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Luxus unterwegs

Elke Krasny
Erschienen in
Zuschnitt 21: Schutz S(ch)ichten
März 2006, Seite 26

Die bescheidenste aller Holzarten, das Spanholz, und die edelsten Produkte haben ein auffälliges Nahverhältnis. Die Lösung für das verpackende und schützende Transportgehäuse von Luxusgütern lautet Schlichtheit. In den einfachen, manchmal sogar ein wenig rohen, immer jedoch zeitlos-traditionsbewusst erscheinenden Holzschachteln reisen Weinflaschen, Olivenöl, Tee, Zigarren, Gewürze, Kaffee, Kakao, Marmeladen, handgeschöpfte Seifen oder traditionsreiche Torten um den Globus.

Wir sind, zumindest was die Anmutung der Verpackung anbelangt, weit zurückversetzt in die Zeiten vor der spätkapitalistischen Globalisierung. Nicht alle Produkte sind ohnehin überall zu Hause, weit hergeholt, sondern manche exquisiten Dinge umgeben sich im Speziellen mit dem Nimbus der Fernreise, in der wiederum die noch ältere Figur der Entdeckungsreise bedeutungsvoll nachhallt. Die Dinge werden entdeckt, schützend verpackt und in die Ferne geschickt, weltweit. Die Holzkoffer früherer Reisen und Expeditionen legen sich nahe, die hölzernen Schiffsbäuche klingen an. Der emotionale Draht, gleichsam der Papierspagat, zum Gefühl historischer wie geografischer Ferne, zum Luxus des Weithergeholten, liegt in der schlichten Verpackung, die mit Leichtigkeit Tradition und Echtheit nahebringt. Und dann packen die kleinen Kistchen aus: In Hawai findet man darin eine Sachertorte, im Senegal Wein aus Frankreich, in der Schweiz Olivenöl aus Griechenland, in Ohio Seifen aus England, in Österreich Gewürze aus Sri Lanka oder Kaffee aus Guatemala ...

Text
Elke Krasny
Kulturtheoretikerin, Autorin und Ausstellungskuratorin
unterrichtet an der Akademie der bildenden Künste Wien
schreibt für »architektur
aktuell«
Österr. Kinder- und Jugendbuchpreis 2006 für »Warum ist das Licht so schnell hell?«
Ausstellungen und Kunstprojekte im öffentlichen Raum
Schwerpunkte: Räume des Alltags und der Fiktion, Repräsentation und Gender, Museum und Ausstellungen, Urbaner Raum und partizipative Arbeitsweisen

Foto
© Ruth Gassner

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