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Regionale Wertschöpfungskette

Holz im Lungau

Thomas Dax, Ingrid Machold
Erschienen in
Zuschnitt 46: Für die Öffentlichkeit
Juni 2012, Seite 24f.

Holzproduktion und -verarbeitung sind wichtige Einkommensquellen nicht nur für die land- und forstwirtschaftlichen Betriebe, sondern für die gesamte regionale Wirtschaft im Lungau. Mit einer Waldbedeckung von fast der Hälfte der Fläche (Österreichische Waldinventur) ist die Region eines der waldreichsten Gebiete Österreichs.

Der Beitrag der Holzproduktion zur regionalen Bruttowertschöpfung des ersten Sektors liegt bei gut einem Drittel und stellt neben der Milchproduktion das zweite Standbein der land- und forstwirtschaftlichen Aktivitäten des Lungau dar. 51 Prozent der Waldfläche werden zum bäuerlichen Kleinwald gerechnet. Wie in nahezu allen Regionen Österreichs besteht eine enge Verbindung zwischen dem bäuerlichen Kleinwald und den landwirtschaftlichen Betrieben. Die meisten der rund tausend Waldbesitzer im Lungau führen einen landwirtschaftlichen Betrieb.

Demgegenüber verfügt der größte Waldeigentümer in der Region, die Österreichischen Bundesforste (ÖBf), mit 32 Prozent der Waldfläche (16.100 Hektar) über einen maßgeblichen Anteil. 16 Prozent der Waldfläche im Lungau gehören anderen (großen) Forstunternehmen, vor allem der Fürstlichen Schwarzenberg’schen Familienstiftung, die ihren Hauptsitz in der benachbarten Region Murau in der Steiermark hat.Die Holzproduktion der Region liegt bei durchschnittlich 161.000 Vorratsfestmetern pro Jahr, mit 72 Prozent der Gesamtproduktion gehören die ÖBf zu den intensivsten Nutzern des Lungauer Ertragswaldes. Nur 20 Prozent der Gesamtproduktion werden im Kleinwald geschlagen.Je nach Größe des Unternehmens differieren die Kosten der Holzproduktion. In den Produktionskosten sind die Kosten der Ernte, der Pflege, der Wegerhaltung und der Aufforstung enthalten, sie liegen zwischen 30,– und 60,– Euro je Ernte-festmeter. Für die Eigentümer des Kleinwaldesstellen die Kosten für Arbeitskräfte mit einem Anteil von 50 Prozent an den Gesamtkosten den größten Ausgabenposten dar, der Kostenanteil der Maschinen liegt bei etwa 40 Prozent der Gesamtkosten. Für den Großwald wird das gegenteilige Verhältnis angegeben. Dort liegt die größte Kostenkomponente beim Maschineneinsatz (rund 60 Prozent), während die Arbeitskräfte nur etwa 30 Prozent der Gesamtkosten ausmachen. Insgesamt entsprechen die Einnahmen mindestens den Ausgaben, Förderungen sind im forstlichen Zusammenhang wenig relevant, sie liegen nach Aussage der Experten bei etwa 4 Prozent des Umsatzes. Der Gewinn beträgt etwa 20,– Euro pro Erntefestmeter mit einer Spannungsbreite von 0,– bis 30,– Euro.

Verarbeitung der Holzprodukte

Die Verarbeitung der Holzprodukte im Lungau erfolgt weitgehend in der Region, in Sägewerken (etwa 70 Prozent der regionalen Holzproduktion), in der Industrieproduktion (rund 15 Prozent der regionalen Produktion) und der Energienutzung (ebenfalls etwa 15 Prozent der regionalen Produktion). Da sich der Großteil der regionalen Holzproduktion auf die Verarbeitung in Sägewerken erstreckt, ist dies für die Holzwirtschaft der zentrale Bereich. Zumeist erfolgt eine Verarbeitung in Sägewerken innerhalb der Region, nur etwa 10 Prozent des Rohholzes werden in umliegenden Sägewerken in der Steiermark beziehungsweise in Kärnten verarbeitet. Die Sägewerke der Region können aber durch die regionale Holzlieferung nur die Hälfte ihrer Kapazitäten abdecken, sodass sie versuchen, durch »Regionsimporte« den Auslastungsgrad zu erhöhen. Gerade in den letzten Jahren wurden einige zusätzliche Sägewerke gebaut, was in der regionalen Sägeindustrie zu erheblichen Überkapazitäten geführt hat.

