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Kontrollierte Metamorphose - vom Holz zur Kohle

Holz ist ein schwer entflammbarer Stoff aus Kohlenstoff, Wasser und diversen Spurenelementen. Der Kohlenstoff wird durch die Fotosynthese aus dem CO2 in der Atmosphäre gebildet. Wird Holz verbrannt, verwandelt sich der Kohlenstoff unter Sauerstoffzufuhr wieder zu CO2. Soll Holzkohle - das ist nahezu reiner Kohlenstoff - erzeugt werden, darf das Holz daher nicht brennen, sondern lediglich kontrolliert durchglühen. Dazu wird das kunstvoll in Meilern aufgeschichtete Holz mehr oder weniger luftdicht mit einem Gemisch aus Erde, Kohlenstaub und kleinen Holzkohlestückchen, dem Lösch, abgedeckt. Nach dem Anzünden und dem darauf folgenden Abdecken des entstandenen Glutnestes beginnt der Kohlungsprozess. Durch kontrollierte Sauerstoffzufuhr über Luftlöcher, die mittels Ansticheisen geschaffen werden, wird dieser Vorgang vom Köhler unter Kontrolle gehalten. Es entweichen gasförmige und flüssige Produkte (z.B. das Holzpech), ein fester Rückstand - die Holzkohle - bleibt übrig. Nach rund acht Wochen erntet der Köhler durch das so genannte „Ausstören“ die Früchte seiner Arbeit.

Mit dem Störhaken wird die fertige, teilweise noch glühende Holzkohle dem Meiler entnommen und in einem Wasserbottich abgekühlt. Diese frische Kohle bedarf besonderer Aufsicht, da sie sich selbst bis zu 15 Stunden nach der Entnahme noch selbst entzünden kann. Ständige Anwesenheit und konzentrierte Obacht durch den Köhler sind daher unerlässlich. Schon die Wahl der Holzart entscheidet über die Qualität der künftigen Holzkohle. Fichte und Buche eignen sich am besten, Hainbuche ist weniger geeignet, da die daraus erzeugte Kohle viel zu heiß verbrennt und damit zu verkohltem Grillgut führen würde. Das zu verglühende Holz muss möglichst trocken sein, damit nicht mehr zu viel Wasser entweicht. Der Sauerstoff des Wassers würde sich nämlich beim Zusammentreffen mit der heißen Glut entzünden und zu einem ungewollten Brandherd führen. Regen löscht daher auch niemals einen Kohlemeiler, sondern regt diesen eher zu vermehrtem Brand an. Leichter Regen ist sogar erwünscht, da der Kohlemeiler dann besser zieht. Die beste Zeit zur Kohleproduktion ist das Frühjahr und der Herbst. Die Grillsaison steht vor der Tür. Bereits seit Mitte Mai werden in Rohr im Gebirge wieder die Kohlemeiler aufgeschichtet und zum Durchglühen gebracht. Maronibrater und Freiwillige Feuerwehren sind die Hauptkunden der Köhler. Diese freuen sich aber auch über jeden Ab-Hof-Kunden. Gegen die Billigkonkurrenz im Supermarkt, wo auch minder- wertige Industriekohle angeboten wird, ist jedoch schwer anzukommen.

(Zeitschrift Zuschnitt 14, 2004; Seite 26)

 

Text:
Martin Höbarth
Dipl.-Ing.
Präsidentenkonferenz der Landwirtschaftskammer Österreichs
Abteilung Forstwirtschaft/Umwelt
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F +43 (0) 1 / 53441-8529
m.hoebarth@pklwk.at

Literaturhinweis:
„Rohr im Gebirge - Heimat der Köhler“
Hiltraud Ast
416 Seiten
Hrsg. Gemeinde Rohr im Gebirge
http://www.rohrimgebirge.at