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Einfamilienhaus Johannhöhe

Karin Tschavgova
Erschienen in
Zuschnitt 6: vor fertig los!
Juli - September 2002
Foto: Paul Ott

Ein knappes Grundstück in extremer Hanglage - schwierigste topografische Situation, aber gute Orientierung nach Süden und Westen und ein Blick über die Stadt - bildete den Ausgangspunkt für einen Entwurf, der sich selbstbewusst der baulichen Herausforderung stellt. Das Bedürfnis der Familie nach offenem, großzügigen Wohnen fasst der Architekt in einer klaren geometrischen Form, dem Kubus, den er durch Einschnitte gliedert und zoniert.  

Das schafft offene, aber auch intime Freiräume - geschützte, loggienartige unter Dach, ein einladendes Vorplätzchen und himmelwärts offene Einschnitte auf der Schlafebene. Der Wohnbereich ist großflächig verglast und wird schwellenlos in den Außenraum erweitert, während in einer Gegenbewegung der Hang im Raum nachzuspüren ist. Im Stiegenlauf zwischen Erd- und Obergeschoß, der der Falllinie folgt, wird der Hang in Ausblick und Steilheit im Gehen erlebbar. Die funktionelle Unterscheidung zwischen Wohn- und Schlafteil zeichnet sich nach außen deutlich ab.  

Der Transparenz des offenen Wohnens steht das kompakte Obergeschoß gegenüber, das über der raumhohen Verglasung des Wohnraums zu schweben scheint. Völlig unangestrengt drückt dieses Haus in hohem Maß räumliche, formale und funktionelle Qualitäten aus, die durch die Wärme des allgegenwärtigen Holzes noch unterstrichen werden.

Konstruktion und Technik    
Der Steilhang verlangte nach massiver Verankerung, einem Unterbau, der in Sichtbeton ausgeführt wurde. Die beiden Obergeschoße sind zur Gänze in Holztafelbauweise errichtet; ihre Elementgrößen ergaben sich aus der Hauslänge und der Geschoßhöhe.

Die Außenwände bestehen aus tragenden Riegeln, Wärmedämmfilz, innenseitig Dampfbremse, einer OSB- und einer Fermacellplatte, außenseitig ist das Element mit einer Fermacellplatte, diffusionsoffener Folie, Lattung für Hinterlüftung und einer Lärchenschalung versehen. Alle Ecken wurden stumpf gestoßen und verschraubt. Der Einbau der Fenster und Fixverglasungen erfolgte vor Ort. Innenräumliche Wandelemente sind überwiegend mit Douglasie- Dreischichtplatten in Sichtoberfläche ausgesteift.

Die Decke zwischen den Geschoßen ist als verleimte Brettstapeldecke in einer Elementbreite von 1,2m ausgeführt, die Dachdecke wurde als leichtere, gedämmte Balkenkonstruktion ebenso in Tafeln vorgefertigt und als Flachdach ausgebildet. Der Schallschutz ist mit einem Aufbau von Schüttung und schwimmendem Estrich gewährleistet.

Eine Herausforderung an den Statiker und den Elementbau stellte der offene Grundriß des Hauptgeschoßes mit den beiden großflächig verglasten Fassaden dar. Die notwendige Steifigkeit konnte mit den massiven Deckenelementen erreicht werden. Der Rohbau war in zwei Wochen fertiggestellt.

Raumzellen
Raumzellen bestehen aus tragenden Elementen, die als dreidimensionale Struktur vorgefertigt werden. Ihre Bauweise ist weder an ein bestimmtes System noch an ein bestimmtes Material gebunden, sie kann aus Holzrahmen-, Holzmassiv-, oder Hohlkastenelementen bestehen. Da die Zellen jeweils selbsttragend sind, lassen sich daraus in sehr kurzer Zeit komplette Gebäude errichten. Die Dimensionen des Systems schränken die Anwendungs- und Gestaltungsmöglichkeiten im Vergleich zu anderen Formen der Vorfertigung im Holzbau ein. Aufgrund der biegesteifen Konstruktion des Rahmens kann allerdings räumliche Großzügigkeit durch Weglassen einzelner Decken, Geschoßböden oder Wandbeplankungen erreicht werden. Die im Regelfall durch Reihen oder Stapeln entstehende Zweischaligkeit von Wand und Decke wirkt sich zwar verteuernd aus, verbessert jedoch den Schallschutz.

Raumzellenbauweise eigent sich gut für temporäre Einrichtungen, weiters für transportable Bauten, die zu einem späteren Zeitpunkt an einen anderen Ort transferiert werden sollen, oder für Bauabläufe unter Termindruck, etwa für die Hotelerie oder Katastrophenhilfe. Der Reduktion der Aufbauzeit vor Ort steht ein erhöhter Planungs- und Koordinierungaufwand gegenüber.

Konstruktion und Technik

Ansicht Ausschnitt
Ansicht Ausschnitt
Montagearbeiten
Grundriss Erdgeschoss
Montagearbeiten
Gesamtansicht
Ansicht Ausschnitt

Architekt
hohensinn architektur

Tragwerksplanung
Franz Mitter-Mang

Bauherr
Dr. Lore Neuwirth und Dipl.-Ing Josef Hohensinn

Standort
Graz, Steiermark

Planung und Bauzeit
1998 - 2000

Montage Holzbau
3 Wochen

Ausführung
Kulmer-Holzbau

Josef Hohensinn
1956 geboren in Ried im Innkreis.
Studium an der TU Graz. 1990 - 95 Universitätsassistent bei Prof. Franz Riepl, Institut für ländliches Siedlungswesen, TU Graz.
Seit 1995 Ziviltechniker. 1996 - 98 Bürogemeinschaft mit Prof. Hubert Rieß in Graz.
Seit 1998 Büro »hohensinn architektur«

Weitere Bauten (Auswahl)
1998 - 2001 Volpesiedlung in Weiz, Steiermark
1999 - 2001 Wohnanlage Kindberg, Steiermark
1999 Haus Dr. W. in Bad Aussee, Steiermark  

Josef Hohensinn
c/o hohensinn architektur
Grieskai 80
A-8020 Graz
T +43 (0) 316 811 188
hohensinn@aon.at
www.hohensinn-architektur.at

Text

Karin Tschavgova
studierte Architektur in Graz, seit langem freie Fachjournalistin und Architekturvermittlerin, Lehrtätigkeiten an der TU Graz