Der Österreichische Staatspreis Holzbau wurde vom Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Regionen und Wasserwirtschaft (BMLUK) gemeinsam mit proHolz Austria ins Leben gerufen. Wir haben bei Bundesminister Norbert Totschnig nachgefragt, welche Impulse zu diesem Staatspreis geführt haben und welche Entwicklungen er sich für die kommenden Jahre für das Bauen mit Holz wünscht.
Mit dem Staatspreis Holzbau wurde ein wichtiges Zeichen für die Bedeutung und Qualität des Holzbaus gesetzt. Warum hat das BMLUK den Staatspreis Holzbau ins Leben gerufen?
Österreich verfügt über eine lange Holzbautradition, innovative Betriebe und international anerkanntes Know-how. Mit dem Staatspreis Holzbau wollen wir diese Qualität sichtbar machen und zeigen, was mit dem Baustoff Holz möglich ist. Gleichzeitig soll die Auszeichnung motivieren, Holz bei öffentlichen, gewerblichen und privaten Bauvorhaben noch stärker mitzudenken. Denn Holz ist ein regional verfügbarer, nachwachsender Rohstoff, speichert Kohlenstoff und stärkt Wertschöpfung und Arbeitsplätze in unseren Regionen.
Österreich gilt als Holzland. Schöpfen wir dieses Potenzial tatsächlich aus?
Österreich hat hervorragende Voraussetzungen. Fast die Hälfte Österreichs ist bewaldet, unsere Forst- und Holzwirtschaft ist leistungsfähig und unsere Unternehmen verfügen über großes technologisches Wissen. Bauen mit Holz schützt das Klima und schafft durch die Bindung von CO2 gewissermaßen einen zweiten Wald. Dieses Potenzial nutzen wir aber noch nicht vollständig. 2024 lag der Holzbauanteil bei Neubauten bei rund 11,6 Prozent. Besonders im öffentlichen und mehrgeschossigen Wohnbau gibt es da noch großes Potenzial. Deshalb forcieren wir die hochwertige und langfristige Verwendung unseres heimischen Rohstoffs.
Wo steht Österreich im internationalen Vergleich beim Holzbau?
Österreich zählt bei der Entwicklung und Produktion moderner Holzbausysteme international zu den führenden Ländern. Gerade bei Brettsperrholz und vorgefertigten Bauteilen haben österreichische Unternehmen wichtige Entwicklungen mitgeprägt und sind erfolgreich auf internationalen Märkten tätig. Bei den tatsächlichen Holzbauanteilen liegen nordische Länder wie Schweden oder Finnland teilweise vor uns. Unser Ziel muss daher sein, unser technologisches Know-how künftig im eigenen Land noch stärker in Bauprojekte umzusetzen.
Was braucht es, damit in Österreich künftig mehr mit Holz gebaut wird? Wie kann und will die Politik das fördern?
Entscheidend sind passende Rahmenbedingungen. Mit dem 3-Punkte-Plan zur Stärkung des Holzbaus in Österreich setzen wir gezielt dort an, wo derzeit noch Hürden bestehen. Dazu müssen wir Maßnahmen zur Stärkung der politischen, normativ-rechtlichen, ökologischen, finanziellen und strukturellen Rahmenbedingungen der Holzverwendung setzen. Im Zuge der Österreichischen Holzinitiative als Teil des Waldfonds werden Projekte zur effizienten Nutzung von Holz in den Bereichen Governance, Innovation, Holzbau, Bildung und Kommunikation durchgeführt.
Der Staatspreis wird über den Waldfonds finanziert, der auch die vier Stiftungsprofessuren an der TU Wien, Uni Innsbruck, BOKU und TU Graz trägt sowie die kostenlose, firmenneutrale proHolz-Bauberatung. Warum setzt das Ministerium so stark auf Wissenstransfer rund ums Bauen mit Holz?
Die Aus- und Weiterbildung entlang der holzbasierten Wertschöpfungskette ist der Schlüssel zur Sicherung der Fachkräfte und Kompetenzen von morgen. Daher ist die qualitative und quantitative Weiterentwicklung des Bildungsangebots essenziell. Mit der Etablierung von thematisch fokussierten Stiftungsprofessuren zu den Themen Holzbauplanung, Holzbauarchitektur und nachhaltiges Bauen mit Holz soll für den Innovationsstandort Österreich der wichtige Bereich des Holzbaus und der Holzbauforschung gestärkt werden. Auch zielgruppenorientierte Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit soll ein breites Verständnis und Interesse für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung sowie die Vorteile des Einsatzes von Holz im Sinne des Klimaschutzes wecken.
Wo steht der heimische Holzbau in zehn Jahren, wenn es nach Ihnen geht?
Holz soll künftig überall dort selbstverständlich mitgedacht werden, wo sein Einsatz technisch, ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll ist, im Wohnbau ebenso wie bei Schulen, Verwaltungsgebäuden oder Betriebsbauten. Gleichzeitig wollen wir Österreich als Standort für innovative Holzbaulösungen weiter stärken und die Kreislauffähigkeit von Gebäuden von Beginn an mitdenken. Damit verbinden wir Klimaschutz, Ressourceneffizienz und regionale Wertschöpfung.
Im mehrgeschossigen Wohnbau liegt besonderes Potenzial, CO2 einzusparen, dort ist die Holzbauweise allerdings wenig vorhanden. Gibt es Überlegungen, darauf zu reagieren?
Wir sehen einen wirkungsvollen Hebel in der Wohnbauförderung. Genau hier haben wir mit dem CO2-Bonus der Österreichischen Holzinitiative bereits gezielt angesetzt. Gefördert wurden großvolumige Wohnbauten sowie öffentliche Gebäude und Infrastrukturbauten in Holzbauweise. Besonders wichtig war uns dabei auch, erfolgreiche Projekte sichtbar zu machen und anhand konkreter Leuchtturmprojekte zu zeigen, dass moderner Holzbau auch im großen Maßstab funktioniert. Diese Beispiele schaffen Vertrauen bei Bauherrschaften, Gemeinden und Planenden und zeigen, welches Potenzial Holz gerade im mehrgeschossigen Bau bietet.
