Inhalt

Kohlenstoffspeicher Wald

Der österreichische Wald speichert ca. 800 Millionen Tonnen Kohlenstoff. Das entspricht der 40-fachen Menge der jährlichen Treibhausgasemissionen Österreichs. Da im österreichischen Wald in den letzten Jahrzehnten mehr Holz zugewachsen ist, als genutzt wurde, hat dieser Kohlenstoffvorrat laufend zugenommen.

Während der letzten eineinhalb Dekaden entsprach diese Zunahme etwa 15 Prozent der Treibhausgasemissionen. Weltweit ist die Situation anders zu beurteilen. In tropischen Gebieten schreitet die Entwaldung weiterhin fort, womit beachtliche Kohlenstoffemissionen an die Atmosphäre abgegeben werden.

Das Problem der Senken
Kohlenstoffsenken - wie der Wald oder die Weltmeere - sind für die Bilanz des globalen Kohlenstoffkreislaufes von großer Bedeutung. Derzeit können sie die enormen Treibhausgasemissionen aus fossilen Brennstoffen (Erdöl, Erdgas, Kohle) nur in sehr geringem Ausmaß kompensieren. Es ist auch nicht vorhersehbar, wie lange solche Waldsenken ihre Funktion aufrechterhalten werden.

Steigende Bevölkerungszahlen vermindern Waldflächen
Der Bedarf an landwirtschaftlichen- und Siedlungsflächen führt auf Grund steigender Bevölkerungszahlen weltweit gegenwärtig zu einer weiteren Verminderung der Waldflächen. Durch Waldrodungen wird der zuvor in den Bäumen und im Waldboden gespeicherte Kohlenstoff zum großen Teil freigesetzt.

Der Einsatz von Holz als Rohstoff ist hingegen kohlenstoffneutral, sofern es aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung gewonnen wird. Der Ersatz fossiler Energieträger durch rezent und nachhaltig produzierte Biomasse stellt darüber hinaus eine anhaltende Möglichkeit dar, die Zunahme der atmosphärischen Kohlenstoffdioxidkonzentration zu verringern.

Die Bedeutung von Holzverwendung
Für die Frage, inwieweit Holz als Kohlenstoffspeicher fungiert, ist dessen Verwendung von entscheidender Bedeutung. Hier sind die sogenannten »Umsatzzeiten« von Bedeutung, welche die Zeit von der Bindung des Kohlenstoffes im Baum durch Fotosynthese und deren Abgabe an die Atmosphäre im Rahmen von Zersetzungsvorgängen oder Verbrennung umfasst. Der Einsatz von Holz in Bauwerken kann diese Umsatzzeiten verlängern.

Das Kyoto-Protokoll
In der Klimaschutzkonferenz in Kyoto (Japan) im Jahr 1997 wurden erstmals international rechtlich verbindliche Ziele zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen festgesetzt. Ferner wird im Kyoto-Protokoll die Berücksichtigung des Waldes als Kohlenstoffsenke und die Möglichkeit zum Emissionshandel festgeschrieben.

Der Prozess zur Festlegung vieler Detailbestimmungen wurde bei der 7. Vertragsstaatenkonferenz in Marrakech im Jahr 2001 abgeschlossen. Seither haben nahezu 100 Staaten das Protokoll ratifiziert. Damit es in Kraft treten kann, muss auch noch Russland die Ratifizierung vornehmen. Damit würden diese Industrieländer für die Verpflichtungsperiode 2008 - 2012 verbindlichen Treibhausgasemissionszielen unterliegen.

Lösung derzeit noch nicht in Sicht
Die Emissionen an Treibhausgasen überschreiten jene Menge um ein Vielfaches, die stabile Kohlenstoffsenken aufnehmen können. Daher kann das Klimaproblem letztlich nur durch eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern gelöst werden. Das vereinbarte Reduktionsziel von 5 Prozent zwischen 1990 und 2008 bis 2012 durch die Industrienationen ist also nur ein erster Schritt zur Lösung des Problems.

 

Text:
Peter Weiss
Dipl.-Ing. Dr.;Umweltbundesamt
Spittelauer Lände 5
A-1090 Wien
T +43 (0)1¼31304-3430
T +43 (0)1¼31304-3700
weissp@ubavie.gv.at

Klemens Schadauer
Dipl.-Ing. Dr.;Seit 2001 Leiter am Institut für Waldinventur des Bundesamtes und Forschungszentrums für Wald
(BFW)
Seckendorff-Gudent-Weg 8
A-1130 Wien
T +43 (0)1/87838-1223
F +43 (0)1/87838-1250
klemens.schadauer@
fbva.bmlf.gv.at

Literaturhinweis

Monographie 106
»Die Kohlenstoffbilanz des österreichischen Waldes
und Betrachtungen zum Kyoto-Protokoll« erhältlich bei der Umweltbundesamt GmbH
Spittelauer Lände 5
A-1090 Wien
T +43 (0)1/31304-0
F +43 (0)1/31304-5400
umweltbundesamt@
ubavie.gv.at

www.ubavie.gv.at

downloadbar unter Kohlenstoffbilanz des österreichischen Waldes (pdf, 546KB)