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Gastkommentar

Erich Wiesner
Erschienen in
Zuschnitt 25: Aber sicher
März 2007, Seite 3f.

Im vergangenen Herbst wurden Vorwürfe des Fachverbands der Stein- und keramischen Industrie Österreichs und des Verbandes der Österreichischen Beton- und Fertigteilwerke laut, wonach Hallen aus Holz nicht den gängigen Sicherheitsbestimmungen entsprächen und ein Risiko für Leib und Leben darstellten. In dieser Ausgabe des Zuschnitts wird das Thema der Sicherheit umfassend behandelt, dennoch möchte ich einzelne wesentliche Aspekte noch einmal hervorheben:

Unter den extremen Schneelasten des Winters 2005/2006 hatten Konstruktionen aus allen Baumaterialien zu leiden und Schäden sowie Einstürze zu verzeichnen. In allen Fällen zeigte sich, dass die Ursache nicht auf die Materialwahl zurückzuführen, sondern in einem Zusammenspiel vieler Fehler aus den Bereichen Planung, Konstruktion, Ausführung, Nutzung und Wartung zu finden war. Sicherheit ist also keine Frage des Materials, sondern eines verantwortungsvollen Handelns in allen Bereichen des Bauwesens. Normen und Regelwerke entsprechen dem jeweiligen Stand der Technik und den Anforderungen an die Sicherheit. Alle Beteiligten – egal aus welcher Baustoffbranche – haben sich daran zu halten. Die generelle Infragestellung eines Materials bedeutet zugleich die Infragestellung der Baugrundlagen und damit des gesamten Systems des Baurechts und kann daher niemals zielführend sein.

Bei materialgerechter Konstruktion und fachkundiger Verarbeitung erfüllen Bauwerke aus allen Materialien die technischen Vorschriften und das gleiche Sicherheitsniveau. Die pauschale Diskreditierung einer Branche, die nicht nur mehr als eine Viertelmillion Arbeitsplätze sichert, sondern auch zweitstärkster Devisenbringer nach dem Tourismus ist, muss als gezielter Versuch verurteilt werden, aus den Vorfällen des vergangenen Winters Kapital zu schlagen. Wir haben aus den Ereignissen des letzten Winters gelernt und werden dies zum Anlass nehmen, zusätzlich Aktivitäten im Qualitätsmanagement mit allen Beteiligten – von den Planern über die Produzierenden und Ausführenden bis hin zu den Nutzern – zu setzen. Beispielsweise arbeiten wir gerade intensiv an einer neuen Norm mit, die zum Ziel hat, die Qualitätssicherung über den gesamten Bauprozess zu gewährleisten, sicherzustellen und ständig zu verbessern.

Text: Dr. Erich Wiesner ist Obmann des Fachverbands der Holzindustrie Österreichs und Vorstandsmitglied von CEI-Bois in Brüssel, dem Zentralverband der Europäischen Holzindustrie