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Wertschöpfungskette

Den Wald in Bann legen

Anne Isopp
Erschienen in
Zuschnitt 39: täglich Holz
September 2010, Seite 24f.

»Je steiler so ein Waldstück ist und je höher es liegt, desto intensiver sind auch die erosiven Prozesse.« Wir stehen gegenüber von Hallstatt, auf der anderen Seeseite. Schon am Telefon hatte Michael Schiffer, Leiter der Wildbach- und Lawinenverbauung Salzkammergut, angekündigt, dass dies ein guter Startpunkt sei, um sich dem »Bannwald Hallstatt« zu nähern. Die Lage des Städtchens ist einzigartig: vorne der See, dann ein schmaler bebauter Streifen und gleich dahinter der steil ansteigende Wald. Dieser birgt Gefahren und der Hallstätter weiß um sie: Lawinen, Felssturz, Steinschlag, Schneeabrutschung. Ausgelöst werden können sie durch Stürme, Wildbäche und Erosionen. Ein gesunder Wald verschließt die Waldoberfläche, behindert und verzögert große Massenbewegungen und hemmt Steinschlag. In solchen Extremlagen aber kann der Wald die Schutzfunktion nicht alleine übernehmen, er muss durch technische Verbauungen unterstützt werden. Und das sind im Bannwald Hallstatt nicht wenige – auf dem Wanderweg durch den Wald werden sie zu ständigen Begleitern: die Schneenetze, Stahlschneebrücken und Steinschlagschutzverbauungen.

Schiffer nennt den Bannwald Hallstatt ein Intensivgebiet, da auf kurzen Strecken immense Höhenunterschiede vorhanden sind. »Kein Betrieb kann aus so einem schroffen Waldhang einen Ertrag erwirtschaften«, sagt er. Deshalb kümmert sich die öffentliche Hand um die Bewirtschaftung dieses 240 Hektar großen Waldgebietes und garantiert den Menschen Sicherheit. Gemeinsam mit 45 Mitarbeitern ist Schiffer für die Pflege und Aufforstung des Waldes sowie die Errichtung und Pflege von Schutzbauwerken zuständig. Zu seinem Einsatzgebiet gehört nicht nur die Gegend um Hallstatt, es erstreckt sich vom Dachsteingletscher bis hin zur Welser Heide. Damit ein Wald eine Schutzfunktion übernehmen kann, muss er vor allem klein strukturiert sein, Buche, Fichte und Tanne sollten also zu gleichen Teilen wachsen. Auch der Frühverjüngung muss große Aufmerksamkeit gewidmet werden. Dort, wo der Wald fehlt, wird technisch verbaut.

Es ist ein Kampf mit der Zeit und gegen Stürme, Windwurfschäden, Schneedruck, Lawinen, Hochwasser und Käferbefall. Wenn man an einem der sieben Wildbäche, die dieses Gebiet durchziehen, entlangwandert, erkennt man, was Schiffer meint. Mitten im Wildbach sitzt ein großer Fels, das Wasser fließt links und rechts vorbei. Windwurf und Geröll haben sich hier schon festgesetzt. Da der Durchfluss schnell verklaust und das angestaute Material zur Gefahr für das Tal wird, muss er rasch freigeräumt werden. Einen hundertprozentigen Schutz kann trotzdem keiner garantieren. Es gilt also auch, die Bevölkerung für ein verbleibendes Restrisiko zu sensibilisieren.

Schutzwald

Österreich ist fast zur Hälfte mit Wald bedeckt. 30 % davon sind Schutzwald. Das Österreichische Forstgesetz unterscheidet hier zwischen den Kategorien Standortschutzwald, Objektschutzwald und Bannwald. Ein Standortschutzwald muss sich selbst, also seinen Standort vor Wind, Wasser oder schädlichen Auswirkungen der Schwerkraft schützen. Von einem Objektschutzwald spricht man, wenn der Wald Menschen, menschliche Siedlungen oder Agrarflächen vor Elementargefahren und schädigenden Umwelteinflüssen bewahren soll.

Ist ein Wald durch Bescheid in Bann gelegt, dann ist zusätzlich zu den Aufgaben eines Objektschutzwaldes dessen Nutzung behördlich beschränkt.

Seit 1884 gibt es die Wildbach- und Lawinenverbauung, die sich um den Schutz der Bevölkerung im Gebirge kümmert. 137 Millionen Euro werden jährlich für sie bereitgestellt, um den Schutz vor Wildbächen, Lawinen und Erosionen zu gewährleisten.

Nutzfunktion64,55%
Schutzfunktion30,73%
Wohlfahrtsfunktion3,61%
Erholungsfunktion1,11%

 

Fotos
© Kurt Zweifel, die.wildbach, Lebensministerium

Text

Anne Isopp
leitende Redakteurin der Zeitschrift Zuschnitt

redaktion@zuschnitt.at