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Sunken House

Schmuckkästchen in Schwarz

Karin Triendl
Erschienen in
Zuschnitt 29: Holz und Glas
März 2008, Seite 14f.

David Adjaye, gefeiertes Talent der jungen englischen Architektenszene, agiert an der Grenze von Kunst und Architektur. Seine Beschäftigung mit Maßstab, Raum und Licht hat zu Kooperationen mit Künstlern wie Olafur Eliasson geführt und ihm einzigartige Aufträge für eine ausgewählte Klientel eingebracht.

Kürzlich hat er im Londoner East End eine ganz besondere schwarze Box inmitten gregorianischer Ziegelbauten realisiert. Holz und Glas spielen dabei die Hauptrollen, treten aber aufgrund der sorgfältigen Detaillierung bewusst in den Hintergrund. Auftraggeber und stolzer Eigentümer ist ein befreundeter Fotograf – mit eine Erklärung, warum das Projekt ganz dem Spiel von Licht und Schatten gewidmet wurde.

Die 150m2 Nutzfläche verteilen sich auf drei Geschosse. Küche, Esszimmer und Studienzimmer befinden sich im Untergeschoss, auf einer Ebene mit dem abgesenkten Innenhof. Dieser private Außenraum bietet Schutz vor neugierigen Nach- barn und lässt sich im Sommer bequem als zweiter Wohnraum nutzen. Die Eingangsebene liegt auf Straßenniveau und ist mit einer innen- und einer außenliegenden Holztreppe an die übrigen Räume angebunden. Im Obergeschoss zeigen sich die großartigen Fensteröffnungen von ihrer besten Seite, sie lassen das Licht bis tief in den Raum fallen.

Weiße Wände und ein weiß beschichteter Kunstharzboden bieten dafür die ideale Projektionsfläche. Von außen betrachtet wirkt der einheitliche Baukörper wie aus einem Stück Holz gefertigt. Treppen, Brüstungen, Lüftungsöffnungen und Türen sind camouflageartig in die schwarz gestrichene Holzoberfläche integriert. Durch die konsequent einheitliche Materialisierung der Freiräume lässt Architekt Adjaye das Haus in sich selbst versinken. Sogar die Dachfläche ist mit einer Hülle aus schwarzen Holzlatten verkleidet und fungiert als Aussichtsplattform über den Dächern von East London.

Hinter der vorgehängten Holzfassade versteckt sich die tragende Konstruktion aus Massivholzelementen. Das Büro kooperierte mit dem Londoner Unternehmen Eurban, das sich auf vorgefertigte, qualitativ hochwertige Wohnhäuser spezialisiert hat. Die gesamten Bauteile, inklusive Außenhaut und allen Öffnungen, wurden in Deutschland zugeschnitten und vorbereitet. Damit konnte der Rohbau in nur zwei Tagen errichtet werden. Tragende Wand- und Deckenelemente wurden aus Fichtenholz gefertigt, für die Außenhaut wählte der Architekt mit Leinöl behandelte Lärche.

Scheinbar mühelos überwinden Glasanschlüsse die Konstruktionstiefe des Holzbaus und lassen Fixverglasungen sowie Fensteröffnungen selbstbewusst in einer Ebene mit Fassade und Dach erscheinen. Das Glas wurde in einen Stahlrahmen geklebt und bündig bis an die Außenfassade geführt. Obwohl mit herkömmlichen Verbindungen gelöst, erfüllen die angewendeten Details doch in erster Linie ihren Zweck und unterstützen die Homogenität des Baukörpers. Aufgrund der gewählten Tragkonstruktion aus Massivholzelementen musste keine Rücksicht auf Spannweiten, Balken oder Stützen genommen werden. So konnten alle Öffnungen frei positioniert werden und folgen höheren Kriterien wie Ausblick und Himmelsrichtung. Es entstand für jede individuelle Situation die dazu passende Öffnung.

Der fantastische Blick nach Westen, auf benachbarte Gärten mit großen alten Bäumen, hinter denen die Sonne untergeht, wurde in ein fix verglastes Panoramafenster gerahmt. Eine technisch mutig gelöste Überkopfverglasung bringt den Himmel über der Stadt mitten in den Arbeitsraum des Hausherrn. Die transluzente Verglasung im Schlafzimmer mit Blick auf die Bambusgewächse des Nachbarn schafft dramatische Schattenspiele.

David Adjaye versteht es wie kein anderer, durch das Spiel mit Kontrasten und Materialien eine sinnliche und konzeptionelle Wirkung zu erzeugen. Die Kargheit des versunkenen Hauses mag irritieren und wird wohl gemeinhin nicht als »schön« bezeichnet. Bei genauerem Hinsehen aber erschließt sich ein sensibel in das Stadtgefüge integriertes Schmuckkästchen.

Haus und Umgebung

Der Baukörper wirkt wie aus einem Stück gefertigt. Treppen, Brüstungen, Lüftungsöffnungen und Türen sind camouflageartig in die schwarz gestrichene, nur durch fassadenbündig gesetzte Verglasungen unterbrochene Holzoberfläche integriert.

Fassade

Aufgrund der Massivholzbauweise musste keine Rücksicht auf Spannweiten, Balken oder Stützen genommen werden, alle Öffnungen konnten frei positioniert werden und folgen Kriterien wie Aussicht und Himmelsrichtung.


Schnittzeichnungen (pdf, 60KB)

Planung

David Adjaye Associates
23 – 28 Penn Street
London N1 5DL, UK
T +44 (0)20/7794969
info@adjaye.com
www.adjaye.com

Statik und Holzbau

Eurban Ltd., London

Fertigstellung

2007

Zusätzliche Infos

www.edsshed.co.uk

Text
Arch. Karin Triendl
Studium in Innsbruck, Arlington und Delft
seit 2007 Bürogemeinschaft mit Patrick Fessler
schreibt als freie Autorin über aktuelle Stadt(Räume) und Architekturen
www.triendlundfessler.at

Fotos
©  Ed Reeve

Der Baukörper wirkt wie aus einem Stück gefertigt. Treppen, Brüstungen, Lüftungsöffnungen und Türen sind camouflageartig in die schwarz gestrichene, nur durch fassadenbündig gesetzte Verglasungen unterbrochene Holzoberfläche integriert.

Aufgrund der Massivholzbauweise musste keine Rücksicht auf Spannweiten, Balken oder Stützen genommen werden, alle Öffnungen konnten frei positioniert werden und folgen Kriterien wie Aussicht und Himmelsrichtung.

Planung   
David Adjaye Associates
23 – 28 Penn Street
London N1 5DL, UK
T +44 (0)20/7794969
info@adjaye.com
www.adjaye.com    

Statik und Holzbau   
Eurban Ltd., London    

Fertigstellung   
2007  

Zusätzliche Infos 
www.edsshed.co.uk

Text

Karin Triendl
Architektin, seit 2007 Bürogemeinschaft mit Arch. Patrick Fessler, schreibt als freie Autorin über aktuelle Stadt(Räume) und Architekturen
www.triendlundfessler.at

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