Inhalt

Seitenware

www.cambio.website – Online-Ausstellung über Holz

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 78: Ausbildung Holzbau
September 2020, Seite 25

Holz ist für die Designer von Formafantasma mehr als nur ein Material von vielen, vor allem im Hinblick auf einen bewussten Umgang mit den Ressourcen dieser Erde. In ihrer Ausstellung »Cambio« für die Serpentine Galleries in London präsentierten sie die Ergebnisse ihrer intensiven Auseinandersetzung mit dem Material Holz. Sie nahmen dabei die Entwicklung der Forst- und Holzwirtschaft genauso unter die Lupe wie die mikroskopische Anatomie von Holz, seine Fähigkeit, Kohlendioxid zu speichern, sowie den Umstand, dass Bäume lebende Organismen sind.

Auch wenn die Ausstellung aufgrund der Corona-Pandemie schon nach wenigen Tagen wieder schließen musste, ist sie weiterhin im Internet zu besichtigen. Es lohnt sich, in die Filme und Gespräche mit den Experten einzutauchen. Wir sprachen mit Formafantasma über die Ausstellung und ihr Interesse für Holz.

Warum haben Sie den Werkstoff Holz zum Ausstellungsthema in einer so renommierten Kunstgalerie gewählt?

Wir haben uns für die Beschäftigung mit dem Werkstoff Holz entschieden, weil er enorme Vorteile in ökologischer Hinsicht bietet. Wir glauben fest an die Notwendigkeit, Design in einem größeren Kontext zu verstehen, von der Rohstoffgewinnung bis hin zur Produktion. Zu lange hat Design sich im Wesentlichen auf eine einzige große Erzählung gestützt: die Idee, dem menschlichen Wohlergehen zu dienen. Wir wollen den Grad an Komplexität, mit dem wir alle arbeiten und leben, besser verstehen und zugleich darüber nachdenken, wie wir das aufkommende Umweltbewusstsein und die wissenschaftlichen Erkenntnisse in bewusste, kollaborative Antworten übersetzen können.

Ich war beeindruckt von der Tiefe Ihrer Forschung. Was hat Sie im Hinblick auf das Material selbst, auf Politik- oder Umweltfragen am meisten überrascht?

Wahrscheinlich die komplexen Verstrickungen all dieser verschiedenen Aspekte. Sie werden oft einzeln analysiert und verstanden, ohne dass man sie zueinander in Beziehung setzt. Um aber über Ökologie nachzudenken, müssen wir zuerst eine neue Ökologie des Wissens entwickeln, die sich mehr auf die Beziehungen all dieser Aspekte und weniger auf singuläre Themen konzentriert.

Holz aus dem Val di Fiemme spielt in Ihrer Ausstellung eine wichtige Rolle. Wofür steht diese Region?

Das Val di Fiemme im Nordosten Italiens ist ein von Wald bedecktes Tal, das von der lokalen Bevölkerung bewirtschaftet wird. Das Interessante an diesem Tal ist, dass die Dorfbewohner seit dem Mittelalter ein politisches Bündnis eingegangen sind. Der gemeinsame Nenner ist der Wald, seine Bewirtschaftung, sein Schutz und sein wirtschaftlicher Gewinn. In diesem Gebiet beeinflusste das Ökosystem des Waldes die Politik so sehr, dass in der Vergangenheit der Verwalter des Sägewerks in einer öffentlichen Abstimmung nominiert und gewählt wurde. Im Jahr 2018 war das Val di Fiemme eines der Gebiete in Italien, das vom Sturm Vaia betroffen war: Dieser durch den Klimawandel verursachte Sturm zerstörte in wenigen Stunden 13 Millionen Bäume.

Ihre Ausstellung in der Serpentine Gallery wurde aufgrund von Corona kurz nach der Eröffnung wieder geschlossen. In weiser Voraussicht hatten Sie ein zusätzliches Online-Archiv Ihres Forschungsmaterials vorbereitet. Wie kam es dazu?

Unser Ziel war es immer, unsere Forschung, die im Zentrum der Ausstellung steht, anderen zugänglich zu machen. Diese virtuelle Zugänglichkeit war also von Anfang an geplant.

Formafantasma

Andrea Trimarchi und Simone Farresin sind ein italienisches Designerduo. Mit ihrem Studio Formafantasma sind sie in Amsterdam beheimatet.
www.cambio.website
www.formafantasma.com

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at