Auch wenn der Holzbauanteil im Segment Gebäude ≥ 2 Whg mit aktuell 4,4 Prozent einen eher unbedeutenden Eindruck macht, liegt in diesem Bereich ein enormes Zukunftspotenzial. In diesem Sektor gibt es das größte Volumen auf dem Markt, der bisherige Spitzenreiter – Gebäude mit einer Wohnung – verliert seit Jahren an Gesamtvolumen. Die Entwicklung des großvolumigen Holzwohnbaus ist schwierig, weil es de facto für jedes Einzelgebäude einen individuellen Mix an einzuhaltenden Rahmenbedingungen gibt. Ein Gebäude mit drei Geschossen muss, was den Brandschutz betrifft, völlig anders gebaut werden als ein Gebäude mit sieben Geschossen. In wenigen Bundesländern gibt es Anreize im Fördersystem – allerdings betreffen diese nur eine geringfügige Erhöhung des zulässigen Kostenrahmens, verknüpft mit in jedem dieser Bundesländer unterschiedlichen Kriterien.
Der Holzbau hat in den letzten Jahrzehnten in den Sektoren Gebäude mit einer Wohnung und Landwirtschaftliche Nutzbauten gezeigt, dass wirtschaftlich gleichwertige Lösungen wie im mineralischen Massivbau möglich sind, wenn ein gewisses Maß an Standardisierung der Bauteile ermöglicht wird. Ziele für den österreichischen Holzbau sollten ein individueller Gestaltungsrahmen, eine gute Architektur und ein fairer Vergleich sein – so könnte sofort das Potenzial ausgeschöpft werden, nachwachsende, heimische Rohstoffe zu nutzen, vorhandenes Know-how des Sektors einzusetzen und die CO2-Emissionen des Bausektors deutlich zu reduzieren. Eine Vereinfachung der Brandschutzvorschriften, beispielsweise eine österreichweit einheitliche Regelung des Feuerwiderstandes für Gebäude bis 6 oberirdische Geschosse mit 60 Minuten und ein Wegfall der Zusatzeinschränkung A2 bei Gebäuden mit einem Fluchtniveau ≤ 22 m würde ein Schritt sein, der reduziert, mehr Standardisierung ermöglicht und damit wirtschaftlichere Lösungen fördert.
Statement Holzbaufachberater:innen
Niederösterreich, Oberösterreich
Diese zwei Bundesländer bilden gemeinsam den größten Markt im Gebäudesektor. Ein hoher Anteil an Einfamilienhäusern und ein im Osten von Österreich niedrigeres Kostenniveau im mineralischen Massivbau führt zu einem niedrigeren Anteil im Sektor Geschosswohnbau. Die vielen Zuständigkeiten bei den Genehmigungen (jede Gemeinde hat eigene Prioritäten) macht eine Standardisierung von effizienten Lösungen schwierig. Der Kostendruck ist hoch, Erleichterungen im Brandschutz gibt es nicht.
Valentin Fischer, Fachberatung Holzbau Niederösterreich; Lisa Thaler, Fachberatung Holzbau
Oberösterreich Steiermark
Bereits 2004 entstanden in der Steiermark frühe Marktimpulse bei Bauträgern, Holzbaubetrieben und im Planungsbereich. Die schwierige Finanzierungslage und der vorübergehende Stopp des geförderten Wohnbaus reduzieren aktuell den gesamten Wohnungsgeschossbau. Zum Holzbau passende Projektgrößen (drei bis sechs Geschosse) und Erleichterungen beim Brandschutz würden eine einfache Steigerung des Holzbauanteils in diesem Sektor ermöglichen. Herausforderungen bleiben der Kostendruck und aktuell fehlende Förderanreize.
Thomas Puster, Fachberatung Holzbau Steiermark
Salzburg, Tirol, Vorarlberg
Der Westen Österreichs bietet grundsätzlich gute Voraussetzungen für den großvolumigen Holzwohnbau. Es gibt eine hohe Holzbaukompetenz für verdichtete Bauweise. Zusätzlich gibt es Erleichterungen bei den Brandschutzanforderungen. Der Preisunterschied zwischen mineralischem Massivbau und Holzbauweise ist geringer als im Osten von Österreich. Dennoch machen der Kostendruck sowie fehlende Förderanreize die Umsetzung von Holzbauprojekten aktuell schwierig.
Thomas Berger, Fachberatung Holzbau Salzburg, Philipp Zingerle, Fachberatung Holzbau Tirol
Wien
In Wien wird bei Weitem der höchste Anteil an Mehrfamilienhäusern errichtet, es gibt aber kaum Gebäude in der Kategorie ≤ sechs oberirdische Geschosse. Damit kommen die strengen Brandschutzanforderungen REI 90 und A2 zur Anwendung, die einen enormen technischen Aufwand beim Holzbau erfordern. Gleichzeitig ist das Kostenniveau für den mineralischen Massivbau im Vergleich zu Restösterreich relativ niedrig, was die Wirtschaftlichkeit des Holzbaus schwächt. Zugleich gibt es mit dem Wiener WohnBAUMProgramm ein konkretes Wettbewerbsmodell, bei dem an wenigen ausgewählten Standorten Holzbauprojekte platziert und gefördert werden.
Bernd Höfferl, Fachberatung Holzbau Wien und Burgenland
Österreichweite proHolz Bauberatung
Die proHolz Bauberatung gibt es in ganz Österreich. Qualifizierte Holzbaufachberater:innen stehen Bauherr:innen, Planer:innen und Behörden in allen Bundesländern für Fragen rund um den mehrgeschossigen und großvolumigen Holzbau zur Verfügung. Die Beratungen sind kostenfrei und firmenneutral und sollen den Einstieg in den großvolumigen Holzbau erleichtern. Es können dabei Basisinformationen vermittelt oder auch konkrete Bauvorhaben besprochen werden. Das Netzwerk proHolz Bauberatung wird von proHolz Austria in Zusammenarbeit mit den proHolz Organisationen in den Bundesländern umgesetzt und durch Mittel des österreichischen Waldfonds gefördert.
