Naturdenkmäler sind einzelne oder kleinflächige Bestandteile der Natur, die als besonders schützenswert eingestuft sind. Mit Stand Herbst 2025 sind in Wien 421 Naturdenkmäler ausgewiesen, von Auwaldrelikten wie dem Mauthnerwasser im Prater über Felsformationen wie die Juraklippe im Maurer Wald. Auch zahlreiche Bäume finden sich unter ihnen.
Die meisten Menschen stoßen wahrscheinlich bei Ausflügen oder einer Runde in einem Park mit langer Geschichte auf sie oder – seltener – auf städtischen Alltagswegen: besondere Bäume oder Baumgruppen, die durch eine Plakette als Naturdenkmäler ausgewiesen sind. Naturdenkmal-Bäume müssen von öffentlicher Seite ernannt werden. Man findet Entsprechungen auf der ganzen Welt, beispielsweise die „heritage trees“ in den USA. Voraussetzung für diesen Schutzstatus kann sowohl die Besonderheit aus wissenschaftlicher, naturhistorischer oder landesbezogener Sicht sein als auch die Schönheit, Eigenart und Rarität. Das Gleiche gilt für andere Landschaftselemente, die zu Naturdenkmälern ernannt werden können. Mit einem Stammumfang von 638 cm besonders eindrucksvoll ist z. B. die altehrwürdige Mozart-Platane am Rennweg, die ihren Platz vor dem Botanischen Institut als Zeitzeugin seit dem Jahr 1760 behauptet.
Die Wiener Naturschutzbehörde MA 22 vergibt die Naturdenkmal-Plakette, nachdem Sachverständige geprüft haben, ob die Kriterien erfüllt sind. Das älteste Naturdenkmal in Wien sind zwei, ehemals drei Eiben am Rennweg im 3. Bezirk, die auf dem Grund des Patentamtes stehen. Sie wurden bereits 1936 als Naturdenkmal aufgenommen, wobei eine „Tausendjährige Eibe“ mit einem Stammumfang von 320 cm besonders auffällt. Alte Bäume bilden mit der Zeit Strukturen aus, die einen besonderen Lebensraum für Tiere mit zum Teil sehr langen Entwicklungsphasen darstellen können. Fachsprachlich als Habitatbäume bezeichnet, sind sie für viele seltene Insekten, Gliedertiere, Vögel und Kleinsäuger ebenso wie für Pflanzen, Flechten und Moose ein Refugium, auf das sie dringend angewiesen sind. Gerade sogenannte „Schäden“ und „Mängel“ wie Astungsfäulen und Totholz können sich zu Hotspots der Biodiversität entwickeln. So ergeben sich kleinräumig verschiedenste Lebensraumnischen, die von Faktoren wie Beschattung, Art des Totholzes (stehend oder liegend) und Vitalität des Baums beeinflusst werden. Jede „Etage“ von der Wurzel bis zum Wipfel hat ihre Bewohner:innen. Dies zeigt auch, dass ein schneller Ersatz für alte, gewachsene Strukturen und ihre sich teilweise über ein Jahrzehnt entwickelnden Bewohner:innen nicht so einfach und vor allem nicht so schnell zu finden ist. Naturdenkmal-Bäume können zur Erhaltung der Artenvielfalt deswegen einen wichtigen Beitrag leisten. Meist handelt es sich dabei um langlebige Arten, also solche, die nach dem Forstwissenschaftler Andreas Roloff älter als 400 Jahre alt werden. Einzelne Exemplare können über 1.000 Jahre leben. Langlebige Baumarten müssen über eine ntsprechend gute Strategie verfügen, um auf Umwelteinflüsse und Schäden zu reagieren. Dazu gehören viele Nadelbäume, die durch ihr resilientes Wasserleitungssystem und ihre Harzproduktion die weltweiten Altbaumrekorde anführen. Auch in Europa sind Eibe und Wacholder die Spitzenreiter, gefolgt von Laubbäumen, vor allem Eichen, Linden und Esskastanien.
Nicht immer jedoch sind Naturdenkmal-Bäume groß und prächtig. Bäume durchlaufen im Laufe ihres Lebens einen dynamischen Umbauprozess, in welchem im Alter auch Absterbeprozesse zur normalen Überlebensstrategie gehören. So kann sich die Krone im Laufe der Zeit verkleinern und es können sich „untere Etagen“ mit kürzeren Transportwegen bilden, während obere Kronenteile aufgegeben werden. Das kann bis zum Zerfallen der Krone und dem Ausbilden einzelner Stamm-Fragmente führen, die dann einzeln weiterleben und aus der „Unterlage“ des alten Baums wieder neu austreiben. Ganz typisch ist das etwa für sehr alte Linden. Wesentlich zur Erhaltung trägt die richtige Pflege von Naturdenkmälern bei. In der Baumpflege gibt es verschiedene Möglichkeiten, Naturdenkmal-Bäume lange zu fördern. Um Kronenteile, die bruchgefährdet sind (und vielleicht wertvolle Habitate wie Höhlungen aufweisen), zu erhalten, kommen verschiedene Systeme von Kronensicherungen zum Einsatz. Dabei werden zwei oder mehrere Kronenteile miteinander durch Seile oder Gewindestangen verbunden und so statische Schwachstellen stabilisiert. Baumstützen aus Stahl, Holz oder anderen Materialien können ebenfalls sichern, wo der Baum selbst es nicht mehr ausreichend tut. Dies wurde z. B. im Barockgarten des niederösterreichischen Stifts Melk an sehr alten Linden sehr schön umgesetzt. Ein Abspannen durch Bodenanker kann ebenfalls stützen. In der Baumpflege kennt man als Schnittmaßnahme an „Baumsenioren“ das sogenannte Retrenchment Pruning. Hierbei wird das im höheren Alter natürliche Ausbilden einer kleineren, niedrigeren Alterskrone durch Schnittmaßnahmen unterstützt.
Bäume erbringen im Lauf ihres Lebens sogenannte Ökosystemdienstleistungen, die einen positiven Einfluss auf das Klima haben. Sie speichern CO2, geben Sauerstoff ab, verdunsten Wasser, filtern Schadstoffe, speichern Regenwasser und tragen so auch zur Abschwächung des Klimawandels bei. Die lokalen Bedingungen, gerade in Städten, können Bäume auch durch Lärm-, Wind- und Sonnenschutz sowie Verdunstungskühle an heißen Tagen für uns Menschen verbessern – ganz abgesehen von der Wohlfahrtswirkung, da uns Bäume auch einfach erfreuen und erwiesenermaßen der menschlichen Psyche guttun. Leider werden viele Bäume im urbanen Raum gar nicht erst so alt, dass sie diese Effekte voll entfalten können. Im Schnitt führen ungünstige Standortbedingungen, Hitzestress und Co. zu einer Halbierung der potenziellen Lebenserwartung. Der Klimawandel bedeutet zusätzlichen Stress für die Bäume, vor allem durch die Zunahme von Wetterextremen sowie Hitze- und Trockenheitsperioden.
Ältere Bäume können sich an die Folgen des Klimawandels schlechter anpassen als Jungbäume. Umso erstrebenswerter ist es, Bäume so lang wie möglich im Stadtbild gut zu pflegen und zu erhalten. Naturdenkmal-Bäume haben in der Regel bereits ein hohes Alter erreicht und ein langes Leben voller wertvoller Ökosystemdienstleistungen hinter sich.

