Inhalt

Holzbeläge im Freien

Auf die Konstruktion kommt es an

Claudia Koch
Erschienen in
Zuschnitt 41: landauf-landab
März 2011, Seite 9f.
Schon nach sechs Monaten sind alle unbehandelten Oberflächen vergraut und einige Oberflächenbeschichtungen bereits erneuert worden.

Beläge aus Holz im Außenbereich, sei es auf Terrassen und Balkonen oder in der Garten- und Landschaftsgestaltung, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Dabei erstreckt sich die Bandbreite der Einsatz- und Gestaltungsmöglichkeiten vom robusten Bohlenbelag auf Brücken über Boots- und Badestege bis hin zu Terrassenbelägen.

Die Konstruktion als Schlüssel zum Erfolg

Eine ordnungsgemäße technische Ausführung unter Berücksichtigung des konstruktiven Holzschutzes ist Grundvoraussetzung für jede Holzkonstruktion im Freien. Materialwahl, Holzdimensionen, Befestigung sowie Ausführungsdetails sind dem Anwendungsfall entsprechend zu wählen. Ausreichende, der Nutzung angepasste Stabilität und statische Tragfähigkeit nach Erfordernis müssen gewährleistet sein. Durch Fehler bei Konstruktion, Materialwahl und Pflege kann es zum Versagen der Konstruktion infolge Fäulnisschäden kommen. Da holzzerstörende Pilze immer eine hohe Holzfeuchtigkeit benötigen, ist es oberstes Gebot, länger andauernde Durchfeuchtung von Holzkonstruktionen zu verhindern und ein rasches Abtrocknen zu gewährleisten. Dies wird durch eine gut durchlüftete Konstruktion erreicht, bei der die Kontaktflächen zwischen den Hölzern so gering wie möglich sind und kein oder nur wenig Bodenkontakt vorliegt. Kunststoffpads können liegende Holzroste vor direktem Bodenkontakt schützen.

Nutzungssicherheit

Um seine Funktion als Gehbelag zu erfüllen, muss der Holzbelag eben und stabil sein. Unebenheiten, aus denen eine mehr oder weniger große Stolpergefahr resultiert, haben ihre Ursachen zumeist in unzulässig großen Verformungen einzelner Bretter oder ganzer Bodenelemente oder in einer mangelhaften Befestigung. Möglichst ausgeschlossen werden können derartige Verformungen durch die Verwendung von trockenem Holz (Holzfeuchtigkeit 15 % ± 3 %) sowie eine ausreichend dimensionierte, nicht rostende Befestigung (z. B. Schrauben mit einem Durchmesser von ≥ 4,5 mm bei Lärche). Kommen anstelle geeigneter Schrauben patentierte Befestigungssysteme zum Einsatz, sind die Herstellerangaben bezüglich geeigneter Holzarten, Holzfeuchtigkeit und Verarbeitung einzuhalten.

Wie viele andere Materialien auch verändert Holz bei Nässe sein Rutschverhalten. Aufgrund der Inhomogenität des Naturmaterials Holz ist die Quantifizierung des Rutschverhaltens mit den gängigen Methoden praktisch nicht möglich. Die Holzforschung Austria arbeitet im Zuge eines derzeit laufenden Langzeitforschungsprojekts über Sicherheit und Ökoakzeptanz von Terrassenbelägen aus Holz unter anderem an der Entwicklung einer geeigneten Prüfmethode für das Rutschverhalten.

