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Editorial

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 79: Holztreppen
Dezember 2020, Seite 3

Auf die Frage, warum in seinen Filmen so oft Szenen auf Treppen vorkommen, antwortete Alfred Hitchcock lakonisch: »Ich denke, Treppen sind dazu gemacht, um auf- und abzugehen. Deshalb sind sie sehr fotogen.« Er verwies auf seine »berühmteste Treppe« im Stummfilm »Der Mieter« über Jack the Ripper von 1927: »Von oben sah man nur den durchgehenden Handlauf und eine weiße Hand, die hinunterglitt.« Und ergänzte: »Natürlich würden wir heute noch zusätzlich mit dem Knarren der Treppe arbeiten.« Ein Ton zum Film war damals noch nicht möglich. Aber auch heute würde der Ton fehlen – zumindest bei einer modernen Treppe. Denn heute dürfen Treppen nicht mehr knarren. Heutige Fertigungsmethoden und Maschinen erlauben eine millimetergenaue Fertigung, die jedes Geräusch verhindert. Wie in vielen anderen Bereichen des Holzbaus ist auch im Treppenbau durch die modernen Holzwerkstoffe eine Vielfalt an neuen Konstruktions- und Gestaltungsmöglichkeiten entstanden. Zu Brett und Stab, aus denen früher alle Treppen konstruiert wurden, kommen nun plattenförmige und selbsttragende Holzwerkstoffe hinzu.

Dennoch findet man – anders als im Wohnbereich, wo Holztreppen gang und gäbe sind – in öffentlichen Gebäuden wie Büro- oder Schulbauten mehr holzverkleidete als reine Holztreppen. Das hat sich auch bei den Projekten gezeigt, die wir für diesen Zuschnitt ausgewählt haben. Es ist dann doch bei dem einen oder anderen Projekt eine Kombination aus Holz und Stahl geworden, weil es die wirtschaftlichste Lösung war oder auch weil der Bauausführer mangels Fachwissen die Variante in Holz für nicht machbar hielt. Was wirklich im Holzbau möglich ist, haben die Architekten Helen & Hard in Stavanger gezeigt. Eine solche imposante Treppenanlage rein in Holz auszuführen, war nur dank der eingangs schon erwähnten modernen Holzwerkstoffe und der präzisen Fertigung mit CNC-Maschinen möglich.

In eigener Sache

Dieser Zuschnitt ist mein letzter in meiner Funktion als Chefredakteurin. 45 Nummern und fast zwölf Jahre lang habe ich diese Zeitschrift mit großer Begeisterung geleitet. Die stete Beschäftigung mit einer faszinierenden Materialwelt, einer nachhaltigen Denkweise und guter Architektur war für mich eine Bereicherung und Freude zugleich. Nun ist es an der Zeit, mich neuen Themenfeldern und neuen Medienformaten zu widmen. Dem Material Holz und dem Holzbau werde ich dabei stets verbunden bleiben. Ab der kommenden Ausgabe wird meine Kollegin Christina Simmel die Chefredaktion übernehmen. Da der Zuschnitt immer in enger Zusammenarbeit vieler Beteiligter entsteht, möchte ich mich bei allen herzlich bedanken: beim Herausgeber proHolz Austria, dem Atelier Gassner, meinen Assistentinnen, der Lektorin, dem Editorialboard und allen Expertinnen und Experten, die mir all die Jahre zur Seite standen und wesentlich zum Gelingen beigetragen haben. Ich wünsche allen, insbesondere meiner Nachfolgerin, viele weitere erfolgreiche Zuschnitt-Jahre.

Christina Simmel

geboren 1980 in Eisenstadt, Studium der Architektur in Wien, freie Projektarbeit und Mitarbeit in verschiedenen Architekturbüros und Lehre an der TU Wien. Konzeption und Gestaltung von Publikationen und Ausstellungen, redaktionelle Mitarbeit am Zuschnitt seit 2014.

proHolz Student Trophy

Diesem Zuschnitt liegt die Dokumentation des Studentenwettbewerbs Light up! Aufstockungen mit Holz bei. Mit einer großen Resonanz (127 Teams aus sieben Ländern) und qualitativ hochwertigen Resultaten ist der von proHolz ausgelobte Wettbewerb zu Ende gegangen. Die nächste proHolz Student Trophy findet 2022 statt. Die Ausschreibung beginnt im Frühjahr 2021.
www.proholz-student-trophy.at

Text

Anne Isopp

ist freie Architekturjournalistin. Sie studierte Architektur an der TU Graz und TU Delft und Qualitätsjournalismus an der Donau Universität Krems. Sie war von 2009 bis 2020 Chefredakteurin der Zeitschrift Zuschnitt.