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Roman Pfeffer

Stefan Tasch
Erschienen in
Zuschnitt 28: Papier ist Holz
Dezember 2007, Seite 28

Alles Wissenswerte über das Wissen der Welt

Ironie, Transformation und Verdichtung bestimmen die Herangehensweise, mit der Roman Pfeffer den alltäglichen Gebrauchsgegenständen ebenso wie der bildenden Kunst zu Leibe rückt. Seine Arbeiten bleiben dabei nicht einem bestimmten Medium verhaftet, sondern bewegen sich spielerisch zwischen den einzelnen Gattungen, zwischen Architektur, Bildhauerei, aber auch Malerei und Grafik sowie angewandter Kunst.

Jüngstes Beispiel einer solchen Transformation oder Übersetzung von einem Medium in ein anderes ist die Skulptur »Alles Wissenswerte über das Wissen der Welt«, in der sich der Künstler mit einer Ikone des Bildungsbürgertums auseinandersetzt: dem »Brockhaus«. Die Strategie, die Roman Pfeffer dabei anwendet, könnte man als Materialdestillation bezeichnen, denn das, was am Ende übrig bleibt, sind sämtliche Ingredienzien der 21. Auflage (2005 – 2006) der »Brockhaus Enzyklopädie in 30 Bänden« in Form von übereinandergeschichtetem Papier inklusive Farbe. Die Qualität dieser Arbeit liegt nicht nur in ihrer präzisen und akkuraten Ausführung, sondern, wie so oft in Pfeffers Arbeiten, auch in ihrer Ironie. Neue Informationstechnologien wie das Internet und das dort implementierte World Wide Web lassen vor allem Enzyklopädien in Buchform als Anachronismus erscheinen und drohen des Bildungsbürgers liebste Trophäe zu entmachten. Es scheint, als wolle Roman Pfeffer im Kampf um die Monopolstellung der Wissensquellen zwischen Internet und Buch eine Antwort in Form eines »dekorativen« Kompromisses anbieten.

Referenzsysteme und Adaptionen bildeten auch die wesentlichen Koordinaten für die im Rahmen von »site effects« (Hollenburg 2006) entstandenen Arbeiten. Hier konnte Roman Pfeffer seine ganze künstlerische Bandbreite ausspielen, indem er ortspezifische Interventionen vornahm, die aber in ihrer Inhaltlichkeit eine allgemeingültige Aussage aufweisen. So nimmt der Künstler den Tisch als Ort und Synonym für soziale Interaktionen zum Ausgangspunkt für seine Arbeit »Turm«. Er ersetzt dabei ein Tischbein durch einen Aktenstapel, der aus den einzelnen Projektmappen aller Künstler und deren Ausstellungsprojekte, die jemals auf Schloss Hollenburg gezeigt wurden, besteht – zuoberst: jene von Roman Pfeffer. Der Kunst als einem tragenden und essenziellen Eckpfeiler unserer Gesellschaft, der auch über die Tischplatte hinauswächst und sich somit eine Sonderstellung verschafft, wird damit eine Skulptur gewidmet, die auch in Zukunft wachsen und sich verändern wird. Die Beschäftigung mit Transformation und Verdichtung findet sich auch in der Arbeit »Dresscode – Maximilians Garderobe für einen Tag«, in der Pfeffer die gesamte Kleidung inklusive der Schuhe des Kurators Maximilian von Geymüller Stück für Stück granuliert, in kleine Einkochgläser füllt und mit den Markennamen beschriftet, um Rückschlüsse auf den Inhalt zu ermöglichen.

»Auf den Inhalt kommt es an« und der ist bei Roman Pfeffers Arbeiten ein subtiles Summenspiel aus divergierenden Wahrnehmungen und Erwartungshaltungen.

Roman Pfeffer

  • 1972 geboren in Vöcklabruck, Oberösterreich
  • 1996 – 2001 Akademie der bildenden Künste Wien, Meisterklasse Damisch
  • 1999 – 2000 Kent Institute of Art and Design, Canterbury, Meisterklasse Pete Nevin
  • seit 2002 Assistent an der Universität für angewandte Kunst Wien,
  • bis 2005 Abteilung Kunst und kommunikative Praxis, seither Abteilung Bildhauerei und Multimedia

Ausstellungen (Auswahl)

  • 2007 »Transformationen«, Ortart, Nürnberg
    »Erwin Wurm, Peter Weibel, Karin Sander, Alexandra Vogt, Markus Hofer, Roman Pfeffer« Galerie 422 Margund Lössl, Gmunden, OÖ
    »Koschatzky Kunstpreis«
    Nominierungen, Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig Wien
  • 2006 »site effects« – Roman
    Pfeffer, Markus Hofer, Schloss Hollenburg, NÖ
    »The failed show«,
    Kforumvienna, Wien
    »Alpenglühen«, Wildwuchs, Wien
  • 2005 »Steirisches Künstlerfest«, Michael Kienzer, Martin Schnur, Markus Wilfling, Roman Pfeffer..., Cine Styria, List-Halle, Graz

Text

Stefan Tasch
Studium der Kunstgeschichte in Wien und Edinburgh, Arbeit in verschiedenen Museen und Galerien 

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