Langlebigkeit

In den meisten Fällen wird von einem Holzbelag eine möglichst hohe Lebensdauer erwartet, ausgenommen sind temporäre Konstruktionen für Veranstaltungen und Ähnliches. Die Lebensdauer eines Holzbelags im Außenbereich hängt von den eingesetzten Materialien, den Konstruktionsdetails, den Umgebungs- und Nutzungsbedingungen (Standortklima, Intensität der Nutzung und Verschmutzung) sowie der laufenden Wartung (Reinigung) ab. Wie schon bei der Konstruktion ist auch in der Nutzung dem Vermeiden von Staunässe größte Bedeutung beizumessen. Blumentöpfe, Pflanzentröge und Sonnenschirmständer sollten grundsätzlich vom Untergrund abgehoben werden, z. B. durch Unterlegen von Holzleisten (≥ 2 cm). Holzböden sollen immer gut luftumspült bleiben, das Abdecken etwa durch einen Kunstrasenteppich behindert das Abrinnen und Abtrocknen von Niederschlagswasser und führt früher oder später zu Fäulnisschäden. Einmal jährlich wird eine sorgfältige Reinigung der Fläche empfohlen, bei der Verschmutzungen durch Erde oder Laub entfernt werden.

Komfort und Erscheinungsbild

Seitens der Bauherrschaft werden oft zusätzliche Erwartungen an die haptische und optische Qualität der Böden gestellt. Gewünscht sind möglichst schieferfreie, »barfußgeeignete« Flächen sowie die Beständigkeit der Farbe und ein anhaltendes, perfektes Erscheinungsbild. Dabei ist zu bedenken, dass ein Holzboden im Außenbereich größten Beanspruchungen ausgesetzt ist. Die witterungsbedingten Veränderungen des Holzes machen ein perfektes Aussehen ähnlich einem Parkettboden auf Dauer schlichtweg unmöglich. Auch Riss- und Schieferbildung gehören im Außenbereich je nach gewählter Holzart in unterschiedlichem Ausmaß zu den üblichen Veränderungen. So neigen beispielsweise Western Red Cedar und die meisten Thermohölzer kaum zum Schiefern. Neben der Holzart ist die Art des Einschnitts von entscheidender Bedeutung: die kernabgewandte (»linke«) Brettseite neigt weniger stark zu Schieferbildung als die kernzugewandte (»rechte«) Brettseite. Als optimal hat sich der Einsatz von Rift- und Halbriftbrettern herausgestellt. Diese hohe Qualitätsanforderung ist allerdings auch mit deutlich höheren Kosten verbunden. Die Farbe der jeweiligen Holzart sollte bei der Materialauswahl keine Rolle spielen, weil alle unbehandelten bewitterten Holzoberflächen nach einiger Zeit eine ähnliche, graue Färbung annehmen. Bei der Verwitterung handelt es sich natürlich in keiner Weise um einen Mangel, sondern um eine natürliche Veränderung bewitterten unbehandelten Holzes. Einzige Möglichkeit, das Vergrauen zu verhindern, ist die Behandlung des Holzes mit diversen Ölen oder Lasuren. Allerdings benötigen solche Anstriche im bewitterten Bereich eine Wartung in relativ kurzen Intervallen (zumindest einmal jährlich), zudem verändern auch sie ihr Aussehen, nicht zuletzt weil sie durch Wartungsanstriche dunkler werden.

