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Wald – Holz – Klima
Freizeit und Erholung im Wald

erschienen in
Zuschnitt 85 Pause, Auszeit, Holz, März 2022

Die Forst- und Holzwirtschaft ist einer der größten Arbeitgeber in Österreich – 300.000 Menschen leben hierzulande von Wald und Holz. Die Nutzwirkung, im Österreichischen Forstgesetz als wirtschaftlich nachhaltige Hervorbringung des Rohstoffs Holz definiert, wird gemeinhin als wichtigste Funktion des Waldes ausgewiesen. Zugleich ist der Wald der beliebteste Erholungsraum der öster­reichischen Bevölkerung.

Der Wald ist eine Multitalent. Er gilt als Klimaschützer, ist Lebensraum unzähliger Tiere und Pflanzen, bietet Schutz vor elemen­taren Naturgefahren, liefert den Rohstoff Holz. Eine landesweite Umfrage der Österreichischen Bundesforste (ÖBf) zeigt: Die Menschen in Österreich sind sich der vielfältigen Wirkungen und Nutzungsmöglichkeiten des Waldes bewusst. Mehr als 80 Prozent sehen die klimatischen Veränderungen auf der Erde als wichtigste Herausforderung der nächsten Jahrzehnte und schreiben den Wäldern in Zukunft eine wachsende Bedeutung zu. Ebenso viele haben erkannt, dass ein nachhaltig und naturnah bewirtschafteter Wald eine bessere CO2-Leistung erbringen kann als einer, der nur sich selbst überlassen ist, und stimmen daher einer fachgerechten Pflege und forstlichen Bewirtschaftung zu.

Im Alltag der Menschen tritt der Wald – neben seiner wirtschaftlichen Funktion und als CO2-Speicher – vor allem als Erholungs- und Freizeitraum in Erscheinung. Weit mehr als zwei Drittel der Bevölkerung Österreichs gehen regelmäßig und vor allem aus ­privaten Gründen in den Wald: zur Entspannung, Erholung oder sportlichen Betätigung.

Wohin am Wochenende oder Feierabend? In den Wald!

Die Studie der ÖBf, durchgeführt im Jahr 2021 in Zusammenarbeit mit dem SORA-Institut, zeigt die Vielfalt der Motive, um mit dem Wald in seiner freien Zeit zu interagieren. Als Kraftplatz und Ort der Ruhe gilt der Wald für durchschnittlich 72 Prozent der in ­Österreich lebenden Menschen. Mehr als 60 Prozent nützen ihn zur Bewegung in der Natur oder genießen einfach nur die Landschaft. Jede:r Vierte gab an, sich mehrmals pro Woche im Wald aufzuhalten, jede:r Dritte mehrmals pro Monat.

Nach den persönlichen Gewohnheiten gefragt, zeigt sich ein differenzierteres Bild. Am liebsten gehen 89 Prozent der Befragten im Wald spazieren oder wandern; jede:r Zweite will sich erholen und die Stille genießen (53 Prozent). Jede:r Dritte hat die Kuli­narik im Fokus: 33 Prozent sammeln Pilze oder Beeren. Gleichauf mit einem Drittel als Motiv für einen Waldbesuch kann das Beobachten bzw. Fotografieren von Tieren und Pflanzen mithalten. An die 30 Prozent sehen den Wald als Ort, um Zeit mit der Familie zu verbringen. Dahinter folgen sportliche Aktivitäten: Knapp 20 Prozent der ­Befragten gehen zum Laufen, Joggen und Trainieren in den Wald, 13 Prozent zum Mountainbiken oder Fahrradfahren. Zum Skitourengehen oder Wandern mit Schneeschuhen begeben sich 8 Prozent in den Wald und 2 Prozent gehen im Wald reiten oder jagen.

Durch die Studie wird ersichtlich, dass der Wald für viele Menschen die Verbindung zur Natur darstellt – er gilt gemeinhin auch als selbstverständlicher Teil der Landschaft und wird mit freier Natur gleichgesetzt. Dabei sind die österreichischen Wälder keineswegs Gemeingut, denn mehr als 81 Prozent befinden sich in Privatbesitz. Nur 19 Prozent sind im Eigentum der öffentlichen Hand. Den Wald zu Erholungszwecken betreten zu können, war lange keine Selbstverständlichkeit. Die Öffnung der „Destination Wald“ wurde offiziell erst mit der Änderung des Forstgesetzes 1975 möglich. Heute dürfen ihn grundsätzlich alle Menschen zu Erholungszwecken betreten und sich dort aufhalten.

Worauf werden Sie in Zukunft im Wald ganz besonders achten?

Stimmen Sie zu, dass Wälder eine fachgerechte Pflege und forstliche Bewirtschaftung benötigen?

Was machen Sie üblicherweise im Wald?

Was ist im Wald erlaubt?

