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Der unterschätzte Wald

In Österreichs Wäldern gedeihen rund achtzig verschiedene Baumarten und somit ebenso viele Holzarten für eine individuelle, sinnvolle Verwendung. Die österreichische Forstwirtschaft ist alleine aufgrund der Produktionsbedingungen - die jeweiligen Bäume können erst mit rund hundert Jahren geerntet werden - und der Standortbedingungen an die Ausschöpfung einer möglichst breiten Baumartenpalette gebunden. Niemand kann sicher voraussagen, welche Holzarten in einem Jahrhundert tatsächlich gefragt sein werden.

Die Modetrends der Holzverwendung, die auch von Architekten beeinflusst werden, sind kurzlebig. Glücklich jener Waldbesitzer, der auf Modeerscheinungen aufgrund seiner Baumartenmischung entsprechend reagieren kann. Niemand hätte vor dreissig Jahren gedacht, dass die bisher im günstigsten Fall als Brennholz zu verwendende Schwarzerle durch eine Möbelfirma zu hohem Ruhm gelangen würde. Da diese Holzart wegen der fehlenden wirtschaftlichen Bedeutung in Österreich nicht ausreichend vorhanden war, musste sie in großem Stile vorwiegend aus Osteuropa importiert werden. Eine ähnliche Entwicklung ist derzeit im Zuge der »blonden Welle« bei der Birke zu verzeichnen. Diese wird insbesondere aus dem skandinavischen Raum nach Mitteleuropa importiert, um die Nachfrage im Möbelbereich stillen zu können. Ikea macht es möglich.

Viel zu wenig nutzen Architekten und alle anderen, die Holz in ihrer täglichen Arbeit einsetzen, die positiven Eigenschaften der heimischen Hölzer. So ist es mehr als verwunderlich, dass die »Königin der Alpen«, die Zirbe, in der modernen Innenarchitektur den Durchbruch immer noch nicht geschafft hat. Keine andere Holzart entspricht besser dem Trend in Richtung Natürlichkeit und Gesundheit. Die positive Ausgasung des Zirbenholzes aufgrund ihrer Reichhaltigkeit an ätherischen Ölen wird über unser Geruchsorgan aufgenommen und führt zu Wohlbefinden und Gesundheit. Die im Holz natürlich enthaltenen Öle wirken zudem antiseptisch und insektenfeindlich, sodass sich Zirbenholz hervorragend in Kombination mit Schafwolle im natürlichen Wohnbau eignet. Aufgrund seiner Eigenschaften ist der Naturbelassenheit der Vorzug zu geben. Zirbenholz braucht kein Beizen und Versiegeln. Jährlich wachsen in den österreichischen Alpen rund 67.000 Festmeter Zirbenholz, wegen der geringen Nachfrage werden jedoch nur 9.000 Festmeter geerntet. Um zu kostengünstigem Zirbenschnittholz zu gelangen, sollte man sich direkt an die Forstwirtschaft wenden.

Die in Österreich von Natur aus häufig vorkommenden Baumarten, wie zum Beispiel die Fichte, Tanne, Kiefer, Lärche, Rotbuche, Eiche, Esche und Ahorn sind von großer wirtschaftlicher Bedeutung. Aber auch diese Holzarten werden zum Teil unter ihrem Wert geschlagen, ihre speziellen Eigenschaften zu wenig beachtet. Kaum jemand fragt gezielt nach Tannenholz für den Saunabau oder für Sitzbänke, obwohl diese Holzart keine Harzgallen besitzt und somit jeder Anwender ganz gewiss kein »Pech« mit diesem hellen Holz haben würde.

Ein tragisches Schicksal musste die Eiche erleiden. Durch das Forcieren der Fichte in der Verwendung von Holz verlor sie ihre Funktion als Bauholz. Im Möbelbau erhielt sie zu Unrecht das Image einer dunklen Holzart, sie wurde praktisch »zu Tode" gebeizt. Viele Jahre blieb nur mehr die Vermarktung als Brennholz. Durch die Renaissance des Barrique- Tones beim Rotweinkonsumenten ergeben sich bessere Absatzmöglichkeiten. Ein von proHolz Austria initiiertes Forschungsprojekt zu den Einsatzmöglichkeiten der Eiche im Bauwesen soll dazu dienen, sie in diesem Bereich neu zu positionieren.

Gerade in der Architektur sind Individualität des Ausdrucks und funktionale Angemessenheit des Materials sehr gefragt - die heimischen Hölzer könnten dabei einen noch viel gezielteren Beitrag leisten. Jede Holzart hat ihre speziellen Eigenschaften, die bewusster genutzt werden sollten. Die Bewirtschaftung der Wälder Österreichs erfolgt nachhaltig. Es wächst um ein Drittel mehr Holz zu, als genutzt wird. Die Nachfrage nach Holz kann ökologisch ruhigen Gewissens steigen.

(Zeitschrift Zuschnitt 1, 2001; Seite 25)

Text:
Dipl.-Ing. Martin Höbarth
Präsidentenkonferenz
der Landwirtschaftskammern
Österreichs
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T +43 (0)1 / 53 441 - 8592
F +43 (0)1 / 53 441 - 85 29
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Baumartenverteilung im bewirtschafteten Wald in Österreich, bezogen auf die Fläche des Waldes

55,7%Fichte
6,1%Kiefer
4,4%Lärche
2,3%Tanne
0,7%andere Nadelhölzer
9,2%Rotbuche
2,0%Eiche
11,1%andere Laubhölzer