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25 Jahre Bauen mit Holz
Reflexion

erschienen in
Zuschnitt 100 Zuschneiden, Juni 2026

Ehrlich, wer hätte 2001 in der Geburtsstunde des Zuschnitt seine Hand dafür ins Feuer gelegt, dass dieser 25 Jahre später seine 100ste Ausgabe feiern wird? Ich jedenfalls nicht, zu unsicher erschien mir damals die Kontinuität der nationalen Begeisterung für den Baustoff Holz. Da muss sehr viel richtig gelaufen sein, dass dieser wichtige Imagebildner noch heute nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat und mehr denn je Zielgruppen erreicht, die oft entscheidend für die Wahl des Baustoffs sind und als wichtige Meinungsbildner in die Gesellschaft wirken. Das Erfolgsgeheimnis ist aus meiner Sicht der außergewöhnliche Auftritt ­sowohl grafisch als auch inhaltlich: eine interessante, unaufgeregte, wohl recherchierte, gut gestaltete, der guten Architektur verpflichtete Zeitschrift, die sich thematisch mit den entscheidenden Themen im Umfeld der Holzarchitektur befasst und damit aktuell bleibt.

Um das, was seit dem Start 2001 erreichte wurde, etwas konkreter zu fassen, ist eine Rückschau in die damalige Situation des Holzbaus sehr aussagekräftig. In der ersten Ausgabe des Zuschnitt legte Österreichs Holzwohnbaupionier Hubert Riess den Finger in die Wunde und formulierte die Bedingungen dafür, dass sich der Holzwohnbau verbreiten und zum Selbstläufer werden kann. Zusammengefasst forderte er eine hohe Architekturqualität ­sowie Komplettanbieter für Wohnbauten mit Holz, Standardisierung statt neuer Holzbausysteme, Vorfertigung und geeignete Massivholzelemente für großvolumiges Bauen. Einiges davon wurde verwirklicht, von einem Selbstläufer können wir aber leider noch nicht reden. Nach wie vor fehlt es an Generalübernehmern. Dieses Feld wird komplett von anderen Baustoffen dominiert. Wären die Rahmenbedingungen für die konsequente Umsetzung klimaschonender Bauweisen vorhanden, würden also CO2-Emissio­nen eingepreist, dann hätten wir die Ziele erreicht. Dann gäbe es mit Sicherheit genügend Firmen, die Holzwohnbau zu konkurrenzfähigen Preisen anbieten könnten, denn die gesetzlichen und technisch-konstruktiven Grundlagen sind heute im Gegensatz zu damals vorhanden.

Und wie sieht es bei den Nichtwohnbauaufgaben aus? Wesentlich erfreulicher! Holz hat die Architekt:innen und Teile der Gesellschaft voll erreicht, die neue Holzarchitektur ist auch in den Fachmedien unübersehbar. Wettbewerbe werden vom Auslober direkt oder durch die Blume holzfreundlich formuliert, die öffentliche Hand sieht im Holzbau verstärkt die Möglichkeit, vorbildhaft klimaschonend zu handeln. Holz zieht in die Städte ein, es entstehen dort laufend großvolumige Büro- und Gewerbebauten und in diesem Bereich etablieren sich die ersten Generalübernehmerstrukturen. Besonders attraktiv für die Besteller ist die hoch entwickelte Vorfertigungsstrategie. Das Versprechen, in kurzer Bauzeit ein größtenteils in der Werkstatt gefertigtes und dadurch hoch qualitatives Bauwerk zu erhalten, ohne das derzeitig bereits groteske Bauabwicklungsszenario miterleben zu müssen, beeindruckt und ist ein Garant für eine erfolgreiche weitere Nachfrage. Hoch zu bauen ist heute keine Sensation mehr, der Baustoff hat sich in den letzten 25 Jahren als konkurrenzfähig auch bei großen Volumen erwiesen. Auch wissenschaftsbasierte Brandschutzstrategien und im Wesen vernünftige gesetzliche Grundlagen haben viele Vorurteile über die Sicherheit von Holzbauten verschwinden lassen. Das Angebot an geeigneten Holzwerkstoffen ist enorm gewachsen, zudem hat Österreich eine ordentliche Anzahl an hoch entwickelten Holzbaubetrieben mit gut ausgebildeten Mitar­bei­ter:innen, welche die modernen Anforderungen gut erfüllen.

Die Rohstoffversorgung ist nach wie vor im hohen Maß gesichert und die Rückbesinnung auf lokale, kleinere Kreisläufe ist erfreulich. Auch in der Ausbildung ist es gelungen, alle Stufen zu besetzen, sogar bis hin zur universitären Ebene. Trotzdem gibt es noch viel zu tun, damit diese nach wie vor junge, kleine Pflanze nicht eingeht. Der Anfangsschritt ist getan, die ­erfolgreiche Unterstützung dessen kann sich der Zuschnitt mit Recht auf seine Fahnen heften. Die professionelle Information eines Teils der wichtigen Steakholder hat er meisterlich bewerkstelligt. Jetzt geht es um Ausdauer, und die ist bekanntlich das Herausforderndste. Aus meiner Sicht brauchen wir in Zukunft fast noch dringender als bisher dieses Format, um eine wachsende Grundhaltung in der Gesellschaft zu unterstützen: dass wir alles unternehmen müssen, um unseren Weiterbestand abzusichern. Konkret bedeutet das, gegen die wachsende Verdrängung, ja ­geradezu Verleugnung der Umweltfrage anzutreten und für das Bauwesen tragfähige und umsetzbare Lösungen in Form von Holzbau vor den Vorhang zu holen. Das muss weiterhin mit der gewohnten Professionalität und einem Sinn für die Schönheit ­geschehen, denn ein Produkt ist nur erfolgreich, wenn es von den Menschen auch geliebt wird. Das kann der Holzbau, das kann der Zuschnitt. 


verfasst von

Hermann Kaufmann

Architekt in Schwarzach, Geschäftsführer HK Architekten, von 2002 bis zu seiner Emeritierung 2021 Professor am Institut für Entwerfen und Bautechnik, Fachgebiet Holzbau, an der TU München