Wandern, Spielen, das Genießen von Landschaft und Natur ist für alle erlaubt – davon ausgenommen sind beispielsweise Wieder­bewaldungsflächen oder gesperrte Waldflächen. Neben dieser im Forstgesetz verankerten Regelung zum Betreten des Waldes gibt es für sportliche Aktivitäten wie beispielsweise das Mountainbiken ein eigenes Regelwerk.

Die Vorteile gewisser „Spielregeln“ erkennen auch die meisten Waldbesucher:innen an und stimmen deren Sinnhaftigkeit zu 78 Prozent zu. Oberste Verhaltensregel ist das ruhige, dem Natur­raum angepasste Verhalten. Jede geräuschvolle Aktivität, noch dazu in den Abendstunden, stört den Lebensraum und somit das Verhalten der Tiere. Hunde sind stets an der Leine zu führen. Abfälle dürfen nicht im Wald weggeworfen werden. Pilze, Beeren und andere Früchte des Waldes sind grundsätzlich Eigentum der Waldbesitzer:innen, bis zu zwei Kilo pro Person dürfen jedoch mitgenommen werden.

Das Radfahren und Mountainbiken im Wald ist nur auf eigens dafür ausgewiesenen Strecken bzw. mit Erlaubnis der Eigentümerin oder des Eigentümers erlaubt. Dazu gibt es die sogenannten „Fair-Play-Regeln“, erstellt vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus in Zusammenarbeit mit den Land- und Forstwirtschaftsbetrieben Österreichs und den ÖBf. Informationen zu Mountainbikenetzen und -routen sind zudem bundesländerweise verfügbar.

Wenn sich im Wald mehr Menschen aufhalten, vor allem solche mit unterschiedlichen Interessen, birgt das Konfliktstoff, doch es bedeutet auch einen zunehmenden Druck auf das Ökosystem Wald und eine mögliche Belastung für den Forstbetrieb. Während die einen Ruhe suchen, wollen die anderen Sport treiben. Manche gehen zur Jagd in den Wald oder zu dessen Bewirtschaftung. ­Jeder Aufenthalt wirkt jedenfalls auf den Lebensraum der Pflanzen und Tiere ein.

Für eine funktionierende gemeinsame Waldnutzung sind Fairness im Umgang mit anderen und Respekt vor der Natur unabding­bare Voraussetzungen. Sie bilden die Grundlage für die Wahrung der vielfältigen Interessen und gewährleisten, dass der Wald als einzigartiger Erholungsraum, Lebensraum und Arbeitsplatz erhalten bleibt.

Was bedeutet der Wald für Sie persönlich?

Die Funktionen des Waldes – rechtliche Basis

Die Grundfunktionen des Waldes sind im Österreichischen Forstgesetz in vier Hauptwirkungen bzw. Leitfunktionen, die Nutz-, Schutz-, ­Wohlfahrts- und Erholungswirkung, unterteilt. Diese sind wie folgt ­definiert:

  • Nutzwirkung: die wirtschaftlich nachhaltige Hervorbringung des Rohstoffes Holz
  • Schutzwirkung: der Schutz vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen sowie die Erhaltung der Bodenkraft gegen Bodenabschwemmung und -verwehung, Geröllbildung und Hangrutschung
  • Wohlfahrtswirkung: der Einfluss auf die Umwelt, insbesondere auf den Ausgleich des Klimas und des Wasserhaushalts, auf die Reinigung und Erneuerung von Luft und Wasser und auf die Lärmminderung
  • Erholungswirkung: die Wirkung des Waldes als Erholungsraum auf die Waldbesucher:innen

Als wesentliches Instrument der forstlichen Raumplanung gilt der österreichische Waldentwicklungsplan. In diesem Fachgutachten ­werden die vier im österreichischen Forstgesetz beschriebenen Waldfunktionen bewertet sowie – flächen­deckend gewichtet – nach ihrer ­Bedeutung grafisch und textlich ­dargestellt. Da Waldflächen meist mehrere Wirkungen zugleich erfüllen, wird hier jene Funktion, die im vorrangigen öffentlichen Interesse steht, als Leitfunktion ausgewiesen. Der Waldentwicklungsplan wird im Rhythmus von zehn Jahren von der Landesforstinspektion aktualisiert und vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Regionen und Tourismus genehmigt.

Alle in diesem Beitrag angegebenen Zahlen stammen aus einer Studie zur Waldnutzung, durchgeführt von SORA im Auftrag der Österreichischen Bundesforste, 2021. Sämtliche Grafiken basieren auf Darstellungen aus dieser Erhebung.

Diese und weitere Daten und Originalgrafiken sind online unter bundesforste.atund unter wald-der-zukunft.atabrufbar. 

 


verfasst von

Christina Simmel

leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

Erschienen in

Zuschnitt 85
Pause, Auszeit, Holz

Ob Freizeit, Ferien oder Wochenende – eine Pause vom Alltag muss nicht immer ein großes Spektakel sein. Wir zeigen Orte der Naherholung und Räume für eine Auszeit, geprägt von Holz.

8,00 €

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Zuschnitt 85 - Pause, Auszeit, Holz