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Brandschutzexperte Österreich

Gespräch mit Frank Peter

Anne Isopp, Frank Peter
Erschienen in
Zuschnitt 77: Brandrede für Holz
März 2020, Seite 14ff.

In Österreich wurden in den letzten Jahren die Brandschutzvorschriften für den Holzbau liberalisiert. Welche Vorbehalte gegenüber dem Holzbau sind dennoch geblieben?

Wir können in Österreich sechs Geschosse in Holz errichten, ohne besondere Anforderungen erfüllen zu müssen. Wir müssen nicht mehr, wie in einigen deutschen Bundesländern nach wie vor gefordert, die Holzkonstruktion kapseln. Mit einer Kapselung will man verhindern, dass sich Holzbauteile durch einen Raumbrand entzünden und in weiterer Folge eine unkontrollierte Brandausbreitung stattfindet. Natürlich kann der Baustoff Holz einen zusätzlichen Beitrag zum Brand leisten und damit die Größe eines Brandereignisses beeinflussen. Die wesentliche Frage ist immer, ob der Brand für die Feuerwehr beherrschbar bleibt oder nicht. Erst ab einem gewissen Stadium in der Brandentwicklung spielt es eine Rolle, dass Holz ein brennbarer Baustoff ist. Ein Raumvollbrand in der Größe von einer Wohnung ist für die Feuerwehr beherrschbar, unabhängig davon, ob das Gebäude aus Holz oder einem anderen Material errichtet wurde.

Wie schaut es in Österreich mit Gebäuden mit mehr als sechs Geschossen in Holzbauweise aus?

Derzeit haben wir eine klare Trennlinie: Erst bei mehr als sechs Geschossen in Holzbauweise brauchen wir ein Brandschutzkonzept, in dem wir begründen, dass wir das gleiche Sicherheitsniveau wie mit mineralischen Baustoffen erreichen. Uns fehlt hier ein Übergangsbereich von sechs Geschossen zu höheren Gebäuden. Man sollte sich von der Genehmigungsseite her überlegen, wie man Holzbauten mit mehr als sechs Geschossen auch ohne besondere Maßnahmen ausführen kann. Das kann eine kleinzellige Bauweise sein oder es kann Kompromisse in Bezug auf die Sichtholzflächen geben. So könnte man auf der Basis einer Risikobetrachtung neue Vorgaben für Gebäude aus Holz über sechs Geschosse festsetzen.

Wollen Sie das Grenzdenken durch Risikodenken ablösen?

Die Risikobetrachtung im Brandschutz ist eine schwierige Materie. Im Gegensatz zu einem Brandereignis ist das Risiko, im Straßenverkehr zu verunglücken, ein akzeptiertes. Ein Brand hingegen ist ein ungewöhnliches Ereignis. Die Angst vor Feuer zählt zu den Urängsten des Menschen und unsere Gesellschaft hat hier ein hohes Sicherheitsbedürfnis. Nehmen wir als Beispiel einen gewöhnlichen Lebensmittelmarkt mit 1.200 m² Fläche, bei dem keine Brandschutzeinrichtung gefordert ist. Wenn das Brandereignis eine entsprechende Größe entwickelt hat, wird es der Feuerwehr nicht mehr gelingen, den Brand zu löschen. Der Lebensmittelmarkt wird vollständig abbrennen, egal ob er aus Holz, Beton oder Stahl errichtet wurde. Dieses Risiko ist in der Bauordnung enthalten und damit gesellschaftlich akzeptiert. Dennoch tun sich die Menschen sehr schwer, einen solchen Verlust, ein solches Schadensereignis zu akzeptieren. Die Schweizer hingegen betrachten das Risiko bei Bränden viel objektiver und lassen auch volkswirtschaftliche Aspekte in ihre Risikobetrachtungen miteinfließen.

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

Frank Peter

ist Brandschutzexperte und Geschäftsführer der Firma brandRat für Brandschutz, Consulting und Engineering.
www.brandrat.at