Inhalt

Oh Tannenbaum ...

Tannenholz sieht dem Holz der Fichte sehr ähnlich. Selbst für den Holzfachmann ist es nicht immer leicht, die beiden Hölzer zu unterscheiden, für den Laien ist dies fast unmöglich. Das Farbenspektrum von Tannenholz reicht von rötlichweiß über gelblichweiß bis fast ganz weiß. Es ist glanzlos und weist häufig einen grauvioletten oder bläulichen Schimmer auf. Fichtenholz ist meist gelblich und hat eine leicht glänzende Oberfläche.

Wir alle kennen den würzigen »Waldgeruch« eines frischen Tannenchristbaumes. Der Geruch kommt jedoch aus den Nadeln. Das Holz hat weder Harzgallen, noch Harzkanäle und riecht nicht nach Harz. Damit unterscheidet es sich wesentlich von den anderen heimischen Nadelhölzern.

Tannenholz zeichnet sich durch besonders hohe Resistenz gegen Wasser aus und arbeitet weniger als z.B. Fichtenholz. Es neigt kaum zum Verwerfen, schwindet mäßig und eignet sich gut als Bauholz. Die Festigkeitseigenschaften sind denen der Fichte sehr ähnlich. Der normale Nasskern findet sich nur in gesunden Tannen und stellt Kernholz mit hohem Wassergehalt dar, was die technisch guten Eigenschaften des Holzes gewährleistet. Der normale, gesunde Nasskern ist braun, geruchlos, regelmäßig geformt und beschränkt sich im Stammzentrum auf das Kernholz. Seine braune Färbung bleicht durch die Trocknung weitgehend aus.

Tannenschnittholz muss langsamer getrocknet werden als Fichte, sonst kommt es zu Trocknungsfehlern. Bei - wie üblich - mit Fichte gemischten Trocknungschargen ist daher oft ein Nachtrocknen erforderlich. Das Holz der Tanne ist gegen Säuren und Alkalien sehr beständig. Es ist imprägnierbar und zum Beizen und für Farblasuren sehr gut geeignet, etwas spröder, leichter splitternd und filziger als Fichtenholz. Tannenholz ist ebenso wie Fichte im Freien nicht witterungsfest. Es eignet sich jedoch für jene Bereiche, in denen es ständiger oder wechselnder Feuchtigkeit ausgesetzt ist.

Harzfreiheit ist von Bedeutung für Fensterkantel aus Starkholzstämmen (Riftschnitt), Leimbinder, Fassaden und Sichtverkleidungen, mit denen man in Berührung kommt, für Holzbauteile im Innenausbau, bei denen kein Harzfluss geduldet wird wie für Saunen. Gute Imprägnierbarkeit für: Wintergärten aus Tannenleimbindem, bewitterte Fassaden, Balkone, Pergolen, Brücken und Holzstege, für den Einsatz in der Wildbach- und Lawinenverbauung, im Hangverbau, auf Spielplätzen, in Gartenanlagen.

Gute Aufnahmefähigkeit für farbige Lasuren an Hausfassaden und generell im Außenbereich. Tannenrundholz kann große Qualitätsunterschiede aufweisen. Die Sortierung nach Holzfehlern sollte im Wald geschehen, damit das Holz schon am Beginn der Produktionskette der bestmöglichen Verwertung zugeführt werden kann.

Entsprechend den Österreichischen Holzhandelsusancen wird das Rundholz von Fichte und Tanne als gemeinsames Sortiment »Fi/Ta« behandelt. In diesem Mischsortiment überwiegt fast ausnahmslos die weit häufigere Fichte, obwohl in Österreich jährlich hunderttausende Festmeter Tannenholz geerntet werden.

Österreichweit befassen sich heute wenige Sägewerke - eine Ausnahme bildet Vorarlberg, wo die Tanne vermehrt vorkommt - speziell mit dem Einschnitt von Tannenrundholz. Ein Grund dafür ist sicher im aufwendigeren Trocknungsprozess zu finden. Schwierigkeiten, der Nachfrage zu entsprechen, bleiben dabei nicht aus.

Der Tannenanteil im österreichischen Wald ist seit Jahrzehnten zurückgegangen. Nach der Österreichischen Waldinventur 1992 96 sind in den älteren Baumklassen beträchtliche Vorräte zu finden, in den jüngeren Altersklassen besteht aber ein großes Manko und in den Tannennachwuchs müsste daher investiert werden.

Wenn aus der heutigen Vernachlässigung eine totale Marktverdrängung wird, würde das nicht wieder gut zu machende Folgen für die Ökologie und Biodiversität der Wälder nach sich ziehen.

Die Nachfrage nach Tannenholz ist notwendig, damit sich einzelne Sägewerker wieder speziell mit dieser Holzart befassen und den Markt bedienen. Sie wäre das sicherste Signal an die österreichischen Waldeigentümer, sich verstärkt um die Verjüngung dieser Baumart zu bemühen.

(Zeitschrift Zuschnitt 6, 2002; Seite 26)

Text:
Josef Spörk
Univ. Prof. Dr. 
Technisches Büro für Forstwirtschaft
A-8563 Ligist 5
T +43 (0)3143 31 80
T +43 (0)1 470 92 29
josef.spoerk@hebalm.at

Pro Silva Austria - Naturnahe Waldwirtschaft