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Hitze für’s Holz

Fußböden aus Thermoholz

Erschienen in
Zuschnitt 15: Lauf Meter
September 2004

Thermoholz entsteht durch die kontrollierte Erwärmung von Schnittholz auf bis zu 230°C für die Dauer von 50–80 Stunden in speziellen Hochtemperaturanlagen. Unter dem Einfluss von Hitze und Feuchtigkeit wird der Zellaufbau des Holzes so verändert, dass seine Wasseraufnahmefähigkeit stark eingeschränkt ist. Daraus ergeben sich – ohne den Einsatz von chemischen Substanzen – neue Eigenschaften wie stark erhöhte Dauerhaftigkeit und Witterungsbeständigkeit, besserer Schutz vor Pilzbefall und Fäule, reduzierte Ausgleichsfeuchte, eine Verringerung des Quell und Schwindverhaltens und damit der inneren Spannungen sowie eine Erhöhung der Dimensionsstabilität, weiters das Verhindern von Harzaustritt bei Nadelhölzern, eine dunklere Farbgebung, bessere Wärmedämmeigenschaften, samtige Haptik und reduzierte Splittergefahr. Zugleich nehmen Biegefestigkeit, Rohdichte und Elastizität ab und Thermoholz riecht – nicht schlecht, aber ein bisschen nach Räucherkammer. Durch die Wärmebehandlung erreichen Hölzer wie etwa die Buche, die in Bezug auf ihre Haltbarkeitsklasse schlecht eingestuft sind, eine extrem erhöhte Dauerhaftigkeit (Haltbarkeitsklasse 5 – nicht dauerhaft, für unbehandelte Buche; Haltbarkeitsklasse 1 – sehr dauerhaft, für stark thermobehandelte Buche) sowie, durch die größere Dimensionsstabilität, gute Anwendbarkeit in – auch nassen – Außenbereichen, wie zum Beispiel bei Schwimmbadumrandungen und Liegepritschen.

Thermoholz im Innenbereich

Je nach Intensität und Dauer der Thermobehandlung dunkelt der Farbton des Holzes stärker oder weniger stark nach. Damit lassen sich – auf ökologisch unbedenklichem Weg – Farbgebungen herstellen, die jenen von exotischen Hölzern wie Teak, Mahagoni oder Wenge täuschend ähnlich sind. Diesen Umstand nützen verschiedene Hersteller, die mit speziellen Produktlinien thermobehandelte Böden für den Innenbereich mit einer breiten Farbpalette bis hin zu fast schwarzen Tönen anbieten und so dem aktuellen Trend zu dunkleren Hölzern entgegenkommen.

Behandlung und Pflege

Weil Thermoholz spröder ist als unbehandeltes Holz, müssen Löcher vorgebohrt werden, um ein Splittern des Holzes zu verhindern. Holzdübel sind als Verbindungsmittel ungeeignet, da sie – im Gegensatz zum Thermoholz – schwinden und Quellen. Stattdessen werden Edelstahlverbindungen empfohlen, die gegenüber dem hohen Säuregehalt von nassem Thermoholz unempfindlich sind. Für den Einsatz im konstruktiven Bereich ist das Material wegen seiner eingeschränkten Biegesteifigkeit nicht geeignet, wohl aber zur Trockenkammer problemlosen Entsorgung durch Verbrennen, sofern die Oberfläche nicht lackiert wurde. Wenn die Oberfläche nicht vergrauen soll, muss sie einen UV-Schutz durch geeignete Öle oder Lacke erhalten. Im Innenbereich wird Thermoholz unbehandelt, geölt oder auch lackiert angeboten und ist dann wie die entsprechen den herkömmlichen Böden zu pflegen.

Holz geht baden
Eine aus dem Schiffsbau stammende Idee der Firma flexxsolutions ist die Verbindung von Thermoholz-Lamellen aus Esche oder Buche entlang ihrer Schmalseiten durch eine flexible, wasserdichte, Fuge. Diese wird ohne Lösungsmittel hergestellt, ist emissionsarm und besteht aus einer UV-resistenten, einkomponentigen Dichtmasse auf PU-Basis, die durch den Kontakt mit Luftfeuchtigkeit zu einem Elastomer wird und abgeschliffen werden kann. Damit ist die Herstellung wasserresistenter Holzböden und -matten, die in Nassräumen eingesetzt werden können, möglich. Die für Fußbodenheizungen geeigneten Paneele werden aus vorgefertigten, passgenauen Teilen zu jeweils neun Lamellen mit einer Dicke von 8mm und einer Breite von 52, 80 oder 108mm zusammengesetzt und flächig am Untergrund (Estrich, Spanplatten, Fliesen etc.) verklebt bzw., als Matten, hingelegt.


Thermoholz als Schwimmbadumrandung

Info
Mitteramskogler GmbH
www.mitteramskogler.at

flexxsolutions
www.flexx.cc