Wir feiern 25 Jahre Zuschnitt und die 100ste Ausgabe dieses exzellenten Printmediums von proHolz Austria! 2001 erschienen die ersten Hefte wie glückverheißende, zukunftsträchtig leuchtende Kometen am dunklen Nachthimmel der regionalen und überregionalen Fachmagazine. Dergleichen gab es in dem Genre weder vorher noch parallel seither: eine Zeitschrift frei von den üblichen, dominant-bunt-aufdringlichen Werbeflächen von Produzent:innen oder institutionellen Organschaften, konzentriert allein auf fachlich wie auch medien-gestalterisch bestmögliche Information, redigiert von ausgewiesenen, unabhängigen Expert:innen, thematisch gelenkt von in Theorie und Praxis, Forschung und Marktgeschehen bestens orientierten Beiräten, im Farbklang von Weiß-Schwarz-Rot von der Typografie bis zu vielfältig erst neu entwickelten Diagrammen und Detailschnitten und bis zur strikt schwarz-weiß-sachlichen Fotografie ein Muster an konziser, anregender Aufbereitung der Sachverhalte, von Beginn an auch international auf Best-Practice-Beispiele ausgerichtet, aber auch die ganze Breite und Tiefe des Werkstoffs, des Naturmaterials erfassend, kritisch aufklärend darstellend, von der Waldwirtschaft bis zum Druckpapier, von riesigen Brettsperrholztragwerken bis zum feinziselierten Möbel, vom Normendschungel und Gewährleistungsverhau bis zum kulturellen Überbau, zum gesellschaftspolitischen und künstlerischen Metadiskurs.
All das verdankte sich um 2000 einer sehr speziell trächtigen Konstellation: der österreichweit aufgestellten und überregional vernetzten Trägerschaft proHolz Austria, ihrem maßgeblichen Mentor Anton Kaufmann als Chef eines damals so innovativ vorpreschenden, einschlägigen Großbetriebs in einem Bundesland, das sich in den Jahrzehnten davor zum Architekturwunderland und Holzbaumekka gemausert hatte, weiters mit einem Geschäftsführer Georg Binder, der jungforsch einmalige Umtriebigkeit verband mit glaubhaftem Faible für die Gegenwart und Zukunft einer Holzwirtschaftsbaukultur, und einem Redaktionsteam, das klug und pointiert die regionalen Zentren der Fachszenen – Vorarlberg und Steiermark – integrierte und repräsentierte, und last but not least vom Konzept bis ins Detail grafisch geprägt vom Büro Reinhard Gassner, selbst authentisch aus einer Pionierleistung gemeinschaftlichen Lebens-und-Werkens-Habitats in moderner Holzbaukunst hervorgegangen.
Rückblickend zeigt sich, dass die ersten 15 Jahre Zuschnitt im Gleichschritt ähnlich produktiv und optimistisch verliefen wie die lokalen und internationalen Initiativen der Umweltbewegung. 2015 brachte die Klimakonferenz in Paris die weltweite Übereinkunft zur radikalen Wende: von der bis dahin kurzsichtig ausbeuterischen Wirtschaftsmaxime zum nachhaltigen, sozial gerechten und naturpflegenden Umbau der Lebensweise. Dieser Höhepunkt – schon damals von kritischen Insidern als sehr fragil eingestuft, weil es in Paris eigentlich martialisch abgeschottet von rundum virulenten Basisbewegungen zuging – trug einige Zeit weiter, was sich auch im großartigen Erfolgslauf der Zuschnitt-Agenden rund um Ausgabe 60 offenbarte. Seither ist aber im letztlich entscheidenden, großen Rahmenwerk der Weltwirtschaft und Weltpolitik Stagnation eingetreten. Es kam die Pandemie, es kamen die verheerenden Pyrrhussiege der Wirtschaftsmächte China und Indien, es eskalierten nicht mehr für möglich gehaltene Offensivkriege in Europa, Afrika, Asien, es kommen die absurde Rückkehr der Atomkraftwerke, die militante Aufrüstung überall, der politische Rechtsruck in die Illiberalität, rasanter Abbau aller redaktionell verantwortlichen, nachvollziehbaren Informationskanäle.
Die kluge Nutzung des nachwachsenden Naturstoffs Holz hat genuin – und entscheidend – in sich das Moment der Solidarität, der kommunikativ interdependenten Balance und Dynamik auf allen Ebenen. Die sogenannten sozialen Medien und die forcierte Digitalisierung treiben die Entwicklung aber ins Gegenteil – in die Entsolidarisierung, in die Auslagerung aller Folgen, allen verantwortlichen Handelns in – kurzfristig – nicht mehr nachvollziehbare Automatismen, in die Peripherien externer, rapide verschärfter, sozialer Gefälle „anderswo“. Wie kann das weitergehen? Warum war es z. B. möglich, in der Wiener Seestadt ein Holzhochhaus spektakulär zu bauen, aber überhaupt nicht möglich, zumindest 50 Prozent aller Neubauten dort mit Holzwerkstoffen und hybriden Holzstrukturen zu schaffen? Um und nach 2000 schien es, als könnte man das Rad der Geschichte in die humanere, gesamtheitlich intelligente und naturverträgliche Richtung lenken. Seit 2019 dreht sich das Rad grausam zurück, die großen, mutigen Aktivitäten der nächsten, jungen Generation flackerten begeisternd auf und verebbten wieder und jene, die im Ernst der Lage als Notwehr zu Aktionen zivilen Ungehorsams griffen, wurden medial populistisch vernichtet und dann gerichtlich verfolgt, bestraft.
Der Zuschnitt und proHolz Austria haben zwei Jahrzehnte lang Bestmögliches geleistet, großartige Erfolge und Momente gesetzt, weit über das Metier der bloßen Fachzeitschrift hinaus. In den Wogen der jetzt sichtlich alles verschlingenden, mehr denn je kapitalistisch gepolten Polit- und Wirtschaftswelt wirkt das feine Papierschiffchen Zuschnitt wie ein unbeirrt dahintreibendes Eiland der Hoffnung: Es ist immer noch unterwegs, es geht nicht unter, es wird hoffentlich überleben – als Flaschenpost zu entdecken dann vielleicht in einer Zukunft, die wir uns gar nicht richtig ausmalen wollen, vorstellen können.