Natürliche Dauerhaftigkeit unterschiedlicher Hölzer

Die verschiedenen Holzarten haben unterschiedliche Eigenschaften. Eine der wichtigsten im Zusammenhang mit dem Einsatz im Außenbereich ist die natürliche Dauerhaftigkeit, und dabei besonders die Widerstandsfähigkeit gegen Pilze. Diese Eigenschaft ist in der ÖNORM EN 350 beschrieben. Im Teil 2 der Norm sind die Einstufungen unterschiedlicher Hölzer in die verschiedenen Klassen angeführt, unterschieden wird in einem fünfklassigen System von 1 (sehr dauerhaft) bis 5 (nicht dauerhaft). Von den heimischen Terrassenhölzern liegen die Robinie (1 bis 2) und die Europäische Eiche (2) voran, während die beliebte und bewährte Lärche mit der Einstufung 3 bis 4 eher im Mittelfeld zu finden ist. Die Einstufung in die Dauerhaftigkeitsklassen erfolgt gemäß Teil 1 der Norm durch Labor- oder Freilandprüfungen. Bei Letzteren wird die Standzeit von Holzstäben im direkten Erdkontakt ermittelt. Allerdings kommt es in den meisten Fällen von richtigem Holzeinsatz im Außenbereich zu keinem Erdkontakt.
Eine aktuelle Forschungsarbeit aus Deutschland hatte zum Ziel, die Dauerhaftigkeit in einer dem üblichen Holzeinsatz entsprechenden Einbausituation zu ermitteln, wenn also Holz ohne Erdkontakt der direkten Bewitterung ausgesetzt ist. Mittlerweile liegen Ergebnisse aus acht Jahren Forschung vor. Die verschiedenen Hölzer wurden im so genannten Doppellagentest geprüft. Nach den bisher vorliegenden Ergebnissen ergibt sich z. B. für Kiefer und Douglasie in dieser Einbausituation die Einstufung 3 (statt 3 bis 4 laut Norm) und für Lärche 2 (statt 3 bis 4 laut Norm). Dies spiegelt auch die Erfahrungen vieler Zimmerleute wider, dass gerade die Lärche für Konstruktionen im Außenbereich bei richtiger und sorgfältiger Konstruktion sehr gut geeignet ist. Es bleibt abzuwarten, ob diese aussagekräftigen Forschungserkenntnisse auch in die Normung Eingang finden werden.

Langzeitforschungsprojekt über Sicherheit und Ökoakzeptanz von Terrassenbelägen aus Holz

Auf einer im März 2010 errichteten Terrassenfläche von 300 m2 in Tulln, Niederösterreich, untersucht die Holzforschung Austria die Eignung heimischer und nicht heimischer Holzarten sowie modifizierte und imprägnierter Hölzer und Holzwerkstoffe für den Terrassenbereich im 1:1-Versuch. Neben den unterschiedlichen Materialien kommen bei den 68 Versuchsfeldern auch unterschiedliche Oberflächenstrukturen und -behandlungen sowie unterschiedliche Befestigungsarten zum Einsatz.

Das Forschungsprojekt, das von zahlreichen Firmen und den Verbänden der österreichischen Holzwirtschaft unterstützt und von der Österreichischen Forschungsförderungsgesellschaft (ffg) mitfinanziert wird, konzentriert sich dabei auf folgende Schwerpunkte:

  • Rutschverhalten und Schieferbildung
  • Befestigung und Stolpergefahr
  • Auswaschen von Inhaltsstoffen und Ökotoxizität
  • optisch-haptische Veränderungen und Dauerhaftigkeit

Die Versuchsfläche in Tulln soll für mindestens drei Jahre wissenschaftlich betreut werden, um Forschungsergebnisse aus sowohl etablierten als auch neuen Labor- und Freilandversuchen evaluieren zu können.

Normen

ÖNORM EN 350-1 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz; Teil 1: Grundsätze für die Prüfung und Klassifikation der natürlichen Dauerhaftigkeit von Holz

ÖNORM EN 350-2 Dauerhaftigkeit von Holz und Holzprodukten; Natürliche Dauerhaftigkeit von Vollholz; 
Teil 2: Leitfaden für die natürliche Dauerhaftigkeit und Tränkbarkeit von ausgewählten Holzarten von besonderer Bedeutung in Europa

Literatur 

Natürliche Dauerhaftigkeit verschiedener Holzarten – Ergebnisse aus acht Jahren Feldversuch
Andreas Otto Rapp, Ulrike Augusta, Karin Brandt, Eckhard Melcher in: Wiener Holzschutztage 2010, Holzforschung Austria (Hg.), Wien 2010, €35

Balkone und Terrassenbeläge aus Holz
Klaus Peter Schober, Claudia Auer, Gerhard Grüll
HFA-Schriftenreihe, Band 12, Wien 2008, €38,50

Verlegeempfehlung für Terrassenbeläge aus europäischer und sibirischer Lärche 
Verband der Europäischen Hobelindustrie, 2008
www.veuh.org

