe. Photochemische, physikalische und biologische Vorgänge verändern dabei die chemische Zusammensetzung an der Holzoberfläche.

  • Plattenwerkstoffe - Ausgangsmaterial Holzfasern

    Die hohe Bruch- und Biegefestigkeit von Faserplatten ist im Möbelbau für Rückwände und Schubladenböden von Vorteil. Unterschieden werden die Platten nach Herstellungsverfahren und Dichte.

  • Altes Wissen - neu interpretiert

    Es gibt verschiedene Zugänge, sich dem Altern von Holz zu nähern. Ein Zugang ist die Geschichte von der fast ewigen Jugend. Im lebenden Baum ist die das eigentliche Holzwachstum verursachende Zellteilungsschicht so selbst regenerierend, dass sie praktisch keinem Alterungsprozess unterworfen ist.

  • Die Holzwurmloch-maschine

    Es gibt sie. Viele haben schon von ihr gehört. Tschechische Antiquitätentischler sollen sie verwenden. Mittels einer Walze, die mit kleinen Metalldornen gespickt ist, werden Löcher ins Holz gestochen.

  • Holzahnen, neu belebt

    Vor allem den Wiener Bauhölzern waren bis zu zweihundert Jahre Muße gegönnt, um gemächlich austrocknen zu können. Sie sind also völlig frei von Spannungen und hervorragend zu verarbeiten.

  • beim "sidewalk"Tadashi Kawamatas zeitgebundene Irritation

    Das Material des japanischen Künstlers Tadashi Kawamata ist Holz: altes, bereits gebrauchtes Holz, mit Spuren der Verwendung und des Verfalls.

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Vergriffen!
FormatDIN A4
Seiten28
Gewicht0.150kg
AuflageDezember 2001 - Februar 2002

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