Inhalt

Holz - »ja natürlich«

In den letzten 10 Jahren hat die Waldfläche in Europa um rund eine Million Hektar zugenommen. Massive Waldverluste sind jedoch nach wie vor in den Tropen zu verzeichnen. Im genannten Zeitraum reduzierte sich der Wald dort laut FAO-Studie durch Bevölkerungsentwicklung, Nahrungs- und Siedlungsbedarf um mehr als 12 Mio. ha.

Waldzertifizierung zur Rettung der Tropenwälder
Mit dem Vorsatz, die Urwälder der Erde zu retten, erstellte der WWF über die Gründung des sogenannten »Weltforstrates« (FSC) bereits Anfang der 90-er Jahre an die umweltgerechte Bewirtschaftung der Tropenwälder Anforderungen, deren Erfüllung von unabhängigen Kontrollorganen überprüft (zertifiziert) wird. Die ursprünglich für den Tropenwald konzipierten Zielsetzungen treffen in Österreich aber in wesentlichen Punkten nicht zu:

_ Es bestehen zahlreiche Gesetze, die ökologische und soziale Aspekte in Zusammenhang mit der Waldbewirtschaftung ausreichend berücksichtigen.

_ Die Waldeigentümer leben primär von der Bewirtschaftung ihres Waldes. Es besteht daher keine Schutznotwendigkeit indigener Bevölkerungsgruppen.

_ 53 Prozent der Betriebe bewirtschaften weniger als 200 Hektar. Die durchschnittliche Waldflächenausstattung beträgt 9 Hektar. Demgegenüber stehen im internationalen Vergleich Großkonzerne, die über mehrere Millionen Hektar verfügen. Eine einzelbetriebliche Zertifizierung würde daher in Österreich zu massiven Wettbewerbsnachteilen führen.

_ Eine ökologische, also nachhaltige Waldwirtschaft ist seit Generationen Bewirtschaftungsziel.

Zertifizierung in Europa
Diverse Umweltorganisationen haben das Thema der Waldzerstörung und Zertifizierung auf Europa übertragen. Es wurde von den Industrieländern akzeptiert, nicht aber von Ländern mit Handlungsbedarf. Mitte 1998 wurde der große skandinavische Industrieforst Assi Domän mit einer Waldfläche von 3,2 Millionen Hektar nach den Prinzipien des FSC zertifiziert, weil man sich Wettbewerbsvorteile auf den heiß umkämpften Schnittholzmärkten erhoffte. Die gesamte Waldfläche Österreichs beträgt übrigens 3,9 Millionen Hektar und wird von rund 170.000 Waldbesitzern bewirtschaftet. Dieses Faktum verleiht der Holzzertifizierung auch am europäischen Holzmarkt Bedeutung. Um der drohenden Diskriminierung infolge einer Monopolstellung des FSC am Holzmarkt zu entgehen, entwickelte die »Europäische Familienforstwirtschaft« im Rahmen der Initiative PEFC (Pan European Forest Certification) einen gemeinsamen Rahmen für die Zertifizierung von Waldflächen und Holzprodukten. Die Kriterien und Indikatoren beruhen auf dem breit getragenen Paneuropäischen Prozess der Forstminister, der zuletzt Ende April 2003 in Wien tagte. 26 Länder sind derzeit mit ihren nationalen Organisationen Mitglieder von PEFC International. Über Europa hinausgehend befindet sich PEFC in einem gegenseitigen Anerkennungsprozess mit den Zertifizierungssystemen von Kanada (CSA) und den USA (ATFS). Afrikanische Staaten überlegen die Entwicklung eigener Systeme nach europäischem Vorbild. PEFC hat sich in nur fünf Jahren zum weltweit größten Zertifizierungssystem entwickelt.

Zertifizierung in Österreich
Zur Umsetzung der PEFC - Zertifizierung auf nationaler Ebene wurde 1998 PEFC-Austria gegründet. Dies ist eine gemeinsame Initiative von Familienforstwirtschaft, Holzhandel, Holzverarbeitung, Umweltgruppen
und Gewerkschaften. Die Waldbesitzer in Österreich haben sich zur Zertifizierung ihrer Wälder nach dem PEFC-System entschlossen, weil auch ihre Grundrechte berücksichtigt werden. Seit Anfang 2002 ist der gesamte österreichische Wald in insgesamt neun Einheiten, die zwischen 300.000 und 600.000 Hektar umfassen, zertifiziert. Die Waldbesitzer können freiwillig am System teilnehmen, indem sie den Zielen der Waldbewirtschaftung in ihrer Region schriftlich zustimmen. Die jährlichen Überwachungsaudits in den neun Regionen wurden bereits erfolgreich durchgeführt. Rund 180 Holz verarbeitende Betriebe sind zur Zeit im Besitz eines gültigen Cain of Custody-Zertifikates. Es bestätigt, dass Holz aus PEFC-zertifizierten Wäldern in den Produkten verarbeitet wurde. In Österreich ist bei Bedarf PEFC-Holz aus verantwortungsvoller Waldwirtschaft in ausreichender Menge erhältlich. Nach 10 Jahren Zertifizierungsdebatte ist festzustellen, dass das Ziel der Umweltorganisationen, den Tropenwald zu retten, noch sehr fern ist. Die zertifizierten Flächen in den Tropen sind minimal und betreffen meist Plantagenholz (z.B. Teak). In den Industrieländern mit Waldflächenzuwachs und strengen gesetzlichen Regelungen hat man hingegen seine Hausaufgaben erfüllt, weil man sich Umweltschutz (noch) leisten kann.

(Zeitschrift Zuschnitt 10, 2003; Seite 26)

Text:
Martin Höbarth
Dipl.-Ing.
Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer Österreichs
Abteilung Forstwirtschaft/Umwelt
Schauflergasse 6
A-1014 Wien
T +43 (0) 1/ 53441-8592
F +43 (0) 1 / 53441-8529
m.hoebarth@pklwk.at

FSC Forest Stewardship Council
SFI Sustainable Forestry Initiative
ATFS American Tree Farm System
CSA Canadian Standards Association
Anmerkung: Kanada und die USA streben
die gegenseitige Anerkennung ihrer
Zertifizierungssysteme (CSA, SFI und ATFS)
mit PEFC International an.
Stand: April 2003

 

PEFC Austria
(Pan European Forest Certification
Arbeitsgemeinschaft
Austria)
Alserstraße 21/ 1/ 5
A-1080 Wien
T +43 (0)1/ 402 4701 - 17
F +43 (0)1/ 401 13-50
info@pefc.at, www.pefc.at