Landschaft konstruieren – Materialien, Techniken, Bauelemente 
Astrid Zimmermann (Hg.)
Basel-Boston-Berlin 2010, €49,90
proHolz Publikationen zum Thema:
Zuschnitt 21 Schutzschichten
Zuschnitt 22 Wasserkontakt
Zuschnitt 23 Holzarten
Edition Holz im Garten

Holzspektrum – Ansichten, Beschreibungen und Vergleichswerte
Josef Fellner, Alfred Teischinger, Walter Zschokke
Wien 2006, €75,–
Zu bestellen unter 
www.proholz.at/shop

Ansprechpartner:
Holzforschung Austria
www.holzforschung.at

Fotos
© Holzforschung Austria

Text

Claudia Koch
  • geboren 1976
  • Studium der Holzwirt­schaft an der boku Wien
  • seit 2003 wissenschaft­liche Mitarbeiterin bei der Holzforschung Austria

Schwindmaß

Mittelwerte in Prozent;
Hölzer mit größeren Schwindmaßen ändern durch Quellen und Schwinden ihre Dimension stärker und neigen zu Verwerfung und Rissbildung.

Härte

Brinellhärte in N/mm2;
gibt die durchschnittliche Druckfestigkeit einer Holzart quer zur Holzfaser an. Je größer die Werte, umso härter ist das Holz.

Dichte

Mittelwerte der Rohdichte bei 12 Prozent Holzfeuchte, in kg/m3. Je größer die Werte, umso schwerer ist das Holz.

Dauerhaftigkeit

Natürliche Dauerhaftigkeit des Kernholzes gegen Pilze;
Klassen laut ömorm: 1 sehr dauer­haft, 2 dauerhaft, 3 mäßig dauer­haft, 4 wenig dauerhaft, 5 nicht dauerhaft
 

Heimische Hölzer

6,6 34 702 2 Eiche
5,3 48 761 1 - 2 Robinie
5,6 19 583 3 - 4 Lärche
5,9 20 502 3 - 4 Douglasie
5,9 19 543 3 - 4 Kiefer
5,7 12 441 4 Fichte
         
       

Tropenhölzer

7,6 32 930 2 Bangkirai
4,4 31 683 1 Teak (1 – 3 kultiviert)
3,4 10 390 2 Western Red Cedar
(3 kultiviert)
         
       

Holzmodifikationen

geringer als beim Ausgangsholz 15 - 40 bis 15% geringer als Ausgangsholz 1, 2, 3, 4 Thermoholz
mäßig, aber auch in Längsrichtung 40 - 170 1000 - 1300 1 - 2 Wood Plastic Composites

Eiche Verfärbungen angrenzender Bauteile durch Holzinhaltsstoffe und Verfärbungen bei Kontakt mit Metall möglich
Robinie Sehr gute Dauerhaftigkeit und hart; regional abhängige Verfügbarkeit
Lärche Neigt zur Schieferbildung; Verfärbungen bei Kontakt mit Metall möglich
Douglasie Harzaustritt häufig; Verfärbungen bei Kontakt mit Metall möglich
Kiefer Gut geeignet zur Druckimprägnierung; viele Äste
Fichte Für tragende Konstruktionen; kein Erdkontakt für dauerhafte Ausführungen
Bangkirai
Verfärbungen angrenzender Bauteile durch Holzinhaltsstoffe und bei Kontakt mit Metall möglich; Verwerfung, Krümmung und Rissbildung häufig
Teak Meist kultiviertes Teak mit schlechterer Dauerhaftigkeit im Handel; Verfärbungen bei Kontakt mit Metall möglich
Western Red Cedar Meist kultivierte Western Red Cedar mit schlechterer Dauerhaftigkeit im Handel; formstabil, aber sehr weich
Thermoholz Hohe Dauerhaftigkeit, Witterungsbeständigkeit, Schädlingsresistenz; formstabil, nicht für tragende Konstruktionen
Wood Plastic Composites (WPC) Hohe Formenvielfalt und Dauerhaftigkeit, geringe Riss- und Schieferbildung, Verarbeitung laut Herstellerangaben