Veränderungen sind Teil einer Weiterentwicklung. Dies zeigt auch die Benennung der Rubrik, in der die Themen rund um Wald und Holz des Zuschnitt beleuchtet werden. Ab Zuschnitt 3 von 2001 steht sie unter dem Motto „Forst und Säge“ – damals wie heute ist Sägerundholz das Sortiment für die Wertschöpfung aus dem Wald. Später lautet der Titel „Wertschöpfungskette“, ein Bezug auf die Gründung der Kooperationsplattform Forst – Holz – Papier im Jahr 2006. Ab Zuschnitt 70 werden unter „Wald – Holz – Klima“ die komplexen Zusammenhänge in allen Facetten dargestellt – immer wissenschaftlich fundiert.
Themen zum Wald werden gerne gelesen. Denn die Österreicher:innen identifizieren sich mit ihrem Wald, wie der Meinungsforscher Rudolf Bretschneider immer betonte. Daten und Fakten zum Wald werden aber nicht aus Umfragen, sondern über die Österreichische Waldinventur (ÖWI) gewonnen. So fanden die spannenden Ergebnisse in regelmäßigen Abständen ihre Würdigung. Daraus sind die positiven Veränderungen nur zu deutlich ablesbar. Die Waldfläche hat gegen den globalen Trend weiter zugenommen, seit 1960 um rund 330.000 Hektar – nahezu die Fläche des Burgenlandes. Wir stellen aber fest, dass Grenzen erreicht werden. Die Kurve der Waldflächenzunahme verflacht, denn Grund und Boden sind nicht vermehrbar. Der Holzvorrat im Wald ist von 800 Millionen auf nahezu 1,2 Milliarden Vorratsfestmeter gestiegen. Dieser ist auch nicht linear steigerbar, wie vielleicht von ideologisch verfassten Gesetzen wie der LULUCF-Verordnung (Land Use, Land-Use Change and Forestry) vorgeschrieben. Ein Glas kann nur bis zum Rand mit Wasser gefüllt werden, dann läuft es über. So ist es auch beim Wald – auch er muss Kohlenstoff wieder abgeben.
Die unschlagbaren Vorteile von Holz waren und sind für die Gesamtbranche immer ein besonders wichtiges Thema: nachwachsend, aus nachhaltiger Bewirtschaftung, Speicherung von Kohlenstoff, Ersatz fossil basierter Materialien und am Ende der Lebensdauer eines Produkts die klimaneutrale, energetische Verwertung. Holz ist gut fürs Klima und Holz kennt keinen Abfall. Wir waren so erfolgreich, dass heute andere mit einer Verfälschung der Tatsachen, durch die Fehlinterpretation von Daten und durch das Verrücken von Systemgrenzen die Waldbewirtschaftung und Holzverwendung schlechtmachen wollen. Es wird versucht, den Wald als Retter des Klimas darzustellen und ihn gleichzeitig auf einen „Mistkübel“ für fossile Emissionen zu reduzieren. Dabei stellten Klemens Schadauer, bis 2024 Experte für die Waldinventur beim Bundesforschungszentrum für Wald (BFW), und Peter Weiss vom Umweltbundesamt (UBA) bereits in Zuschnitt 8 von 2002 Folgendes klar: „Die Emissionen an Treibhausgasen überschreiten jene Menge um ein Vielfaches, die stabile Kohlenstoffsenken aufnehmen können. Daher kann das Klimaproblem letztlich nur durch eine deutliche Reduktion der CO2-Emissionen aus fossilen Energieträgern gelöst werden.“ Aber die Politik hat schlecht zugehört. In Zuschnitt 51 von 2013 klagte Philipp zu Guttenberg, damaliger Präsident der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Waldbesitzerverbände (AGDW), darüber, dass die Europäische Kommission mit großflächigen Außer-Nutzung-Stellungen Klimaschutz betreiben wolle, dies aber völlig kontraproduktiv sei. Der Österreichische Forstverein meldete sich ebenfalls über fachlich fundierte Positionspapiere zu Wort.