Die Aufgaben und Arbeitsanforderungen haben sich in den letzten 25 bis dreißig Jahren beträchtlich geändert. Während früher hauptsächlich handwerkliche Tätigkeiten im Vordergrund standen, sind es heute zunehmend Informations- und Kommunikations-Kenntnisse und Kompetenzen sowie Regulierungs- und Überwachungstätigkeiten. Aufgrund dieses veränderten Anforderungsprofils für neue Arbeitskräfte in den Sägewerken beziehungsweise der Holzindustrie wurde es in den letzten Jahren zunehmend schwieriger, geeignete Lehrlinge zu finden.Der zweite Verwendungsbereich der Holzproduktion ist die Industrie. Dies betrifft etwa 15 Prozent der Ge-samtproduktion, die als Industrieholz in vollem Umfang aus der Region exportiert werden. Im Wesentlichen geht diese Produktion in die umliegende Papier- und Plattenindustrie, z. B. in Pöls oder Hallein.Die restlichen 15 Prozent der im Lungau produzierten Holzmenge werden für Energiezwecke genutzt und zu einem Großteil in der Region verbraucht. Der Verbrauch des Energieholzes ist weitgehend (zu etwa 70 Prozent) auf die Nutzung in der Region orientiert. Ein Anteil von 20 bis 30 Prozent des Energieholzes, das im Lungau produziert wird, wird aber in andere Regionen, vor allem in den Großraum Salzburg geliefert. Die obige Darstellung zeigt die Wertschöpfungskette Holz im Lungau in schematischer Form. Die Holzproduktion und -verarbeitung ist ein bedeutender Faktor für die wirtschaftliche Entwicklung der Region. Nach wie vor führen viele Landwirte umfangreiche Holzarbeiten und nutzungen durch, die einen nicht unwesentlichen Teil ihres Einkommens ausmachen. Und auch die nachgelagerten Bereiche (Sägewerke, Zimmerer, Tischler etc.) haben große Bedeutung im regionalen Arbeitsplatzangebot.

Verkauf und Konsum

Die Holzproduktion und die erste Phase der Verarbeitung in den Sägereien wird damit zwar vorwiegend in der Region vorgenommen, die Konsumenten, vor allem die Bauindustrie, befinden sich jedoch zu einem hohen Prozentsatz außerhalb der Region beziehungsweise im Ausland. 60 bis 70 Prozent der Erzeugnisse des Holzsektors gehen in den Export, ein Wert, der ungefähr der Exportquote des Bundeslandes Salzburg entspricht. Die hauptsächlichen Märkte sind Italien, Deutschland und die Schweiz, daneben auch Spanien und Frankreich. Darüber hinaus liefert die Region Lungau etwa 12 bis 25 Prozent ihrer Holzprodukte in andere Regionen in Österreich (zumeist innerhalb des Bundeslandes Salzburg).

Mithilfe der verschiedenen institutionellen Arrangements – hier sind der Holzcluster Salzburg, die arge Starkholz und die Arbeitsgemeinschaft der österreichischen Holzwirtschaft proHolz zu nennen – wird die internationale Vermarktung der Holzprodukte forciert und kontinuierlich nach neuen Absatzmärkten gesucht. Promo_legno ist beispielsweise eine Plattform, in der proHolz gemeinsam mit italienischen Verbänden den Werkstoff Holz bewirbt und in verschiedenen Fachkongressen auf die vielfältige und innovative Verwendung von Holzprodukten aufmerksam macht.

Perspektiven und aktuelle Tendenzen

Es gibt eine enge Verbindung und viele Verknüpfungen zwischen der Wertschöpfungskette Holz und der regionalen Wirtschaft, was insbesondere durch die zahlreichen Holzproduzenten und holzverarbeitenden Betriebe deutlich wird. Für viele landwirtschaftliche Betriebe im Berggebiet bietet die Forstnutzung eine wichtige Einkommensquelle, die aber nur über eine regionale und überregionale Vernetzung in der Wertschöpfungskette gesichert werden kann. Hier wird die Bedeutung des Holzclusters und anderer institutioneller Arrangements in Salzburg deutlich, die die Aufgabe der Vernetzung und Unterstützung bei Kooperationen sowie Hilfeleistungen bei Problemen übernehmen und damit für kleinere Familienbetriebe die Chancen verbessern, an regionalen, aber vor allem auch an überregionalen Märkten teilzuhaben.

Auszug aus dem im Zuge des EU-Projekts TERESA entstandenen Forschungsbericht:
Analyse regionaler Wertschöpfungsketten am Beispiel landwirtschaftlicher Produktionsprozesse im Lungau und in Südtirol
Thomas Dax, Christian Hoffmann, Ingrid Machold, Thomas Streifeneder
Lebensministerium und Bundesanstalt für Bergbauernfragen (Hg.), 2011
www.berggebiete.at/cms/dmdocuments/publikationen/FF50.pdf

Foto:

© architekt steinklammer/Wolfgang C. Retter

Text

Thomas Dax
  • stellvertretender Leiter der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien
Ingrid Machold
  • Mitarbeiterin der Bundesanstalt für Bergbauernfragen, Wien

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