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Wertschöpfungskette

Bellend und kratzend dem Schädling auf der Spur

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 38: Holz trägt
Juni 2010, Seite 25

Der Borkenkäfer ist nach wie vor der größte Feind des österreichischen Waldes. 3 Millionen Festmeter Schadholz gab es 2009. Das ist so viel wie noch nie. Hauptursache sind laut Hannes Krehan vom Institut für Waldschutz des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW) in Wien die großen Stürme der Vorjahre. Während man den Borkenkäfer mit herkömmlichen Mitteln aufspüren und bekämpfen kann, ist dies bei importierten Schädlingen wie dem Asiatischen Laubholzbockkäfer (Anoplophora glabripennis) und dem Citrusbockkäfer (Anoplophora chinensis) wesentlich schwieriger. Sie können mit Verpackungsholz oder Pflanzenware aus Asien eingeschleppt werden. Bis auf die Stadtgemeinde Braunau, in der Befall durch den Asiatischen Laubholzbockkäfer vorkommt, gibt es bis jetzt keine Befallsgebiete in Österreich. Zum Glück! Denn aus anderen europäischen Ländern weiß man, dass diese Käfer – haben sie erst einmal eine gewisse Populationsgröße erreicht – sehr schwer auszurotten sind. In Braunau versucht man dies seit 2001 mit intensiven Bekämpfungsmaßnahmen – bisher erfolglos. Der Asiatische Laubholzbockkäfer befindet sich nicht wie der Borkenkäfer unter der Rinde des Baumes, sondern im Stamm und in der Krone, der Citrusbockkäfer in der Wurzel des Baumes. Ein Befall ist wesentlich schwerer zu erkennen und zu bekämpfen. Die Erfahrungen aus Braunau zeigen: Man muss von Beginn an verhindern, dass diese Schädlinge in den heimischen Wald gelangen.

Ute Hoyer-Tomiczek vom Institut für Waldschutz des BFW und die Biologin Gabriele Sauseng sind Pioniere auf diesem Gebiet. Sie haben als Erste ihre Hunde Jackson, Andor und Jolly auf diese beiden importierten Schädlinge trainiert. Bei einem circa einjährigen Hund dauert die Grundausbildung etwa acht bis zehn Wochen. Sobald der Hund weiß, welchen Geruch er suchen muss, muss er fortlaufend weitertrainiert werden. Das Jagd- und Beuteverhalten des Hundes hat maßgeblichen Anteil an dieser Arbeit. Nach einem halben bis Dreivierteljahr kann er dann erstmals eingesetzt werden. Auf mehr als drei Geruchsnoten sollte ein Hund jedoch nicht trainiert werden. Im April bekommen viele österreichische Baumschulen neue Ware. Einige von ihnen unterziehen sich dann einer freiwilligen Kontrolle. Dann prüfen die Hunde mit Hilfe ihrer feinen Nase, ob die importierte Pflanzenware von Schädlingen befallen ist. Vor Kurzem waren Jackson, Andor und Jolly mit ihren Hundetrainerinnen im holländischen Boskoop, um eine Lieferung von 40.000 Jungahornen aus Asien auf Citrusbockkäferbefall hin zu untersuchen. Die Hunde mussten über geöffnete Pflanzenboxen laufen und nach Larven des Citrusbockkäfers schnüffeln. Der Mensch kann lediglich eine visuelle Prüfung vornehmen, indem er einzelne Pflanzen herausnimmt. Die trainierten Hunde können Geruchsquellen in bis zu zweieinhalb Metern Höhe und im Erdreich anzeigen. Werden sie fündig, dann fangen sie an zu kratzen oder zu bellen, andere wiederum setzen oder legen sich einfach vor ihren Fundort. Die Nasenarbeit von fünf Minuten entspricht dabei einer körperlichen Tätigkeit von etwa zwei Stunden, betont Ute Hoyer-Tomiczek. Danach muss der Hund mindestens eine halbe Stunde ausruhen. Gerade bei großen Lieferungen ist es deshalb sinnvoll, mit mehreren Hunden abwechselnd zu arbeiten. In Boskoop wurden die Hunde fündig. Die Jungahorne und ihre Schädlinge aber sind längst vernichtet und die Hunde wieder in Österreich.


Asiatischer Laubholzbockkäfer

Institutfür Waldschutz des Bundesforschungs- und Ausbildungszentrums für Wald, Naturgefahren und Landschaft (BFW)

bfw.ac.at/waldschutz

Fotos
© Ute Hoyer-Tomiczek, BFW-Waldschutz Wien; Gabriele Sauseng, Lebring

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at

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