Im genannten Beitrag kündigte der damaligen Sektionsleiter Gerhard Mannsberger für Ende 2013 eine im paneuropäischen Forstministerprozess inhaltlich akkordierte „Waldkonvention“ an. Diese wurde leider nie verabschiedet. Dies ist insofern bedeutsam, weil die Europäische Kommission dies offensichtlich zum Anlass nahm, um eigene Wege zu gehen und den „Green Deal“ zu entwickeln, der dann 2019 das Licht der Welt erblickte. Zehn Jahre später kann man darüber in Zuschnitt 91 lesen und staunen. Waren vor 25 Jahren lediglich das Forstgesetz, die Naturschutzgesetze und die Umsetzung von Natura 2000 (Zuschnitt 2, 2001) für Waldbesitzer:innen von höchster Relevanz, so ist es heute eine Vielzahl an Gesetzen, die ihren Ursprung in Brüssel haben und mittlerweile als überbordende Bürokratie und Belastung wahrgenommen werden.
Dass der Klimawandel für den Wald und auch die Waldbesitzer:innen durchaus zur Krise werden kann, haben die Jahre ab 2018 gezeigt. Aufgrund anhaltender Dürre hatten die Borkenkäfer leichtes Spiel mit dem Fichtenwald. Vorher waren Schäden durch Borkenkäfer in derartigem Ausmaß nicht vorstellbar: großflächig, bis an die Waldgrenze und rascher fortschreitend, als der Mensch reagieren kann. Eine zentrale Aussage in Zuschnitt 80 von 2021 lautet: „Dass der Wald nicht einfach sich selbst überlassen werden darf, darin sind sich die Fachleute einig.“ Die Zielkonflikte durch zahlreiche Gesetze, zwischen ideologisch verstandenem Klima- und Biodiversitätsschutz und den Fakten des Waldwachstums sind offensichtlich. Diese Thematik ist auf www.waldgeschichten.com fundiert aufgearbeitet.
Der erste Zuschnitt von 2001 war den Baumarten gewidmet. Auch hier hat sich manches verändert, vieles verbessert. Die Zirbe ist aus den „Wohlfühlressorts“ nicht mehr wegzudenken. Die Eiche erlebt seit geraumer Zeit eine Hochblüte, weil dunkle Holzarten in der Innenarchitektur gefragt sind. Mehrmals wurde eine Lanze für die Tanne gebrochen, etwa von Josef Spörk in Zuschnitt 6 von 2002. Wenn auch von den meisten Käufer:innen stiefmütterlich behandelt, versuchen sie Waldbesitzer:innen verstärkt zu verjüngen, weil sie als eine der Hoffnungsbaumarten im Klimawandel gilt. Für die österreichische Familienforstwirtschaft ist die Produktion und Bereitstellung des erneuerbaren Rohstoffs Holz die bedeutendste Einkommensquelle geblieben. Es haben sich aber eindeutig auch zusätzliche Standbeine für einzelne Forstbetriebe herauskristallisiert, die vor 25 Jahren höchstens in den Kinderschuhen steckten: Als Energiewirt:innen betreuen sie etwa Windräder, Nahwärmeanlagen oder PV-Anlagen.
Die Diskussion zur Entlohnung von Klimaschutzdienstleistungen über „Kohlenstoff-Zertifikate“ halten nach wie vor an, werden aber kontrovers gesehen. Vertraglich fixierte Trails für Mountainbiker:innen haben hingegen geboomt, wodurch auch die Forderung nach einer generellen Öffnung der Forststraßen und Waldwege abgewendet werden konnte. Die damals neue, bequeme Form der energetischen Nutzung von Holz mit Pellets, besprochen in Zuschnitt 11 von 2003, ist für viele Sägewerke ein wichtiges Standbein und als Teil der Energiewende heute voll etabliert. Vieles hat Bestand und wurde weiterentwickelt, wie die PEFC-Zertifizierung, der Staatspreis für beispielhafte Waldwirtschaft und das Naturwaldreservate-Programm. Völlig neue Aspekte wie der Kampf gegen invasive Neophyten wurden mittlerweile ebenfalls zur „Normalität“. Und auch so manch Kurioses und Famoses wird uns weiter begleiten. Dazu zählen die Schnüffelhunde des BFW, um den Asiatischen Laubholzbockkäfer aufzuspüren, und natürlich das in Zuschnitt 56 von 2015 beschriebene Klangholz, das für feinen Instrumentenklang gewonnen wird, womit sich der Kreis zur wirtschaftlichen Bedeutung von Holz wieder schließt.
