Inhalt

Tragwerksplaner, Tragwerksplanerin

Erschienen in
Zuschnitt 78: Ausbildung Holzbau
September 2020, Seite 16f.

Was macht ein Tragwerksplaner, eine Tragwerksplanerin?

Der Tragwerksplaner ist ein Bauingenieur, der zusammen mit den Architekten das Tragwerk plant und die statischen Berechnungen durchführt. Er entwickelt die konstruktiven Details und weist nach, dass die tragende Struktur über die Lebensdauer des Gebäudes tragfähig bleibt. Neben dem klassischen Beruf des Tragwerksplaners gibt es auch die Spezialisierung zum Holzbauingenieur. Dieser übernimmt neben den klassischen Aufgaben der Tragwerksplanung auch oft die Planung von Bauphysik und Brandschutz oder bringt sich in diese Themen ein.

Tragwerksplaner erzählen:

»Das Reizvolle am Bauen mit Holz ist, dass es ein Naturbaustoff ist. Beim Bauen mit Holz kann der Tragwerksplaner im Vergleich zum Bauen mit anderen Materialien viel mehr konstruieren. Das Bauen mit Holz ist viel detailintensiver als etwa das Bauen mit Beton, wo man einfach den flüssigen Beton in eine Form gießt. Auch der Austausch mit dem Architekten ist beim Bauen mit Holz intensiver, weil der Tragwerksplaner – im Gegensatz zum Bauen mit Stahl oder Beton – nicht nur das reine Tragwerk plant, sondern die ganze Gebäudehülle mitbetreut. Im Holzbau ist die Tragkonstruktion meistens Teil der Gebäudehülle. Darum muss sich der Tragwerksplaner im Holzbau auch mit den Themen der Bauphysik, wie Luftdichtigkeit, Dampfdichtigkeit, Wärmeschutz, Fassade usw. beschäftigen.

Grundsätzlich gibt es zwei Wege, sich auf den Holzbau zu spezialisieren: Man studiert Holzbauingenieurwesen mit Schwerpunkt Konstruktiver Holzbau, wie es z. B. in Biel, in Rosenheim oder in Kuchl (FH Salzburg) angeboten wird. Oder man studiert Bauingenieurwesen und befasst sich dann in der Praxis vertieft mit dem Holzbau. Eine weitere Möglichkeit der Vertiefung für einen Bauingenieur ist ein postgradualer Lehrgang wie überholz.

Für die tägliche Arbeit braucht ein Holzbauingenieur in erster Linie statisches Wissen, das Wissen eines Tragwerksplaners.
Er muss wissen, wie man mit den materialspezifischen Eigenschaften umgeht und welche Tragsysteme es gibt, wie man sie modelliert und berechnet. Holz hat wie Beton und Stahl spezifische Eigenschaften. Je mehr man sich mit einem Material befasst und je mehr man sich spezialisiert, desto anspruchsvollere Aufgaben kann man lösen.

Das Material ist natürlich relativ abstrakt in der Arbeit, es wird wie bei den anderen Materialien durch Kennwerte wie Festigkeiten, Steifigkeiten etc. bestimmt. Im Büro eines Tragwerksplaners, der sich mit Holzbau beschäftigt, sieht es genauso aus wie bei einem Tragwerksplaner, der sich mit Stahlbau beschäftigt. Die Herangehensweisen sind sich ganz ähnlich. Betritt man hingegen eine Stahlbaufirma, ein Betonfertigteilwerk oder ein Holzbauwerk, findet man sich in völlig anderen Welten wieder.«
Konrad Merz, Dornbirn

»Der Holzbau erfordert solide Planung in hochbaulicher und statisch konstruktiver Hinsicht. Für die statischen Nachweise von Tragfähigkeit, Gebrauchstauglichkeit und Feuerwiderstand entwickle ich laufend Berechnungsmodule und bin dabei ständig mit Produktherstellern, Planern und Ausführenden im Gespräch und direktem Kontakt. Dabei gibt es immer spannende Fragen zu lösen, um die technische Umsetzung voranzubringen.«
Markus Wallner-Novak, Graz

»Die Holzbau-Vorlesung bei Prof. Pischl an der TU Graz hat mich für den Holzbau begeistert. Hauptentscheidend war für mich jedoch nach wie vor das Material selbst, das viel Wärme ausstrahlt, überaus leistungsfähig ist und sich im Vergleich zu anderen Baustoffen relativ einfach bearbeiten lässt.«
Josef Koppelhuber, Rottenmann

»Du musst das Material verstehen – seine Stärken und Schwächen richtig einsetzen – dann kannst du mit Holz die unglaublichsten Dinge realisieren.«
Anton Oster, Wien

»Als Tragwerksplaner steht man vor der Herausforderung, mit den unterschiedlichsten Baumaterialien zu konstruieren und ökonomische Lösungen zu finden. Jedes Material – Beton, Stahl, Holz, Glas – hat Stärken und Schwächen, die man nützen bzw. vermeiden sollte. Holz, der natürliche, anisotrope, inhomogene Baustoff, stellt eine besondere Herausforderung dar und hat durch seine Natur eine Sonderstellung.«
Wilhelm F. Luggin, Wien, Groß St. Florian

»Das Besondere am Holzbau ist die nachhaltige Produktionsweise, der exakte Fertigungsprozess, geschultes und handwerklich gut ausgebildetes Personal, der Geruch.«
Klaus Petraschka, Wien

»Es macht Freude, mit einem lebenden Werkstoff zu arbeiten.«
Samuel Blumer, Graz

»Mein Vater Josef Lackner hat schon früh sehr schöne Holzbauten realisiert, das hat sich scheinbar in mein Unterbewusstsein geschlichen.

Wir Tragwerksplaner sind meistens Problemlöser und leider seltener Entwerfer. Wir suchen in vorgegeben Entwürfen nach einer verborgenen Ordnung und versuchen dabei, den Baustoff Holz aus Sympathie für das Material und aus Verantwortung für Mutter Erde zu fördern.«
Markus Lackner, Villach