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Funktionskleidung aus Österreich

Thermische Fassadensanierung in Berlin

Karin Triendl
Erschienen in
Zuschnitt 50: Konfektionen in Holz
Juni 2013, Seite 23f.

Bei der Sanierung eines sechsgeschossigen Wohnhauses in Berlin-Tempelhof suchten die Architekten schaller + sternagel nach neuen Wegen, um in kürzester Bauzeit ein Gebäude aus den 1960er Jahren in ein Passivhaus verwandeln zu können. Die Wahl fiel auf ein System aus vorgefertigten Holzelementen, das es erlaubte, die zu erwartenden Mietausfälle so ­gering wie möglich zu halten und die ­Fassadensanierung sogar in den Wintermonaten durch­zuführen. Der Bestandsbau weist eine komplizierte Fassaden­geometrie auf. Die Balkone wurden in die Wohnungen integriert, wodurch nicht nur das Problem der Kältebrücken gelöst, sondern auch zusätzliche, vermietbare Fläche geschaffen wurde.

Die Hohlkastenelemente wurden samt Blindstöcken und Fenstern in Österreich produziert. Die dreigeschossigen Wandelemente mit einer Breite von ca. 3 Metern wurden nach Berlin transportiert und vor Ort per Dübelmontage am Bestand befestigt. Um Kältebrücken zu vermeiden, erfolgte die Anpassung der vierfach verglasten Fenster (U-Wert = 0,65) an die alte Wand mittels aufgeklebter Schaumschicht. Aufgrund der Größe des Projekts galten strengere Brandschutz­auflagen für den verwendeten Dämmstoff. Die Wahl fiel daher auf Mineralfaserschnipsel, die vor Ort durch Löcher in die Kammern der Holzbauelemente eingeblasen wurden. Damit erreicht das Wandelement einen U-Wert von 0,15. Bei einem zweigeschossigen Objekt ließe sich laut Auskunft des Herstellers auch Altpapier verwenden. Schwarze Unterspannbahnen machen die Konstruktion wetterfest, graue Schichtstoffplatten bilden den sichtbaren äußeren Abschluss der schlauen Haut. Die Sanierung wurde in rund vier Monaten Bauzeit mithilfe eines Krans und eines Hub­steigers, aber ohne Fassadengerüst um­gesetzt. Der Transport und die Montage erfolgten in zwei Abschnitten.

Der Besitzer kalkulierte höhere Investitionskosten ein, rechnet aber mit Ersparnissen im längerfristi­gen Betrieb der Immobilie. Das Fassadensystem ist im Vergleich zu herkömmlichen Voll­wärme­schutz­­systemen quasi wartungsfrei. Die Verwendung von Baustoffen aus Holz und Metall sowie der Einbau von dezen­tralen Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und einer ­solarthermischen Anlage für die Warmwassererzeugung garantieren nach­haltig Qualität. An Warmwasserkosten können 30 bis 40 Prozent eingespart ­werden, der gute Dämmwert bringt eine Heizkostenreduktion von bis zu 70 Prozent.

Fotos:

© Uli Klose

Text

Karin Triendl
Architektin, seit 2007 Bürogemeinschaft mit Arch. Patrick Fessler, schreibt als freie Autorin über aktuelle Stadt(Räume) und Architekturen
www.triendlundfessler.at

Thermische Fassadensanierung in Berlin

Standort

Bürgemeisterstraße 21, Berlin/D

Bauherr

me Wohnungsverwaltungs-GmbH & Co kg, Esslingen/D; büroma-apart Suites Apartmentvermietung, Esslingen/D, www.bueroma-apart.de

Planung

schaller + sternagel architekten, Stuttgart-Allensbach-Erding/D, www.schaller-sternagel.de

Holzbau

Weissenseer Holz-System-Bau GmbH, Greifenburg/A, www.weissenseer.at