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Klangbilder

Eine Höranleitung

Reinhard Gassner
Erschienen in
Zuschnitt 56: Holz hören
Dezember 2014, Seite 3

Das Bild hält den Augenblick fest. Klang aber braucht Zeit, das Hören dringt tiefer. »Dass wir eine Folge von Tönen als Melodie hören können, ist nur deshalb möglich, weil wir im Wahrnehmen dieser Melodie Zeit überwinden«, sagte der Klangforscher und Jazzmusiker Joachim-Ernst Berendt.

Als wir die Aufgabe bekamen, den Klang von Holz sichtbar zu machen, haben wir uns zuerst auf Bildersuche gemacht. Wir suchten Bilder, die uns an bestimmte Klänge denken lassen und vice versa. Mit einem portablen Wave-Recorder machten wir in einem Aufnahmewinkel von 90 Grad Aufnahmen, bei denen wir Holz hören können: von Mikadostäben, die auf eine Tischplatte fallen, von einer knarrenden Holztreppe und vielen anderen Szenen. Wir übertrugen die jeweilige Monospur über Grafikprogramme in Soundgrafiken. Diese Grafik visualisiert auf der horizontalen Zeitachse Abstand und Ausschlag von bestimmten Schallwellen. Schall beruht auf Luftdruckschwankungen, die mechanisch ausgelöst werden und die sich wie Schockwellen als Vibrationen durch die Luft übertragen. Die Klangabbildungen auf den folgenden Seiten stellen Oszillogramme dar, heute oft als »Waveform Display« bezeichnet. Es handelt sich dabei um eine grafische Repräsentation des Schalls.

Aus der Darstellung lässt sich etwas über die Reinheit eines Klangs und über die Wiederholung von gewissen Klangelementen erfahren. Je mehr die Kurve einem Sinus gleicht, desto reiner ist der Klang. Weiters erkennt man anhand der Amplituden Lautstärkenänderungen, das An- bzw. Abklingen, die Dichte oder die Begrenztheit eines Klangs.

Die "Klangbilder" gibt es auch online zum Anhören, einfach klick aufs Bild!

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Mit einem Schnitzelklopfer aus Ahornholz wird ein Stück Schweinefleisch flachgeklopft. Zu hören ist eine Kombination aus Klatsch- und Klopfgeräuschen mit einer dumpfen Resonanz im Hartholzbrett.

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Gehen mit Ledersohlen auf federnd gelagertem Eschenboden, fest und voll klingen die Tritte mit einem kurzem, weichen Nachhall beim Abrollen.

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sitzt auf einer Buche. Sein Klopfen erzeugt eine rasch dahinperlende, dunkel ausklingende Tonfolge.

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klopft auf einen Birkenstamm: ein schnarrender hell klingender Trommelwirbel mit 
ca. dreißig Schlägen.

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Kaminfeuer im Ofen mit offener Tür: Die brennenden Holzscheite machen leise und helle knackende, teils auch knallende Geräusche.

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Das Geschicklichkeitsspiel startet mit dem Wurf der dünnen Holzstäbchen. Zu hören 
sind das Aufsetzen des Bündels und das knisternde, zitternde Fallen und Sich-Ausbreiten der 41 Stäbe.

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Mit einem Birkenast am Lattenzaun entlangstreichen, es rattern die Töne kurz, hart und trocken dahin.

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Per Hand wird ein Balken aus Weißtanne durchsägt. Rhythmisches, raues und durchdringendes Kratzen der Metallzähne im Holz wechselt sich mit dem schleifenden Geräusch ab, mit dem sich die Säge wieder zurückzieht.

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Eine alte Treppe aus Tannenholz, bei Belastung reibt sich Holz an Holz. Die Stufen ächzen, raunzen und quietschen, überlagert vom warmen Klang 
der Schuhsohlen auf den Stufen.

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Der brechende Zweig gibt eine Reihe von kurzen, hellen Lauten von sich.

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Das holpernde Rollen der unrunden Hartholzkugel, das Auftreffen und Umfallen der Holzkegel ist wie ein mehrschichtiges, quirliges Klangspiel 
in unterschiedlichen Tonlagen. Getroffen wurden alle neune.

Text

Reinhard Gassner

ist angewandter Gestalter, Inhaber der Atelier Gassner KG in Schlins, Vorarl­berg. Er ist für die grafische Gestaltung des Zuschnitt verantwortlich und ist Kommunikationsberater für proHolz Austria.
www.ateliergassner.at